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Laut NGG ist für viele Altersarmut längst Realität.

Altersarmut trotz Vollzeitarbeit

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Gießen (pm). Ein Leben lang arbeiten, und trotzdem reicht die Rente nicht: Im Landkreis Gießen sind rund 7 000 Vollzeitbeschäftigte selbst nach 45 Arbeitsjahren im Rentenalter von Armut bedroht. Davor warnt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) und beruft sich hierbei auf Zahlen der Bundesagentur für Arbeit und der Deutschen Rentenversicherung.

Demnach verdienen 11,6 Prozent aller Beschäftigten, die im Kreis Gießen in Vollzeit arbeiten, weniger als 2050 Euro brutto im Monat. Rein rechnerisch müssten sie sogar mehr als 45 Jahre lang arbeiten, um auf eine Rente oberhalb der Grundsicherungsschwelle von aktuell 835 Euro zu kommen.

»Altersarmut ist kein Schreckensszenario in der Zukunft, sondern für viele Menschen längst Realität«, erklärte Andreas Kampmann, Geschäftsführer der NGG-Region Nord-Mittelhessen. Die Rente derer, die etwa jahrzehntelang in einer Bäckerei oder Gaststätten gearbeitet haben, reiche schon heute oft nicht aus. Rentenkürzungen oder Forderungen über ein späteres Eintrittsalter seien nach Meinung der NGG der falsche Weg. »Stattdessen muss die Politik die gesetzliche Rente stärken«, sagte Kampmann. Das Rentenniveau, also die durchschnittliche Rente nach 45 Beitragsjahren bei mittlerem Verdienst, dürfe nicht weiter absinken.

Seit dem Jahr 2000 sei das Rentenniveau bereits von rund 53 Prozent auf aktuell 48 Prozent abgesenkt worden. »Konkret bedeutet das, dass Geringverdiener mit einem Einkommen von weniger als 2 050 Euro brutto im Monat statt 42 nun fast 46 Jahre lang arbeiten müssen, um überhaupt noch die Grundsicherungsschwelle im Alter zu erreichen. Aber vier Jahre länger an der Bäckereitheke oder in der Lebensmittelfabrik zu stehen, ist vielen Beschäftigten gesundheitlich gar nicht möglich«, so Kampmann. Jede Anhebung des Renteneintrittsalters sei somit faktisch eine Rentenkürzung.

Zugleich seien die Unternehmen in der Pflicht, prekäre Beschäftigung zurückzufahren. Gerade im Hotel- und Gaststättengewerbe gebe es einen enormen Nachholbedarf, um die Einkommen wirklich armutsfest zu machen.

Gastgewerbe stark betroffen

Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit verdienen in Hessen aktuell rund 17 400 von 38 200 Vollzeitbeschäftigten im Gastgewerbe weniger als 60 Prozent des bundesweit mittleren Monatseinkommens von 3 427 Euro.

Die Zahl der Menschen, die in der Altersgruppe ab 65 armutsgefährdet sind, nimmt nach Angaben des Statistischen Bundesamtes weiterhin zu. Aktuell sind dies 18 Prozent. Im Jahr 2009 waren es noch 14 Prozent. Entscheidend sei nun, die gesetzliche Rente als zentrale Säule der Altersvorsorge für die Zukunft zu stärken, erklärte die NGG. Dafür müssten angesichts des demografischen Wandels auch weitere Mittel aus dem Bundeshaushalt fließen und die Rentenversicherung zu einer Erwerbstätigenversicherung, in die alle einzahlen, weiterentwickelt werden.

Die NGG verweist darauf, dass die eingeführte Grundrente zwar zu höheren Bezügen führen könne. Doch die Hürden mit erforderlichen 33 Beitragsjahren seien zu hoch, zudem falle der Zuschlag oft gering aus. »Die mögliche Einkommensanrechnung, etwa des Lebenspartners, lässt die Beträge weiter schrumpfen. Damit bekommen viele keinen oder nur einen geringen Zuschlag«, sagte Kampmann.

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