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Werner Heibertshausen im alten Climbacher Wasserhaus, das die Arbeitsgemeinschaft saniert hat.

Climbacher Wasserhaus

„Lost Place“ tief im Wald gefunden und saniert – Auszeichnung geht in den Kreis Gießen

  • Jonas Wissner
    VonJonas Wissner
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Die Arbeitsgemeinschaft Heimatgeschichte Allendorf/Lumda wird heute in Wiesbaden mit dem Hessischen Denkmalschutzpreis ausgezeichnet. Die Gruppe hat schon etliche Facetten der Lokalgeschichte beleuchtet - unter anderem einen vergessenen Bau.

Allendorf/Lumda – Es war ein »Lost Place«, der zufällig wiederentdeckt wurde und seine Geheimnisse preisgab: Mitten im Wald zwischen Allendorf und Climbach steht das alte Climbacher Wasserhäuschen von 1908. Werner Heibertshausen von der Arbeitsgemeinschaft Heimatgeschichte ist noch immmer begeistert von der Kreativität und technischen Versiertheit der Climbacher vor mehr als 100 Jahren. »Das Kuriose daran ist die zusammengebastelte Technik, das ist einmalig«, sagt er. Die beiden Pumpen und die Turbine kamen von verschiedenen Firmen, auch die Räder einer alten Dreschmaschine fanden Verwendung. Mit Oberflächenwasser, das heute nicht mehr fließt, wurde laut Heibertshausen einst die Turbine betrieben, das Quellwasser so nach Climbach gepumpt.

Angefangen, berichtet der Heimatkundler, habe es mit einem alten Foto des Wasserhäuschens. »Dann haben wir stundenlang danach gesucht« - und schließlich das Bauwerk tief im Wald gefunden. Es war nur ein erster Schritt: Die Arbeitsgemeinschaft beantragte über den Kreis, den Bau unter Denkmalschutz zu stellen, letztlich mit Erfolg, wie ein kleines Metallschild am Eingang nun verrät.

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Heibertshausen und seine Mitstreiter interessierte vor allem auch die Technik von einst. Der inzwischen verstorbene Zeitzeuge Werner Burk habe ihnen dazu noch einiges erklären können, erzählt Heibertshausen. Über etwa fünf Jahre hinweg nahm sich die Arbeitsgemeinschaft des vergessenen Ortes an: Die Pumptechnik wurde mit Unterstützung eines Experten saniert, das Gebäude samt Zugang freigeschnitten. Dieser Erfolg sei vielen zu verdanken, betonen Heibertshausen und Manfred Lotz, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft: etwa Manfred Faulstich, der einen Brunnen vor dem Häuschen errichtet, oder Peter Stein, der viele Stunden in die Pumpentechnik investiert hat. Oder der kürzlich verstorbene Gerd Höricht, der für die Gestaltung etlicher Publikationen der Gruppe verantwortlich war. »Das Team steht im Vordergrund«, sagt Lotz. Man pflege ein Netzwerk, in dem jeder seine Nische finde.

Vom Engagement der Arbeitsgemeinschaft und ihrer Unterstützer in Sachen Wasserhäuschen kündet eine knapp 50-seitige Broschüre - und ab heute auch eine besondere Auszeichnung: Für ihre Verdienste, vor allem auch um dieses Bauwerk, wird die Arbeitsgemeinschaft mit dem Hessischen Denkmalschutzpreis ausgezeichnet. Für Heibertshausen, Lotz und einige andere Aktive ist es eine Wertschätzung für Erreichtes, auf das sie stolz sind. Sie sehen es auch als Würdigung des Gesamtwerks ihres Vereins.

2016 holten sie zum Beispiel die verschollen geglaubte Kirchturmuhr der evangelischen Kirche zurück nach Allendorf. »Das war die Blaupause, unser Maßstab für eine saubere Recherche und Aufarbeitung«, sagt Lotz. Weitere Projekte folgten, etwa ein Allendorfer »Familienbuch«, eine gedruckte historische Stadtführung und Broschüren zu verschiedenen Aspekten der Lokalgeschichte.

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Was motiviert Heibertshausen, der oftmals Initiator der Projekte ist, so viel Arbeit und Herzblut in die Lokalgeschichte zu investieren; sich manchmal, wie er erzählt, nächtelang durch alte Dokumente und Fotos zu graben und sie zu digitalisieren? »Ich möchte den Leuten mitteilen, wie unsere Vorfahren gelebt haben«, so der 83-Jährige. Es beeindrucke ihn, wie die Allendorfer von einst trotz harter Rückschläge und großer Not über Jahrhunderte immer wieder aufgestanden sind. »Wenn man sich die Brände anguckt, etwa 1728: Die Allendorfer haben zwar mit Gott gehadert, aber ihre Stadt wieder aufgebaut«, sagt Heibertshausen anerkennend.

Daraus lasse sich auch für die Gegenwart eine Botschaft ableiten. »Wir müssen froh und dankbar sein, dass wir im heutigen Deutschland leben«, sagt er. Sein Credo: »Wer die Vergangenheit nicht kennt, weiß nicht, wo er in Zukunft hingehen soll.« Es ist ihm ein Anliegen, dass Menschen den Wohlstand von heute zu schätzen wissen und nicht als selbstverständlich hinnehmen, etwa beim Thema Wasser: »Mir ist wichtig, den Leuten rüberzubringen, wie wichtig Wasser ist - und was die Stadt alles machen muss, damit es aus dem Hahn kommt.«

Dass Ruhen nicht gerade Heibertshausens Stärke ist, weiß Lotz mittlerweile nur zu gut: »Der Werner sitzt immer auf heißen Kohlen - er will nicht übermorgen, sondern morgen fertig werden.« Doch mitunter sei es schwierig, sich zeitnah um die Vorhaben zu kümmern. »Wir haben eigentlich zu viele Interessen und zu wenig Zeit«, sagt Lotz.

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Vieles würde Heibertshausen gern noch angehen. »Aber ich werde nächstes Jahr 84«, gibt er zu bedenken. »Da war der Adenauer noch Bundeskanzler!«, sagt Lotz und lacht. Doch auch ihm ist klar: Es wird Nachwuchs brauchen, um dauerhaft weitere Aspekte der Allendorfer Geschichte zu ergründen und die Erkenntnisse vorzustellen zu können. Lotz: »Wer mitarbeiten möchte, ist willkommen.«

Heibertshausen und Lotz hoffen, dass der Platz am alten Wasserhäuschen bei der Bevölkerung gut ankommt, vielleicht einmal Teil eines Rundwanderwegs wird. Doch nun sind sie erst einmal stolz auf das Erreichte. »Ich bin überwältigt, dass wir für den Preis vorgeschlagen wurden«, sagt Heibertshausen. »Wenn der Preis da ist, ist das Märchen perfekt.«

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