Ein Konzept für generationengerechtes Wohnen in den "Altstadthöfen" in Allendorf/Lumda soll entwickelt werden.
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Ein Konzept für generationengerechtes Wohnen in den "Altstadthöfen" in Allendorf/Lumda soll entwickelt werden.

Senioren mit ins Boot holen

  • vonVolker Heller
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Allendorf(vh). Eine Projektinitiative, bestehend aus Bürgern um Renate Becker, schickt sich in Allendorf an, beim Wettbewerb um den 2. Hessischen Preis für "Innovation und Gemeinsinn im Wohnungsbau" in vorderster Reihe ein gewichtiges Wörtchen mitzureden. Selten hatte es im Allendorfer Stadtparlament so rasch und bedenkenlos eine uneingeschränkte Zustimmung gegeben, einen Betrag von immerhin 10 000 Euro lockerzumachen.

Gute Resonanz

Somit erhalten Professor Dipl.-Ing. Maik Neumann und seine Studenten vom TransMIT-Zentrum für integrales Bauen der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) den Auftrag, ein Konzept für generationengerechtes Wohnen im Quartier "Altstadthöfe" zu erstellen.

Allerdings könnte der noch im Stadthaushalt 2021 einzustellende Betrag mühelos wieder in die Kasse zurückfließen, hat doch das Hessische Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen insgesamt 75 000 Euro Preisgeld ausgelobt. Bei der Wettbewerbspremiere 2018 hatten 70 Projekte teilgenommen, sechs davon sich das damalige Preisgeld von 40 000 Euro geteilt.

Neumanns Vortrag zu diesem Projekt stand eigentlich gar nicht auf der Tagesordnung. Das so betitelte Quartier liegt innerhalb von Treiser Straße, Rheingasse, Kirchstraße und Marktstraße. Das besondere am Projekt "Altstadthöfe" ist seine Zuordnung zum Thema Nachverdichtung, das Nutzen unbebauter Grundstücke innerorts, um den Verbrauch von Bauland (Neubaugebiet) zu mindern. Allerorten mahnt die Politik dieses Verfahren an.

In der Praxis scheitert die Kommunalpolitik, weil innerörtliche Grundstücke oder solche mit alten Scheunen, aus denen man Wohnraum schaffen könnte, in privater Hand sind und deshalb die Stadtverwaltung darüber nicht verfügen kann. Diesmal ist das Ziel, für die Schaffung von Mehrgenerationen-Wohneinheiten zunächst die Grundstücksbesitzer, meist Menschen im Seniorenalter, mit ins Boot zu holen. Becker, die an der THM beschäftigt ist und daher den Kontakt zu Neumann (ist übrigens Architekt) herstellte, hat nach eigenem Bekunden bereits drei Viertel der Anwohner des Quartiers persönlich befragt.

Becker teilte mit, die Ressonanz sei erfreulich gut. Manche der Befragten hätten signalisiert, ihre Grundstücke zur Verfügung zu stellen.

Im Bedarfsfall könne das Quartier flächenmäßig noch ausgeweitet werden. Sogar die Krankenkassen hätten Fördertöpfe für Projekte, die das gemeinsame Wohnen von Jung und Alt beträfen. Neumann erläuterte den weiteren Ablauf des Wettbewerbs. Im ersten Schritt müsse nun blitzschnell bis zum 2. Oktober (Abgabefrist) auf viereinhalb A4-Seiten ein kleiner Konzeptsteckbrief ins Ministerium geschickt werden.

Mitte Dezember gibt das Ministerium bekannt, welche Beiträge in Phase zwei des Wettbewerbe eintreten können. Bis Ende Januar 2021 muss das ausführliche Konzept, an dem sich die Bürger (Anwohner) beteiligen werden, abgegeben sein. Eine Fachjury beurteilt dann die Projekte. Neumann beurteilt die Erfolgsaussichten der Allendorfer "Altstadthöfe" als vielversprechend.

Die öffentliche Preisverleihung findet im April 2021 in Wiesbaden statt. Alle Wettbewerbsbeiträge aus Phase zwei werden in einer Publikation des Ministeriums veröffentlicht. Mehrere Ausstellungen der prämierten Arbeiten sind vorgesehen.

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