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Den Haltepunkt Allendorf/Lumda einer Lumdatalbahn gibt es bisher nur als Pappmodell zum Nachbauen für Kinder.

Politischer Wille entscheidend für Reaktivierung

  • VonVolker Heller
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Allendorf (vh). Aus der vielleicht größten Geduldsprobe des letzten Jahrzehnts und länger im Lumdatal könnte im Idealfall ein Pilotprojekt von bundesweiter Bedeutung werden. Auf der Hauptversammlung des Lumdatalbahnvereins für die Jahre 2019 und 2020 bemühte Vorsitzender Manfred Lotz das geflügelte Wort »Und täglich grüßt das Murmeltier« aus der gleichnamigen Filmkomödie.

So viele Aufschübe und Vertröstungen für ein Bauvorhaben suchen jedenfalls ihresgleichen, so Lotz.

Hinzu käme die Unsicherheit nach jeder Kommunalwahl, Landtags- oder (bald) Bundestagswahl. Der Vorsitzende bedauerte, dass mit Helge Braun nur ein Bundestagsabgeordneter des Landkreises Gießen vertreten sei. Eine öffentliche Äußerung Brauns, um die Reaktivierung nach vorne zu bringen, diese gar in Berlin geäußert, sei ihm jedenfalls nicht bekannt, bedauerte Lotz. Überhaupt seien die Christdemokraten diesbezüglich ein unsicherer Kantonist.

Nach der Kommunalwahl diesen März sei die CDU stärkste Fraktion im Kreistag und in der Koalitionsvereinbarung mit Grünen und Freien Wählern werde wohl auch die Lumdatalbahn erwähnt. Lotz mag bloß nicht recht darauf vertrauen.

Entscheidung im Oktober?

Vorstandsmitglied Klaus Zecher äußerte sich klipp und klar, die Reaktivierung hänge nicht von der Kostenhöhe ab, sondern allein vom politischen Willen. Dieser betreffe konkret den Klimaschutz im Allgemeinen und dazu zähle nicht etwa nur Kohleausstieg, vielmehr viele große und kleine Vorhaben allerorten.

In diesen Kontext sei die Reaktivierung einzuordnen. Vorstandsmitglied Gabi Waldschmidt-Busse erläuterte, dass die Lumdatalbahn beim Bundesverkehrsministerium momentan als ein mögliches Pilotprojekt gehandelt werde für den Typus einer Bahnreaktivierung im ländlichen Raum, der beim Standard-Bewertungsverfahren chancenlos wäre. Neue zusätzliche Kriterien würden gerade gesetzeskonform gemacht. Erfülle die künftige Lumdatalbahn dieses Raster, gelte sie fortan als ein förderungswürdiges Pilotprojekt des Bundes. Bis zu 90 Prozent der Investitionskosten, momentan mit 33 Millionen Euro angegeben, übernehme dann der Bund, das Land Hessen den Restbetrag.

Manfred Lotz rechnet mit dieser Entscheidung noch diesen Oktober. Es sei denn, die Bundestagswahl trage zum erneuten Aufschub bei.

Vereinsmitglied Karl Wagner meinte, man müsse noch mehr die Öffentlichkeit aufsuchen, sei es über den Verein Gießener Land oder die in Gründung befindliche Akademie für den ländlichen Raum des Hessischen Umweltministeriums.

Die Neuwahlen des Vereinsvorstands ergaben: 1. Vorsitzender Manfred Lotz, 2. Vorsitzender Friedrich Lang, Schriftführerin Kerstin Lotz und Kassenwartin Christa Becker. Beisitzer sind Gabi Waldschmidt-Busse, Alexandra Hamel-Bahr, Roland Schubert, Raphael Omokoko, Klaus Zecher, Hans Langecker und Detlef Gumprecht.

Schriftführerin Lotz plant die nächste Sonderfahrt des Vereins. Das Ziel wäre eine Fahrt mit der Kurhessenbahn auf dem Abschnitt zwischen Frankenberg und Korbach (2015 reaktiviert). Vorläufig ist der 6. November angepeilt. Wegen Corona ist das natürlich unsicher.

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