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Willi Platzer (Percussions), Klaus-André Eickhoff (Gesang und Piano) und Torsten Harder (Cello) spielen ein Open-Air-Gartenkonzert vor der evangelischen Kirche in Allendorf/Lumda.

Nachdenklich, witzig, politisch

  • VonVolker Heller
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Allendorf (vh). Unter der großen Linde vor der evangelischen Kirche in der Allendorfer Kernstadt saßen drei großartige Musiker. Sie spielten unter dem Motto »Alles muss raus« ein Open-Air-Gartenkonzert.

Pfarrer Stefan Schröder nannte das erste Konzert dieses Jahres »ein Signal«. Seine gedankliche Assoziation über das Motto drehte sich um geschlossene Geschäfte, den Gang in die Natur oder »es muss raus was in uns ist«.

Mit »Alles muss raus« zeigt Liedermacher Klaus-André Eickhoff Kostproben aus über zwanzig Jahren seines Schaffens. Stücke aus seinem jüngsten Album »Dieser Moment« fließen mit ein.

Der Sänger begleitet sich selbst am E-Piano. Der Cellospieler Torsten Harder stammt aus Mecklenburg-Vorpommern und Willi Platzer (Percussions) ist gebürtig aus Niederösterreich.

Natürlich spielt die Coronapandemie eine Rolle. Es geht um vermeintliche Selbstverständlichkeiten und es werden schöne Dinge angedeutet, die es vor Corona schon gegeben habe, die aber unerkannt geblieben sind. Das Dankbarsein wird jedoch nicht emotional ausgewalzt, sondern witzig zelebriert: »Dass auf meinem Mist etwas wächst« oder »dass ich mein Frühstücksei nicht selber legen muss«.

Beim Titel »Es ist alles zu viel« erfährt man, »manchmal geht es nicht. Das ist auch okay. Dann braucht es keinen Rat«. Einen Schwerpunkt macht der politische Eickhoff aus. Er habe alle Wahlprogramme gelesen und festgestellt, es werde »ein himmlischer Zustand versprochen«. So wisse man gar nicht, wo man sein Kreuzchen machen solle. Mit dem Titel »Im Himmel sind wir alle Kommunisten« zeigt er eine Breitseite Sprachwitz. Alle kommen dorthin - bis auf die Populisten, die einen eigenen Song abkriegen. Nachdenklich wird es wieder bei »Frühling oder Herbst«, wenn es heißt, »fängt etwas an oder ist es vorbei?«. Seine musikalischen Begleiter decken die unterschiedlichen Gefühlszustände mit den passenden Klangfarben ab.

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