Miriam Frank bereichert die Veranstaltung mit Gesang.
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Miriam Frank bereichert die Veranstaltung mit Gesang.

Nachdenklich und besinnlich

  • vonVolker Heller
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Allendorf(vh). Die "Corona-Sitzplätze" im Kirchenraum waren alle belegt. Lediglich auf der Empore wären noch welche frei gewesen. Um die Abstandsregel einhalten zu können, fand der jüngste Frauenabend der evangelischen Kirchengemeinde im Gotteshaus statt. Die verschärfte Gesichtsmaskenpflicht (Tragen auch am Sitzplatz) trat erst tags darauf in Kraft. Unter dem Thema "Abschied und Aufbruch" formulierten Anja Hagemann-Becker, Anette Schwarz und Carola Mank authentische Redebeiträge.

Persönliche Einblicke

Nach und nach erwuchs so eine Stimmung, nachdenklich und besinnlich wie in der Vorweihnachtszeit. Sentimentalität sollte aber nicht geweckt werden, denn in jedem Aufbruch liege immer auch ein Stück weit Bereicherung für das eigene Vorankommen, so der Tenor. Weil der Singkreis momentan zwangspausiert, waren Freya Schröder (Piano) und Miriam Frank (Gesang) für den musikalischen Part eingesprungen. Zunächst wurden Stichworte aus der menschlichen Biografie als kollektive Abschiede und Aufbrüche erwähnt und in Blattform an eine Leine im Altarraum gespannt: Schwangerschaft, Kinder in Schule und Ausbildung, ein Paar werden, Familie gründen, Beruf ausüben, in Rente gehen und: Sterben.

Carola Mank erzählte von einem erwarteten Abschied - von ihrem letzten Schuljahr als Lehrerin. Sie habe, anstatt über die Unzulänglichkeiten des Schulbetriebs zu jammern, noch einmal sehr intensiv die Vorzüge ihres Berufs aufgesogen, die Besonderheiten eines jeden Kindes wahrgenommen. Daraus seien ihr unerwartete Kräfte erwachsen. Selbst einen unerwarteten Abschied, das Verlassenwerden vom Ehemann, zunächst die größte Kränkung, habe sie überwunden. Die seelische Schwere habe sie "Stück für Stück auf dem Jakobsweg abgelaufen". Letztlich habe sie eine Gotteserfahrung gemacht: das Gefühl des Getragenseins.

Anette Schwarz ist Krankenpflegerin auf der Frühgeburtenstation. Sie berichtete von Erfahrungen mit Frauen, die darunter litten, "nicht richtig ausgetragen zu haben". Das Projekt "StartKlar" (an der UKGM) begleite die Frauen. Aktuell habe sie ihre Schwiegermutter verabschieden müssen: Nach deren Tod sei sie nun die älteste Frau daheim. Ihre Tochter ziehe zum Studieren nach Bayern um.

Anja Hagemann-Becker erzählte, als Kind habe der Mensch Gaben, als Erwachsener Pflichten. Ideal wäre die bessere Verteilung beider Anteile. Sie sprach von der Schwierigkeit, das individuell Naheliegende zu erkennen. Sie habe ihre Praxis (Ärztin) und den Unterricht an der Krankenpflegeschule gehabt, in sich "hineingehorcht, was man abgeben soll". Statt Schule lehrt sie nun als Lektorin Gottes Wort. FOTO: VH

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