Windräder

Viel Wind um Öko-Strom im Lumdatal

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Noch ist das nördliche Lumdatal frei von Windrädern, doch das könnte sich bald ändern: Entlang der Kreis-Nordgrenze sind aktuell 16 Windräder in Planung, drei weitere in Staufenberg. Ein Überblick über die Projekte.

Die letzten Atommeiler gehen in wenigen Jahren vom Netz, die letzte Steinkohlezeche wurde kürzlich stillgelegt. Deutschland braucht neue Energiequellen – und Windkraft ist eine zentrale Zutat der "Energiewende". Doch wo sollen die Windräder stehen?

Um Wildwuchs zu vermeiden, wurde vor gut zwei Jahren der "Teilregionalplan Energie Mittelhessen" beschlossen. Er weist Flächen aus, die vorrangig für den Bau von Windenergieanlagen vorgesehen sind. Das heißt nicht, dass sie dort auch gebaut werden müssen. Entscheidend ist, ob die Besitzer der Flächen (Kommunen, das Land Hessen oder das Privatbesitzer) sich mit Interessenten einig werden, etwa über die Höhe der Pacht, und ob das Regierungspräsidium (RP) am Ende seine Zustimmung erteilt.

16 Windräder an der Kreisgrenze in Planung

In dem Windenergie-Vorranggebiet zwischen Allendorf (Lumda) und Ebsdorfergrund sollen laut aktueller Planung 16 Windräder entstehen, 2017 waren noch 24 angedacht. Diese lassen sich in drei Projekte unterteilen:

  1. Interessentenwald Nordeck-Winnen: An der Nordgrenze des Landkreises Gießen sind aktuell vier Windräder vom Betreiber WPD AG geplant. Gegner haben sich der Bürgerinitiative "Wald ohne Windkraft" in Ebsdorfergrund angeschlossen und trommeln öffentlich gegen die Windräder. Die Waldfläche ist in Privatbesitz, rund 60 Einzelpersonen mit unterschiedlich großen Teilflächen beteiligt. Pro Windrad, so ist in Nordeck zu hören, können die Besitzer mit insgesamt 40 000 Euro jährlichen Pachteinnahmen rechnen.
  2. Interessentenwald Dreihausen: Das Gebiet grenzt im Norden an den Interessentenwald Nordeck-Winnen an, auch dort plant WPD vier Windräder. Aktuell sind, wie das Regierungspräsidium auf Anfrage mitteilt, aber noch keine konkreten Anträge für die gesamte Vorrangfläche gestellt. Die Planungen für Nordeck/Winnen und Dreihausen werden vor Ort trotz der Landkreisgrenze als ein Projekt wahrgenommen.
  3. Staatsforst bei Roßberg/Wermertshausen: Die Waldfläche liegt in der Gemeinde Ebsdorfergrund, ist aber im Besitz des Landes und wird von Hessen Forst verwaltet. Bürgermeister Andreas Schulz hätte sich die Zusage von Hessen Forst gewünscht, dass der Landesbetrieb seine Waldflächen nicht an Windkraft-Betreiber verpachtet. Er konnte sich damit aber nicht durchsetzen. Die Anlagen werden von der juwi AG geplant. In Gesprächen des "Windkraftforums Ebsdorfergrund", einem Runden Tisch von Beteiligten, wurde die Anzahl der geplanten Anlagen auf nun acht reduziert.

Außerdem ist, wie aus dem Abschlussbericht des Forums hervorgeht, kein Windrad mehr im Wasserschutzgebiet um den Tiefbrunnen Wermertshausen geplant. In dem Bereich befindet sich auch eine Sammelstelle für schwach radioaktive Abfälle, etwa aus Kliniken. Nach einer Risikobewertung des TÜV Nord wurde der Abstand der geplanten Windräder zu der Anlage auf mindestens 300 Meter vergrößert.

"Windpark Staufenberg" ist schon beantragt

Ein weiteres Vorranggebiet betrifft Staufenberg, Allendorf (Lumda), Fronhausen und Ebsdorfergrund.

Stadtwald Staufenberg: Dort sollen drei Windräder entstehen. Das Areal gehört der Stadt, dadurch kann die Kommune selbst Einfluss auf die Errichtung von Windrädern nehmen. Der "Windpark Staufenberg" ist das einzige Projekt im nördlichen Lumdatal, für das bereits ein Genehmigungsantrag gestellt wurde. Ziel ist, dass die Anlagen von der "Energiegesellschaft Lumdatal" betrieben werden, einem Zusammenschluss von ursprünglich zehn Kommunen.

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Außerdem sollen, so der Plan, Bürger Anteile erwerben können. Doch die kommunale Allianz ist mittlerweile brüchig geworden, unter anderem hat sich Pohlheim verabschiedet. Das gewählte Modell einer Kommanditgesellschaft berge steuerliche Nachteile für Kommunen, sagt Staufenbergs Bürgermeister Peter Gefeller. Nachdem das RP kürzlich eine weitergehende Prüfung wegen einer Rotmilan-Brutstätte eingeleitet hat, dürfte sich die Umsetzung weiter verzögern.

Gemarkung Allendorf/Lumda: Auch für eine im Teilregionalplan ausgewiesene Fläche in städtischem Besitz gibt es laut Bürgermeister Thomas Benz bereits mehrere Interessenten. In einer Ausschusssitzung hat ein E.ON-Tochterunternehmen im Oktober die Vorplanung für vier Windräder vorgestellt. Benz betont aber, dass noch längst nichts entschieden sei. Es gehe darum, die Öffentlichkeit frühzeitig über mögliche Optionen zu informieren.

Info

Von der Planung bis zum Betrieb

Sind sich der oder die Besitzer eines Areals auf einer Wind-Vorrangfläche mit einem Unternehmen einig über eine Verpachtung geworden, dann kann der Genehmigungsantrag gestellt werden. Zuständig ist das Regierungspräsidium. Nach einer Vollständigkeitsprüfung unter Einbeziehung von Fachbehörden beginnt das Genehmigungsverfahren an sich. Um dann eine Anlage betreiben zu können, muss eine immissionschutzrechtliche Genehmigung eingeholt werden. Anschließend können sich Bewerber an einem Ausschreibungsverfahren nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz beteiligen. Zuständig dafür ist die Bundesnetzagentur. (jwr)

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