Mit Investitionen und Änderungen am pädagogischen Konzept soll die Gesamtschule Lumdatal wieder attraktiver gemacht werden. FOTO: JWR
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Mit Investitionen und Änderungen am pädagogischen Konzept soll die Gesamtschule Lumdatal wieder attraktiver gemacht werden. FOTO: JWR

Schulstandort im Wandel

Neues Profil: Gesamtschule Lumdatal soll wieder mehr Schüler anlocken

  • Jonas Wissner
    vonJonas Wissner
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Die Sanierung der Allendorfer Gesamtschule geht voran, auch eine Profiländerung steht an. All dies soll die Attraktivität des Standorts wieder steigern, Schüler anziehen. Wird die Rechnung aufgehen?

Auch an der Gesamtschule Lumdatal (GSL) steht der Start ins neue Schuljahr unter Corona-Bedingungen kurz bevor: Hygienepläne müssen umgesetzt, Personalpläne teils umgeschichtet werden, weil voraussichtlich fünf Lehrer wegen der Zugehörigkeit zu einer Risikogruppe vorerst nicht unterrichten.

Statt Schülern und Lehrern sind an der GSL zurzeit aber vor allem Handwerker aktiv: Die zwei- und dreigeschossigen Klassentrakte sind teils eingerüstet. Sie werden nach und nach saniert und bekommen einen neuen Anstrich. Laut Standortleiter Ralf Achenbach sollen die Arbeiten im Oktober abgeschlossen werden.

Außerdem werden die Cafeteria und der Aufenthaltsraum daneben zurzeit neu möbliert und ausgestattet. Die Suche nach einem neuen Betreiber läuft derweil weiter. Und noch ein Fortschritt steht an: "Wir hoffen, dass wir im Laufe des Jahres noch einen Breitband-Anschluss bekommen", man warte noch auf die Telekom, sagt Achenbach.

Gesamtschule Lumdatal im Wandel: Millionenschwere Investitionen

Die Bauaktivitäten sind Teil einer millionenschweren Investition des Kreises in die GSL, um diese zukunftssicher zu machen. "Die Investition wird jetzt auch sichtbar, wir sehen, dass die Schule erhalten bleibt", zeigt sich Achenbach erfreut. "Jeder Schüler hat das Recht, an eine schöne, saubere Schule zu gehen - egal an welchem Standort."

Ab dem Schuljahr 2021/2022 steht eine weitere Neuerung ins Haus: Das Ganztagsprofil wird umgestellt. Die Nachmittagsbetreuung soll ausgebaut werden, die GSL dann bis 16 Uhr geöffnet sein - eine Stunde länger als bisher. "Das bedeutet auch längere Pausenzeiten und mehr Ruhephasen", sagt Achenbach. Auch sei geplant, die Mittagspause dann vor die sechste Schulstunde zu schieben.

Zwar sei eine Mehrheit der Eltern dafür gewesen, doch das Echo auf die Neuerung sei zwiegespalten. Ein Grund: Einige Schüler essen laut Achenbach mittags zu Hause. Wenn die sechste Stunde in einem Jahr erst nach der Mittagspause beginnt, könnte das komplizierter werden. "Es hat alles Vor- und Nachteile", sagt Achenbach. Im Zuge der neuen Schulzeiten stünden auch Verhandlungen über neue Busfahrpläne an. Ziel sei, dass die Busse dann möglichst rasch nach Schulschluss fahren - damit beispielsweise Schüler aus Rüddingshausen nicht erst nach 17 Uhr zu Hause sind. Die Umstellung ist ein weiterer Versuch, die GSL nach dem Rückgang der Schülerzahlen wieder attraktiver für potentielle neue Schüler zu machen. Und es besteht die Hoffnung, dass auch eine weitere pädagogische Neuerung dazu beiträgt: Ab dem nun beginnenden Schuljahr wird es erstmals seit Jahren keine "gymnasiale Eingangsklasse" in der Stufe fünf geben, sondern eine "reine" Förderstufe mit zwei Klassen.

Gesamtschule Lumdatal im Wandel: Länger gemeinsam lernen

Das heißt: Je nach Leistung wird in Hauptfächern in unterschiedlichen Kursen unterrichtet. Zuletzt hatten der Gymnasialzweig ab Klasse fünf und die Förderstufe parallel existiert. Laut Andrej Keller, Leiter der Clemens-Brentano-Europaschule (CBES) in Lollar und damit auch für den Standort Allendorf verantwortlich, war es einer Umfrage zufolge der Wunsch vieler Eltern künftiger Fünftklässler, zur an der GSL über viele Jahre etablierten reinen Förderstufe zurückzukehren - auch mit Blick auf längeres gemeinsames Lernen als Klasse.

Das schon im fünften Schuljahr beginnende Gymnasium sei einst dem Umschwenken auf das achtjährige Abitur geschuldet gewesen, sagt Achenbach. "Ich denke, das war der erste Bruch mit der Bevölkerung im Lumdatal." Die Anmeldezahlen seien danach zurückgegangen. "Das war die erste Delle" - und seither habe man die Schülerzahlen nicht mehr auf das vorherige Niveau steigern können. Über viele Jahre besuchten deutlich über 600 Schüler die GSL, in den vergangenen Jahren pendelte die Zahl laut Achenbach zwischen 260 und 300, aktuell liege sie bei 280.

Gesamtschule Lumdatal im Wandel: Im Wettbewerb

Vor allem auch von der Londorfer Grundschule, einer der größeren im Einzugsgebiet der GSL, orientierten sich nun viele nach der vierten Klasse Richtung Grünberg, statt die Allendorfer Gesamtschule zu besuchen, so Achenbach. Im Buhlen um Fünftklässler konkurriert die GSL auch mit Gießener Schulen - und der CBES in Lollar, die zugleich Partnerschule ist (siehe Kasten).

Welche Vorteile bringt die Kooperation? CBES-Leiter Keller verweist auf den Austausch von Lehrern. "Die Unterrichtsabdeckung in Allendorf ist viel besser geworden" - etwa mit dem Fach Spanisch, das Lollarer Lehrer nun auch in Allendorf anböten. In der kommenden Woche nehmen laut Keller auch 21 Schüler aus Allendorf an der "Summerschool" an der CBES teil. Außerdem besuchen ihm zufolge im kommenden Schuljahr 15 Ex-Zehntklässler aus Allendorf die Oberstufe an der CBES. "Da wachsen Dinge zusammen", findet Keller. Auch GSL-Standortleiter Achenbach nennt den Austausch von Lehrern, aber: "Ich glaube, es wird noch ein Weilchen dauern, bis man sich als eine Schule fühlt." Zwar gebe es gemeinsame Konferenzen, "dennoch weiß der eine Standort vom anderen wenig". Auch mache die Distanz von rund zwölf Kilometern zwischen beiden Schulen ein echtes Zusammenwachsen nicht eben einfacher. Die Entfernung sei "ein großes Hindernis" - etwa, weil das Pendeln von Lehrern auch Zeit koste.

Trotz mancher Schwierigkeiten: Laut Achenbach werden GSL-Schüler "eigentlich überall genommen", die Rückmeldungen von weiterführen Schulen und Ausbildungsbetrieben seien positiv. Ob die anstehenden Neuerungen die Attraktivität der GSL weiter steigern, dürften die kommenden Jahre zeigen.

Zusatzinfo: Seltene Kooperation

Einerseits befindet sich die GSL auch mit der CBES in Lollar im Wettbewerb um Anmeldungen für die fünfte Klasse. Zugleich ist die GSL quasi deren Juniorpartner: Im Zuge des Rückgangs der Schülerzahlen verlor die Allendorfer Gesamtschule 2015 formal ihre Eigenständigkeit, wurde der CBES als Zweigstelle angegliedert. Es ist ein eher ungewöhnliches und seltenes Modell der Kooperation. jwr

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