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Großer Bahnhof 2019 bei der Einschulung an der Grundschule Lollar. Spaliere sind auch in Zeiten von Corona weiterhin möglich, solange der Abstand eingehalten wird.

Einschulung

Kreis Gießen: Corona-Regeln zur Einschulung lösen teils Unverständnis aus

  • VonPatrick Dehnhardt
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In der kommenden Woche starten die Erstklässler im Kreis Gießen ins Schulleben. Vielerorts dürfen sie nur die Eltern bei diesem Schritt in den neuen Lebensabschnitt begleiten. Dies stößt auf ein geteiltes Echo.

Gießen - Kommende Woche beginnt für die Erstklässler auch im Kreis Gießen das Abenteuer Grundschule. Fast alle Eltern dürften mittlerweile die lange Liste an Dingen, die ihr Kind braucht, besorgt und den Ranzen für den großen Tag gepackt haben.

Bei den Kindern steigt die Aufregung. Die einen freuen sich auf den ersten Schultag, die anderen blicken ihm mit gemischten Gefühlen entgegen - besonders wenn sie eine schöne Kindergartenzeit hatten und dieser noch ein wenig nachtrauern. Für die Eltern bedeutet dieser Tag: Sie müssen ihre Kinder auf dem Weg ins Leben wieder ein Stück loslassen.

Während vor einem halben Jahrhundert Schulbrezel und Schultüte noch die Höhepunkt des Tages waren, hatte sich die Einschulung vor der Pandemie zu einem Familienfest gemausert. Dazu gehörte nicht nur Kakao und Kuchen am Nachmittag, sondern auch, dass Geschwister und Großeltern bei der Feierstunde in der Schule dabei waren.

2021 ist dies anders: Aufgrund von Corona haben viele Schulen im Kreis Gießen erneut das Einschulungsprogramm stark verkürzt und die Teilnehmerzahlen beschränkt. Letzteres sorgt teils für Enttäuschung. Eine Mutter eines künftigen Erstklässlers etwa sagt: »Bei einem Fußballspiel dürfen 25 000 Menschen ins Stadion, aber die durchgeimpften Omas und Opas nicht zur Einschulung ihrer Enkel.«

Einschulung im Kreis Gießen: Spagat zwischen schöner Feier und maximaler Sicherheit

An der Jenaplanschule Obbornhofen dürfen beispielsweise nur die Eltern die Kinder zur Einschulungsfeier begleiten. Lediglich für Geschwisterkinder im Säuglingsalter gibt es eine Ausnahme.

Die Grundschule »Sonnenberg« in Stangenrod hingegen heißt auch die Geschwisterkinder zur Einschulungsfeier in der Sport- und Kulturhalle willkommen. »In der Halle können alle 26 Erstklässler mit zwei Erwachsenen und den Geschwisterkindern Platz finden«, sagt Stefan Trautmann von der Schulleitung.

Nach dem Gottesdienst wird es in die Schule zu einer kleinen Begrüßung in die Aula gehen. Im Anschluss werden die Erstklässler ihre erste Schulstunde erleben und die Eltern sie danach wieder in Empfang nehmen können.

Für die Schulleitungen bedeutet der Einschulungstag, den Spagat zwischen einer schönen Feier und einem Maximum an Sicherheit hinzubekommen. Der Landkreis teilte auf Anfrage mit, dass »pandemiegerechtes Verhalten« bedeute, »sich und anderen keinen unvermeidbaren Infektionsgefahren auszusetzen und besondere Vorsicht bei persönlichen Begegnungen mit Personen, bei denen ein erhöhtes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf besteht, walten zu lassen«. Eine Empfehlung an die Schulen gab er aber nicht ab.

Einschulungen im Kreis Gießen: Besondere Regeln in der Corona-Krise

Das Kultusministerium veröffentliche am 20. August eine aktualisierte Regelung zu den Einschulungsfeiern. Ab einer Inzidenz von 35 dürfen bei Feiern in geschlossenen Räumen mit mehr als 25 Personen - wobei Geimpfte, Genesene und auch Kinder unter sechs Jahren mitzuzählen sind - nur Geimpfte, Getestete und Genese teilnehmen. Dies gilt für alle Besucher ab sechs Jahren, auch die Erstklässler. Für Feiern im Freien wird der Test hingegen nur empfohlen.

Die derzeit gültigen Hygiene-, Abstands- und Lüftungsvorgaben seien einzuhalten, zudem die Kontaktdaten der Teilnehmer zu erfassen.

Das Kultusministerium erlaubt die Aufführung von Musikstücken und anderen Darbietungen im Rahmen der Feier, nur gemeinsames Singen mit dem Publikum ist untersagt. Auch ein Snack und Getränke können den Eltern gereicht werden.

In der Grundschule am Eulenturm in Allendorf geht man dennoch auf Nummer sicher und verzichtet auf die traditionelle Aufführung, sagt Schulleiterin Marion Schmidt. Auch die Kirche fällt aus. Das traditionelle Spalier wird hingegen unter freiem Himmel stattfinden: Mit Abstand sowie Luftballons wollen die Zweit- bis Viertklässler den Weg der Erstklässler zur Turnhalle säumen.

Schulleiterin Schmidt kann sich noch gut erinnern, wie vor Corona über 400 Besucher bei der Einschulungsfeier in der Turnhalle zusammenkamen. Bereits 2020 seien nur die Eltern dabei gewesen. Schmidt habe danach viele positive Rückmeldungen erhalten: »Vielen Eltern hat es in dem intimeren Kreis besser gefallen. Und die Kinder sind so oder so aufgeregt.«

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