Nicht über jedem Keller steht ein Haus

  • schließen

Das unterkellerte Haus ist heutzutage keine Selbstverständlichkeit mehr. Aus Kostengründen wird ein Keller häufig eingespart oder das Gebäude wird nur teilunterkellert. Doch es gibt auch Keller ohne Häuser darüber, historische Gewölbekeller nämlich. Im alten Ortskern von Allendorf hat Susanne Gerschlauer (Daubringen), freiberufliche Kunsthistorikerin und Bauforscherin, bereits elf Kellerräume besucht und fotografiert. Die Gewölbe sind zwischen dem 15. und 18. Jahrhundert entstanden.

Das unterkellerte Haus ist heutzutage keine Selbstverständlichkeit mehr. Aus Kostengründen wird ein Keller häufig eingespart oder das Gebäude wird nur teilunterkellert. Doch es gibt auch Keller ohne Häuser darüber, historische Gewölbekeller nämlich. Im alten Ortskern von Allendorf hat Susanne Gerschlauer (Daubringen), freiberufliche Kunsthistorikerin und Bauforscherin, bereits elf Kellerräume besucht und fotografiert. Die Gewölbe sind zwischen dem 15. und 18. Jahrhundert entstanden.

Expertin plädiert für Kataster

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Allendorfer Bildungssommer" der Kreisvolkshochschule leitete Gerschlauer einen Grundkurs in "Gewölbekunde". Personelle Unterstützung gab die Arbeitsgemeinschaft Heimatgeschichte Allendorf/Lumda. Die Veranstaltung machte zunächst Station in Reunings Halle der Kunst. Gerschlauer, die kreisweit jeden Gewölbekeller, in den man sie hinein lässt, anschaut, wirbt für ein freiwilliges Kellerkataster. So selbstverständlich das Kataster für oberirdische Liegenschaften sei, sollte auch der historisch genutzte Untergrund dokumentiert werden, findet sie.

Gerade deshalb, weil nicht über jedem Keller ein Gebäude steht. Dieses Kataster beuge möglicherweise Schäden vor, wenn etwa eine Straße gebaut oder erweitert werde und der Untergrund aus Unkenntnis die statische Voraussetzung nicht erfülle. Das Wissen um vorhandene Gewölbekeller helfe ferner mit, die Sozialgeschichte eines Ortes zu erforschen. Gerschlauer lieferte auch für den Laien ersichtliche Datierungskriterien. Weil Form und Material über die Jahrhunderte nur wenig voneinander abwichen, sei die genaue Altersbestimmung kein Kinderspiel. Erst im Abgleich vieler Kellerbesuche ergebe sich ein genaueres Bild.

Dem informativen Referat folgte die Besichtigung dreier Keller. Die Führung übernahmen Gerschlauer sowie Werner Heibertshausen und Manfred Lotz von der Arbeitsgemeinschaft. Im ältesten Gewölbekeller Allendorfs (Londorfer Straße 12) konnte man kaum aufrecht stehen. Die vertikalen Deckensteine sind hier ein typisches Datierungsmerkmal für das 14./15. Jahrhundert. Das Gewölbe in der Marktstraße 13 liegt am Rande des Pfarrhofs – ohne Haus darüber. Es stammt aus dem 17./18. Jahrhundert. Im Künstlerhof Arnold folgte noch ein Gedankenaustausch. (Foto: vh)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare