Welchen Nutzen hat der Wald?

  • VonVolker Heller
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Allendorf (vh). Über die Bewirtschaftung des Allendorfer Stadtwalds brauchte der Finanzausschuss in seiner aktuellen Sitzung nicht beschließen, denn die Fraktion BfA/FDP beantragte die Absetzung von der Tagesordnung. Brunhilde Trenz begründete das. Es gebe ja eine Arbeitsgruppe Wald und die wolle dazu Ergebnisse ausarbeiten. Man solle so lange warten.

Einstimmig nahm der Ausschuss diesen Antrag auf.

Umso eifriger kam nun das Thema »Stilllegung des Hombergs« zur Sprache. Hierzu gab es den entsprechenden Antrag der Grünen. Forstwirtschaft sollte zwischen dem Lumdatal und Climbach nicht mehr stattfinden. Sandra Henneberg meinte, die AG habe erst einmal getagt und Ergebnisse würden wohl auf sich warten lassen. Die Landschaftspflegevereinigung Gießen habe auf Anfrage mitgeteilt, dass eine Stilllegung nicht in Frage käme.

Naturnahe Bewirtschaftung

Es gebe im Homberg keine ökologisch hochwertigen Bereiche, die für das Ökokonto taugten. Der Wald sei teilweise geschädigt. Henneberg vertrat im folgenden ihre Auffassung von ökologisch betonter Waldbewirtschaftung. In einem Entwurf habe sie Argumente gesammelt. Dabei kämen viele Fachleute und Fachberichte zu Wort.

Letztlich stehe sie im Kontakt mit Förster Peter Wohlleben, der eine Naturwaldakademie gegründet hatte. Henneberg vertrat vehement die Auffassung, Wald sei mehr als nur ein Holzlieferant. Das meine auch das hessische Forstgesetz. Naturnahe Bewirtschaftung könne sich am Lübecker Modell orientieren. Dabei geht es um den vergleichenden Holzzuwachs von lange nicht genutzten Buchenaltholzbeständen im Unterschied zur regulären Bestandspflege.

Henneberg schlug vor, die vom Borkenkäfer befallenen Fichten einfach zu belassen und auf den üblichen Kahlschlag zu verzichten.

Förster Thomas Kremberg informierte, eine Stilllegung sei nur möglich, wenn die Fläche für Ökopunkte geeignet sei. Die Wahrscheinlichkeit hierfür steige mit dem Bestandsalter. Eine Stilllegung sei endgültig, werde sogar im Grundbuch eingetragen und könne nicht rückgängig gemacht werden. Im Homberg gebe es auch forstwirtschaftlich interessante Bereiche. Kahlschläge seien hier nie vorgekommen, sodass überall Buchen-Naturverjüngung stehe. Dadurch stünden viele Altersklassen auf einer Fläche gemeinsam. Totholz bleibe automatisch stehen. Wirtschaften und Ökologie gingen im Homberg zusammen.

Gerold Dietrich, ehemals Förster, jetzt Geschäftsführer der Holzvermarktung Mittelhessen, brachte den volkswirtschaftlichen Nutzen des Waldes ein. Jede Flächenstilllegung geschehe auf Kosten anderer. Die Verwendung des Rohstoffs Holz sei überaus vielfältig. Statistisch betrachtet liege der Holzbedarf pro Bürger und Jahr bei 1,3 Kubikmeter.

Im Allendorfer Stadtwald würden jährlich 1000 Kubikmeter Holz eingeschlagen. Somit betrage das Holzdefizit für Allendorf knapp 4000 Kubikmeter. Wenn in Deutschland vermehrt Wald stillgelegt werde, wo sollte der Bedarf an Holz gedeckt werden. Etwa aus Rumänien oder Brasilien? Dietrich: »Es gibt bald ein Bewirtschaftungsloch«.

Es sei möglich unter ökologischen Gesichtspunkten intensiv zu wirtschaften. Der hiesige Holzverkauf bediene Abnehmer im Umkreis von etwa 100 Kilometer. Das sei regionale Vermarktung. Holzwirtschaft in diesem Umkreis beschäftige mehr Mitarbeiter als die Automobilzulieferer.

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