Die stille Silvesternacht

  • vonPatrick Dehnhardt
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Der Jahreswechsel war stiller als sonst - wer nicht noch ein paar Feuerwerksreste im Keller gebunkert hatte, der musste sich allein auf Wunderkerzen und Tischfeuerwerk beschränken. Und selbst wer noch Raketen besaß, durfte diese nur auf Privatgelände abfeuern. Ob dies in Sachen Brandschutz ein Fortschritt war, sei dahin gestellt.

Im Vorfeld hatte die Politik das Verbot damit begründet, dass Feuerwehren und Rettungsdienste in diesem Jahr entlastet werden sollten. "Aus Sicht des Gesundheitsamtes ist festzustellen, dass jede Person, die in der derzeitigen pandemischen Situation wegen einer durch Silvesterfeuerwerk verursachten Verletzung notfallmäßig versorgt werden muss, eine Person zu viel ist", teilte der Landkreis auf Nachfrage dieser Zeitung mit. Allerdings ist das ein Allgemeinplatz, denn jedes Jahr ist jede Person, die sich durch Feuerwerk verletzt, eine zu viel. Noch viel überflüssiger sind Menschen, die aufgrund von Alkoholvergiftung oder alkoholbedingten Verletzungen, etwa Stürzen, ins Krankenhaus kommen. Oder mit 200 km/h über die Autobahn gerast sind und einen Unfall gebaut haben - was leider auch in Corona-Zeiten noch erlaubt ist.

Klarheit, ob das Feuerwerksverbot wirklich die Krankenhäuser entlastet hat, könnte nur eine Statistik liefern. Nur gibt es die bislang nicht. Weder der Landkreis Gießen noch die Krankenhäuser selbst haben in den vergangenen Jahren erfasst, wie viele Menschen sich jährlich durch Feuerwerk verletzten.

Klare Zahlen gibt es hingegen zum Thema Brände und Silvesterfeuerwerk. Beim Jahreswechsel 2019/2020 blieb der Landkreis Gießen von größeren Bränden verschont, in den Vorjahren gab es größere Einsätze-

Die Lage könnte sich dadurch entschärft haben, dass die klassische Silvesterrakete ein Auslaufmodell ist, stattdessen immer mehr Verbundfeuerwerke gekauft und gezündet wurden. Da fallen deutlich weniger klimmende Reste vom Himmel oder verirren sich Querschläger auf Balkone und Hausdächer.

Mit eng gesetzten Leitplanken wäre auch dieses Jahr Silvesterfeuerwerk möglich gewesen: Nur Verbundfeuerwerke erlauben, die nur mit genügend Abstand zu Gebäuden von nüchternen Personen hätten gezündet werden dürfen.

So vernünftig wären die Leute nicht? Doch. Die, die sich das ganze Jahr 2020 an die Abstandsregeln gehalten haben, hätten diese auch in der Silvesternacht nicht über Bord geworfen. Vermutlich hätten sie auch ohne Anordnung auf Feuerwerk verzichtet.

Und die, denen schon 2020 alle Regeln egal waren, haben auch ohne Feuerwerk irgendwo heimlich in großen Gruppen gefeiert. Egoismus und Dummheit lassen sich nicht so leicht verbieten - da helfen auch keine Verfügungen. pad/FOTO: DPA

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