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Symbolische Scheckübergabe am Rathausplatz in Steinbach: Arnold (l.) und Krämer.

Andenken mit Mehrwert

  • Gabriele Krämer
    VonGabriele Krämer
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Sie war ruhender Pol und treibende Kraft in einer Person. Im Januar ist Inge Krämer, Geschäftsfrau aus Steinbach, überraschend verstorben. Peter Krämer will die wohltätige Arbeit seiner Mutter fortführen: Mit einem Kapital von 50 000 Euro startet die Inge-Krämer-Stiftung.

Ihr selbst wäre das mit Sicherheit peinlich gewesen: Inge Krämer, die am 4. Januar im Alter von 82 Jahren verstarb, mochte nie viel Aufsehen um ihre Person. Acht Monate nach ihrem unerwarteten Tod wird sie in ihrem Heimatort Steinbach nochmals im Mittelpunkt stehen. Wenn am 1. September der Frauentreff im evangelischen Gemeindezentrum und einen Tag später der Seniorentreff im Kleintierpark zusammenkommen, wird Peter Krämer, der Sohn der rührigen ehemaligen Geschäftsfrau, die Inge-Krämer-Stiftung vorstellen und um Unterstützung werben. Mit einem Kapital von 50 000 Euro ist diese Einrichtung vor wenigen Tagen unter dem Dach der Bürgerstiftung Mittelhessen an den Start gegangen.

Gedanken an das Erben und Vererben sind unweigerlich mit dem eigenen Tod verbunden. Doch es tut gut, zu wissen, dass der Nachlass im eigenen Sinne geregelt ist - etwa, wenn wie bei Peter Krämer keine Erben existieren. Für ihn steht längst fest, dass das familiäre Erbe einem guten Zweck zugeführt werden soll. In der Bürgerstiftung Mittelhessen hat der alleinstehende Filmwissenschaftler eine Institution zur Umsetzung dieses Vorhabens gefunden. Ausschlaggebende Momente waren für ihn die Auseinandersetzung mit der letzten Lebensphase seiner Mutter und mit deren Nachlassregelung.

Als Alleinerziehende hatte es »Dambourschs Inge« früher nicht leicht, doch für ihre Mitmenschen hatte sie immer ein offenes Ohr und war nie um ein gutes Wort verlegen: Freundlich und zugewandt half sie, wann und wo immer sie konnte - im familieneigenen Lebensmittelmarkt ebenso wie im Dorfleben. Voller Kraft hatte sie sich seit ihrem beruflichen Ruhestand vor allem für die Seniorenarbeit engagiert. Dann zwang sie ein Rückenleiden nieder.

»Ich habe immer bewundert, wie unermüdlich sich meine Mutter für andere Menschen eingesetzt hat - ob es nun um Beistand in persönlichen Krisen und Notlagen ging oder um Heimbesuche, Vereinstätigkeit und Spenden«, resümiert Krämer und bemerkt: »Schon als Kind ist mir klargeworden, dass es bei ihrer beruflichen Tätigkeit nicht ums Geld ging, sondern um den Dienst am Kunden.« In den vergangenen Monaten sei ihm klar geworden, wie viele Organisationen seine Mutter unterstützt habe und in welchen Vereinen sie Mitglied gewesen sei. Ursprünglich habe er geplant, diese Institutionen mit einer einmaligen Spende zu bedenken. »Wir haben beide immer relativ sparsam gelebt«, sagt er. Das nun auch im Einvernehmen mit Mutters Schwester, Anni Krücken, in den Stiftungsfonds eingebrachte Geld resultiert aus den Einnahmen eines Mietshauses.

Die enge Verbundenheit zwischen Mutter und Sohn wurde durch die Krankheit noch intensiver. »Ich habe gesehen, was Schmerzen anrichten können bei dieser Frau, die sonst so hart im Nehmen war«, sagt Krämer und denkt an die eigene Ohnmacht, nicht helfen zu können. Als sich die Mutter um Weihnachten herum nach wochenlangen Krankenhaus- und Reha-Aufenthalten daheim quälte, standen das vom Sohn alarmierte Rettungswagen-Team und ein Notarzt zur Seite. »Da habe ich es unendlich schätzen gelernt, dass es solche Dienste gibt«, erläutert der 60-Jährige.

Liebevolle Geste zum Geburtstag

In der Satzung der Stiftung ist festgelegt: Mit dem jährlichen Ertrag und den Spenden an die Stiftung sollen gemeinnützige Einrichtungen im Geburtsort Steinbach und im Landkreis unterstützt werden. Die Schwerpunkte liegen auf der Förderung gemeinnütziger Aktivitäten der evangelischen Kirchengemeinde, von Hospizeinrichtungen und Vereinen zur Förderung der Palliativarbeit, wie sie etwa von PalliativPro in Gießen geleistet wird, und schließlich der Arbeit der Johanniter-Unfall-Hilfe und ähnlicher Organisationen.

Peter Krämer lebt und arbeitet seit Jahrzehnten in England. Mit Beginn der Coronapandemie im März 2020 kam er nach Steinbach, wo er seine Arbeit fortan vom Homeoffice aus erledigte; im September will er nach Norwich zurückkehren. Zuvor sind ihm die Einladungen im Frauentreff und im Seniorentreff eine Herzensangelegenheit: Am 2. September wäre seine Mutter 83 geworden. Die bewusste Terminierung ist eine besondere Geste der beiden Gruppierungen in liebevoller Erinnerung an ihre frühere Mitstreiterin.

Gemeinsam unterwegs: Inge und Peter Krämer 2014 auf Rundreise in England.

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