Sie wollen dem TSV Allendorf/Lumda natürlich weiter die Stange halten. Doch für die erste Reihe, den Vorstand, brauche es endlich neue Gesichter, finden (v. l.) Hans-Jürgen Schicktanz (Rechner), Walter Diehl (erster Vorsitzender) und dessen Stellvertreter Rainer Müller. FOTO: JWR
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Sie wollen dem TSV Allendorf/Lumda natürlich weiter die Stange halten. Doch für die erste Reihe, den Vorstand, brauche es endlich neue Gesichter, finden (v. l.) Hans-Jürgen Schicktanz (Rechner), Walter Diehl (erster Vorsitzender) und dessen Stellvertreter Rainer Müller. FOTO: JWR

Nachwuchssorgen im Verein

Vorstand des TSV Allendorf/Lumda sucht dringend Nachfolger

  • Jonas Wissner
    vonJonas Wissner
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Der TSV 1907 Allendorf/Lumda zählt knapp 1100 Mitglieder. Doch für den Vorstand findet sich kein Nachwuchs. Drei führende Köpfe schlagen Alarm und informieren, was im schlimmsten Fall ohne Vorstand passieren könnte.

Bei 1000 sollte Schluss sein - eigentlich. Als Walter Diehl 1999 erster Vorsitzender des TSV Allendorf/Lumda wurde, hatte der Verein schon stolze 920 Mitglieder. "Ich wollte eigentlich bei 1000 aufhören", sagt Diehl. Diese Marke war 2010 erreicht. Heute gehören knapp 1100 Menschen dem TSV an. Und Diehl ist noch immer Vorsitzender.

Es ist nicht so, dass er an seinem Stuhl kleben würde. Das gleiche gilt für Rainer Müller (zweiter Vorsitzender seit sieben Jahren) und Hans-Jürgen Schicktanz, der sich seit 14 Jahren um die Vereinsfinanzen kümmert. Alle sind nun Mitte, Ende 60. "Wir drei haben vor aufzuhören. Irgendwann ist es auch mal gut", sagt Diehl. Alle zwei Jahre wird neu gewählt, das nächste Mal 2021. Das Problem: Unter den weit über 1000 Mitgliedern haben die drei bislang niemanden gefunden, der für ihre Ämter kandidieren würde.

An Mitgliedern, die sich potentiell im Vorstand engagieren könnten, mangelt es dem TSV nicht. Aber warum will anscheinend niemand den Job machen? "Die Leute werden heute etwas später Eltern als früher. Viele, die auch im Beruf sehr engagiert sind, haben Familie", sagt Müller. "Aber wir haben es früher ja auch gemacht", wirft Diehl ein.

TSV Allendorf/Lumda sucht Vorstand: eine Hemmschwelle

Er denkt, dass die Einstellung vieler sich geändert habe: Der Zusammenhalt sei heute nicht mehr so stark. Manche zögen weg, andere wollten sich durch ein Vorstandsamt wohl nicht zu fest binden, lieber flexibel bleiben. "Manche haben vielleicht Angst, der Vorstands-Job könnte zu schwierig sein", vermutet Schicktanz. "Da ist eine Hemmschwelle, die Furcht vor der Herausforderung."

Der TSV prägt Allendorf seit 1907. Nicht alle Mitglieder sind Sportler, viele unterstützen den Verein passiv über die Mitgliedsbeiträge. In den vergangenen Jahrzehnten hat sich die Angebotspalette erweitert, heute gibt es neun Abteilungen - von Handball und Fußball über Tischtennis und Ju-Jutsu bis zu Coronarsport. Ein Großteil der Vereinsarbeit werde von den Abteilungen und deren Leiterinnen und Leitern gewuppt, betonen die drei aus dem Vorstand. Aber auf der höchsten Ebene sieht es eher mau aus.

Für sie sei es eigentlich immer selbstverständlich gewesen, sich im Verein auch neben dem Sportbetrieb einzubringen, erzählen sie. Diehl kommt vom Handball, Müller vom Fußball, Schicktanz vom Lauftreff. Teils waren sie in jungen Jahren auch schon in anderen Vorstands- oder Abteilungsämtern aktiv. Können sie sich an eine Kampfabstimmung beim TSV erinnern? Die drei lachen lauthals. Das sei sehr lange her.

TSV Allendorf/Lumda sucht Vorstand: "Irgendwann muss Schluss sein"

Sie haben auch stürmische Zeiten erlebt, etwa einen Fall von Unterschlagung vor etwa 15 Jahren. Danach übernahm Schicktanz die Finanzen. "Ich habe es immer gern gemacht, aber auch gesagt: Irgendwann muss Schluss sein." Bereits seit Jahren versuchten sie, andere Mitglieder für ihre Ämter zu gewinnen, erzählen Diehl, Müller und Schicktanz. "Es heißt dann oft: Du bist doch jetzt in Rente - du hast doch Zeit", berichtet Schicktanz.

Was wird auf mögliche Nachfolger an Aufwand zukommen? In Stunden lasse sich das schwer bemessen, sind sich die drei Allendorfer einig. "Eine Woche ist mal nichts, in der nächsten fast jeden Tag etwas zutun", erläutert Diehl. Sitzungen müssen vorbereitet, die Mitglieder informiert und neue Ideen erdacht werden, um den Verein auf der Höhe der Zeit zu halten. "Es geht auch ums Repräsentieren", wirft Müller ein, das sei wahrscheinlich nicht jedermanns Sache. Und man dürfe nicht vergessen, dass zum Vorstandsamt manchmal auch der Besuch von Beerdigungen gehöre. Teils habe sich der Aufwand auch verringert. So müsse man heute nicht mehr alle Einladungen für die Versammlung ausfahren und den Mitgliedern einwerfen. Die Vorstandsarbeit ist kein Hexenwerk - aber sie muss eben erledigt werden, so der Tenor. Und natürlich seien sie selbst bereit, Nachfolger zu unterstützen.

TSV Allendorf/Lumda sucht Vorstand: Worst-Case-Szenario

Wie geht es nun weiter? Für den Fall, dass sich auf Dauer keine Nachfolger finden, gäbe es ein düsteres Szenario: Ohne Vorstand müsste laut einem Schreiben des Landessportbunds geprüft werden, ob der Verein nach außen noch vertretungsberechtigt ist. Notfalls könnte das Amtsgericht einen "Notvorstand" einsetzen. Die Liquidation wäre der letzte Schritt.

Doch so weit wollen Schicktanz, Müller und Diehl noch nicht denken. Und zumindest für die Finanzen zeichnet sich ein Plan B ab: Ein ortansässiges Büro könnte die Buchhaltung womöglich übernehmen, falls sich sonst niemand findet, sagt Schicktanz.

Für einen neuen Vorstand seien auch kreative Lösungen denkbar, betonen die drei. Etwa eine Doppelspitze statt eines ersten Vorsitzenden. Die Satzung könne man ja entsprechend ändern, sagt Müller, "Hauptsache, es geht weiter".

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