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Der TSV-Allendorf und der Abschied

  • vonPatrick Dehnhardt
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Wenn die Fußballsaison im Amateurbereich wieder weitergehen kann, wenn sogar irgendwann wieder Zuschauer zugelassen sein werden, dann wird in Allendorf ein Platz am Spielfeldrand leer bleiben. Herbert Lotz ist tot. Am Freitag war die Beerdigung - coronabedingt nur im kleinsten Kreise.

Für seine Freunde beim TSV Allendorf war dies ein besonders bitterer Moment, denn man konnte von dem langjährigen Vereinsmitglied nicht so Abschied nehmen, wie dieses es eigentlich verdient hätte. »Herbert war in Sachen Fußball der Mann für alle Fälle«, sagt Walter Diehl vom TSV-Vorstand. Der Satz »Nachwuchs fördern und in die aktive Mannschaft integrieren« war das Motto seiner Arbeit.

Während es mancher Bundesliga-Spieler nicht einmal eine Saison bei seinem Verein aushält, stand Lotz für Kontinuität: 27 Jahre lang leitete er die Fußballabteilung, von 1964 bis 1991. Der größte Erfolg in dieser Zeit war der Aufstieg in die A-Klasse 1987. Berufsbedingt verpasste er damals das Aufstiegsspiel gegen den SV Saasen - es war übrigens das einzige wichtige Spiel, bei dem er nicht dabei war. Und das, obwohl er als stellvertretender Gebietsleiter für Thomson-Siegel rund um die Welt reiste.

1970/1971 leitete er die Jugendabteilung - die prompt A-Jugendkreismeister wurde. Doch nicht nur auf dem Platz, auch abseits war ihm die Gemeinschaft wichtig. 2015 schilderte er gegenüber dieser Zeitung - kurz nachdem er die Ehrung zum Allendorfer »Bärtzebürger« entgegengenommen hatte -, dass es im Verein stets ein starkes Gemeinschaftsgefühl gab. Man half sich gegenseitig. »Als sich einer mitten im Hausbau das Bein brach, haben wir alle mit angepackt.«

Lotz packte stets mit an. 15 Jahre pflegte er den »heiligen Rasen von Allendorf«, beim Bau des Vereinsheims 2010/2011 übernahm er die »Bauaufsicht«. Der Verein zeichnete ihn mit der silbernen und goldenen Vereinsnadel aus, er wurde zum Ehrenmitglied ernannt. 2008 erhielt er aus Händen des DFB-Präsidenten die Ehren- urkunde.

Er war sich bewusst, dass dieses ehrenamtliche Engagement nur Dank des Rückhalts in der Familie möglich war. »Ohne meine Frau hätte ich das nicht machen können«, sagte er 2015.

Beim TSV Allendorf hinterlässt er eine große Lücke. »Wir können stolz sein, so eine engagierte Person in unseren Reihen gehabt zu haben«, sagte Walter Diehl im Namen des TSV-Vorstands. pad/FOTO: PAD

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