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Der Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan Guteleutsgärten in Lich ist gefasst. Weil noch viele Fragen bezüglich der Bebauung des alten Sportplatzes offen sind, hagelte es im Bauausschuss Kritik.

Alter Sportplatz wird Zankapfel

  • vonChristina Jung
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Auf dem alten Sportplatz in Lich sollen Grundstücke für Häuslebauer entstehen. Außerdem sozialer Wohnraum und eine Kita. Da noch viele Fragen offen sind, diesmal aber die Stadt selbst anstatt eines Investors in der Verantwortung steht, hagelte es im Bauausschuss Kritik.

Im November fiel in Lich die Entscheidung, das geplante Neubaugebiet auf dem alten Sportplatz an der Hattenröder Straße seitens der Stadt in Eigenregie zu entwickeln. Schon damals war die Abkehr vom Investorenmodell nicht unumstritten gewesen. Denn ob Fasanerie, Breuerbergsweiher oder Stiftswiese - stets war Bauland auf Wunsch der Stadtverordneten in den vergangenen Jahren von privaten Projektgesellschaften entwickelt worden. Um die Verwaltung zu entlasten und die Kommune vor finanziellen Risiken zu bewahren. Als am Dienstagabend im Ausschuss für Bauen, Umwelt und Verkehr der Aufstellungsbeschluss des Bebauungsplans für dieses Gebiet (Guteleutsgärten) auf der Tagesordnung stand, meldeten sich die kritischen Stimmen erneut zu Wort. Ziemlich laut sogar.

Mitglieder von CDU und FW äußerten Befürchtungen, dass angesichts der Vorstellungen von Verwaltung und Magistrat von den gut 20 000 Quadratmetern zu wenig Fläche zur rentablen Vermarktung übrig bleibe. Weil auf rund 3500 Quadratmetern ein Kindergarten entstehen soll. Weil bis zu 3000 Quadratmeter für den sozialen Wohnungsbau vorgesehen sind. Weil die Fläche, auf der die Tagesstätte gebaut werden sollte, mittlerweile Biotop-Charakter hat, was sich jüngst bei einer Begehung mit den zuständigen Behörden ergeben hatte. Weil unklar ist, ob eine Verrohrung des quer über das Gelände führenden Wassergrabens möglich ist.

»Wenn nicht, können wir da nicht einfach drüber bauen. Dann fällt noch mehr Fläche weg«, kritisierte Rainer Weber (CDU). »Wir sollen heute die Aufstellung beschließen, obwohl wesentliche Dinge bis dato nicht geklärt sind.« Fraktionskollege Markus Pompalla pflichtete ihm bei, forderte vor dem Aufstellungsbeschluss zunächst die Flächennutzung zu klären.

Bürgermeister Dr. Julien Neubert hielt dagegen. Die Fragen seien berechtigt, ihre Klärung aber nur im Rahmen eines Bauleitplanverfahrens möglich, weil erst dann die zuständigen Behörden dazu Stellung bezögen. Deshalb brauche es einen Aufstellungsbeschluss. Im weiteren Verfahren bestehe immer noch die Möglichkeit, dieses zu beenden. Und Risiken im Hinblick auf mögliche Restriktionen bestünden immer.

Mit Blick auf eine bedarfsgerechte Stadtentwicklung sei der alte Sportplatz eine »unglaublich interessante und wichtige Fläche«, so Neubert. Es bestehe Bedarf an günstigem Wohnraum und an Betreuungsmöglichkeiten. »Ich weiß langsam nicht mehr, wo ich die Kita-Plätze hernehmen soll. Die Warteliste wird immer länger.«

Er stehe deshalb nach wie vor zu der Vorlage. Die Stadt benötige aus den genannten Gründen dringend eine Fläche mit Baurecht. Auch der Ältestenrat, in dem alle Fraktionen vertreten sind, habe diese Dringlichkeit gesehen.

»Aber wenn Sie Sorge haben, dass am Ende des Tages zu wenig reinkommt, dann müssen Sie die Kita und den sozialen Wohnungsbau eben rauslassen«, so Bürgermeister Neubert.

Man sehe die Dringlichkeit sehr wohl, entgegnete Pompalla, aber es sei notwendig die Fragen am Anfang zu stellen, weil die Sache »in unserer Verantwortung ist« und nicht in der eines Investors.

Am Ende sprach sich eine Mehrheit von SPD, FW und Grünen für die Aufstellung des Bebauungsplanes Guteleutsgärten aus, ebenso für die notwendige Flächennutzungsplanänderung, da das Areal derzeit noch als Grünfläche geführt wird. Die CDU stimmte dagegen, die FDP enthielt sich.

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