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Das Haus Lindengasse 16 in Allendorf macht von außen einen soliden Eindruck. Doch das Dach ist undicht, eine Innenrenovierung dringend vonnöten. FOTO: JWR

Sanierung oder Abriss?

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Allendorf(vh). Anfang Januar 2015 ereignete sich in der Lindengasse 16 ein schlimmer Wohnhausbrand. In dem dreistöckigen Mehrfamilienhaus sind momentan zwei Wohnungen belegt. Die Brandschäden sind beseitigt, die Fenster etwa wurden erneuert, die Fassade gestrichen. Dennoch müsste das Gebäude - die Stadt vermietet hier Sozialwohnungen - aufwendiger saniert werden.

Ortstermin und Beratung

Das Ziegeldach ist bereits undicht, in Heizungsanlage und Sanitärbereiche müsste investiert werden. Das Stadtparlament hat nun ausgiebig das weitere Vorgehen diskutiert. Dabei gingen die Ansichten weit auseinander.

Günter Muhly (parteilos, Grüne) nannte den Sanierungsbdarf "ein Fass ohne Boden". Am Ende kämen alle Sanierungen teurer als ein Neubau. Er plädierte für den Abriss und mochte an gleicher Stelle ein energetisches Modellprojekthaus mit Fördergeldern errichtet haben. Die aktuellen Mieter dürfe man aber nicht vergessen. Ralf Hofmann (FW) monierte, erst habe das Haus jahrelang geschlummert, nun befürchte er eine "Salamitaktik". Erst werde das Dach gemacht, dann die Heizung und so weiter. Schließlich koste alles zusammen 600 000 bis 800 000 Euro.

Hofmann bat, die Angst der Mieter ernst zu nehmen. Er stellte den Antrag, der Magistrat solle infrage kommende Institutionen des sozialen Wohnungsbaus bezüglich einer Übernahme ansprechen. Thomas Stein (CDU) sprach sich für einen Ortstermin in der Lindengasse aus und die Beratung darüber im Bauausschuss. Helmut Wißner (Grüne) warb ebenfalls für den Bauausschuss und brachte das EinStein-Kompetenzzentrum für erneuerbare Energie (Gimbsheim) ins Gespräch. Beim Dachsanieren könne man etwa Solarziegel verwenden.

Ulrich Krieb (CDU) nannte den Umgang mit den Mietern "skandalös" und sagte: "Wir haben keine Ersatzwohnungen." Er meinte, man soll Wohnung für Wohnung sanieren, das gehe schon. Für die Lumdatalbahn solle Geld ausgegeben werden, für die Leute tue man nichts. Brunhilde Trenz (BfA/FDP) stellte fest, es sei im Parlament zu einem früheren Zeitpunkt Konsens gewesen, dass im Falle eines Verkaufs auch Ersatzwohnungen bereitgestellt würden. Brigitte Heilmann (SPD) dachte in erster Linie an die Bewohner: "Kann man den Mietern das weiter zumuten?" Lothar Claar (BfA/FDP) gab zu bedenken, würde die Stadt schrittweise sanieren, bei dem bekannten Tempo, dann würden die Mieter wohl sechs Jahre in einer Baustelle wohnen.

Jürgen Rausch (Finanzchef im Rathaus) teilte mit, Architektin Muskau würde eine Liste mit den notwendigen Arbeiten erstellen. Im Dach dringe jedenfalls Feuchtigkeit ein. Der Kostenvoranschlag für dessen Sanierung liege bei 100 000 Euro. Einstimmig bei drei Enthaltungen beschlossen die Stadtverordneten den Antrag der Freien Wähler: Ortstermin, Beraten im Bauausschuss, Magistrat sucht Käufer.

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