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"Die Leute mögen es"

  • vonVolker Heller
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Allendorf(vh). Hiltrud Erbach aus der Kirchstraße 10 ist in der evangelischen Kirchengemeinde ihres Wohnortes fest verankert. Sie leitet die Erwachsenen-Flötengruppe und war beim Posaunenchor Jungbläserausbilderin und Vizedirigentin. Eine Straßenmusikerin ist Erbach aber keinesfalls. Die Corona-Krise hat sie dennoch mit ihrem Instrument vor die Haustür getrieben - und zwar täglich.

Im März hatten das Bistum Limburg, das Bistum Mainz und die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau ein hörbares Zeichen des gegenseitigen Trosts und der Ermutigung vereinbart. Allabendlich und immer zur selben Zeit sollte ein gemeinsames Geläut der Kirchenglocken stattfinden. Pfarrer Stefan Schröder nahm die Anregung auf, und somit läuten die Glocken des Gotteshauses jeweils um 18 Uhr für einige Minuten.

Doch das ist noch nicht alles. Hiltrud Erbach hat ebenso lange täglich nach dem Geläut den Andachtsfaden aufgenommen. Sie klemmt sich den Notenständer und ihre Trompete unter den Arm und findet ihren Platz hinter der geöffneten Gartentür zur Kirchstraße hin. Drei oder vier Choräle erklingen dann. Ihre Zuhörer finden auf der gegenüberliegenden Straßenseite Platz. Dazu zählen Menschen aus der Nachbarschaft und darüber hinaus. Bei trockenem Wetter können sich so bis zu 15 Personen versammeln. Manche Zuhörer stehen vor der eigenen Gartentür am Bürgersteig oder lauschen im Fenster. Insofern ist Erbachs täglicher Kurzauftritt kein Straßen- oder Balkonkonzert wie dieser Tage üblich. Die Musikerin, sie möchte übrigens kein großes Aufsehen, handelt als gläubiger Mensch aus Überzeugung. Erbach: "Das gibt mir viel und die Leute mögen es."

Ausgefallen ist die musikalische Andacht bisher noch nicht. Falls der Himmel seine Schleusen öffnet, bläst Erbach eben im offenen Fenster. FOTO: VH

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