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Auch auf Messen vertritt Stefan Streicher seinen Arbeitgeber, die Städter GmbH. 

Profi für Torten und Co.

Konditor aus Allendorf gibt Expertentipps im TV

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Er backt fürs Auge: Stefan Streicher, Konditor bei der Firma Städter in Allendorf/Lumda, kreiert Torten & Co. und schult Kunden. Seine Kenntnisse sind auch im Fernsehen gefragt.

Stefan Streicher als Promi zu bezeichnen, wäre wohl etwas hoch gegriffen. In der Konditor-Szene hat sich der 38-Jährige aber längst einen Namen gemacht. Lächelnd zückt er eine Autogrammkarte. Beim Einkaufen oder im Fitness-Studio wird er inzwischen häufiger von Fremden angesprochen oder mit großen Augen angeschaut. "Ich denke dann immer: Habe ich was auf der Stirn oder ist das wegen ›Hallo Hessen‹?"

Vom Koch-Lehrling bis zum TV-Konditor war es ein weiter Weg. Streicher hat ihn nicht geplant, es hat sich einfach so ergeben: Als nach der Schulzeit der Wunsch reifte, kochen und backen zum Beruf zu machen, hielt sich die Begeisterung zu Hause in Grenzen, erzählt er: "Mein Vater war auch Koch, wir hatten ein eigenes Restaurant. Meine Mutter war erst dagegen, dass ich das mache, es ist ein sehr stressiger Job. Aber ich habe mich durchgesetzt." Nach der Koch-Lehre in Grebenhain, wo er auch aufgewachsen ist, ließ er sich zum Konditor ausbilden. In Stuttgart hat er in einer Patisserie gearbeitet und passende Torten zu Musicals gestaltet. Auch in einer Großbäckerei hat er schon seine Brötchen verdient, dann in einem kleinen Betrieb in Alsfeld.

Eher zufällig im Lumdatal gelandet

Eher zufällig hat es Streicher 2008 beruflich ins Lumdatal verschlagen. "Ich habe online eine Anzeige geschaltet, dass ich gern Produktvorstellungen machen würde." Städter, sein heutiger Arbeitgeber, meldete sich. Auf dem Weg zum Bewerbungsgespräch verfuhr sich Streicher erstmal, Allendorf/Lumda war für ihn noch Neuland. "Als ich dann den Schulungsraum gesehen habe, dachte ich: Nee, das kannst du nicht."

Er konnte doch. "Dass ich nach zwölf Jahren noch hier bin, hätte ich auch nicht gedacht" - aber der Job eröffnete ihm Möglichkeiten, die er heute nicht mehr missen will. Im Gegensatz zu den allermeisten Berufskollegen produziert Streicher nicht in erster Linie für den Gaumen, sondern für die Augen: Gemeinsam mit zwei Kollegen ist er bei Städter für die "Backschule" verantwortlich. Sie bieten vor Ort und außerhalb Seminare an, bei denen die Produkte der Firma zur Anwendung kommen - für Kunden, aber auch Privatpersonen.

Andrang in der Backschule

Rund 50 Leute seien oft dabei, der Andrang mittlerweile groß. Auch die Allendorfer Landfrauen sind regelmäßig zu Gast, hier hat der bodenständige Konditor schon eine kleine Fangemeinde. Mitunter kommen auch Bäcker-Azubis vorbei, sagt Streicher, denn in den Betrieben sei oft wenig Zeit, Konditoren-Know-how zu vertiefen. Als nächstes steht ein Buttercreme-Kurs auf dem Programm. Die Aufregung in solchen Kursen ist allmählich gewichen, "ich mache das richtig gern". Streicher schätzt den Kontakt zu Kunden und das direkte Feedback auf seine Kreationen.

Auch auf Fachmessen ist Streicher ein Gesicht des Unternehmens. Außerdem unterzieht er neue Produkte dem Praxistest; prüft etwa, ob Backformen und Bleche sich in der Küche bewähren. Vieles, was er backt und verziert, wird anschließend im firmeneigenen Fotostudio abgelichtet - für Verpackungen, Kataloge und Social-Media-Kanäle wie Facebook und Instagram.

Einfach mal probieren - mit dieser Devise ist Streicher nicht nur im Beruf erfolgreich, sondern 2019 auch im TV gelandet. "Ein Kollege und ich haben gesehen, dass bei ›Hallo Hessen‹ im HR oft Köche sind. Ich habe ein Kontaktformular ausgefüllt und losgeschickt." Die Rückmeldung war direkt eine Einladung, in der Live-Sendung mitzuwirken. "Dann habe ich das gemacht" - aller Aufregung zum Trotz. Etwa einmal im Monat sitzt er nun in der Show, oftmals gemeinsam mit einem Gärtner und einem Polizisten, und präsentiert Rezepte. Mittlerweile ist er auf der Internetseite der Sendung unter "Experten" gelistet, "da bin ich schon stolz drauf".

Die Auftritte im TV sieht Streicher als Chance - und auch für seinen Allendorfer Arbeitgeber sind sie freilich willkommene PR. "Ich darf da keine Werbung machen, es ist ja öffentlich-rechtliches Fernsehen", sagt Streicher. "Unsere Produkte werden abgeklebt - aber manchmal vergessen sie es."

Backen liegt im Trend

Mitunter ist Spontaneität gefragt: Die Sendung vor knapp einer Woche, am Faschingsdienstag, sollte eigentlich ganz im Zeichen des Karnevals stehen. Streicher hatte schon Donuts vorbereitet. Doch wegen der Gewalttat in Volkmarsen, wo am Tag zuvor ein Mann in eine Menschenmenge gefahren war, gab es einen Planwechsel. "Ich wollte gerade losfahren, da hat der HR angerufen und es hieß: Wir können heute keine Faschingssendung machen." Streicher besorgte rasch Äpfel, sattelte auf einen Apfelkuchen um. "Die Sendung hatte einen bitteren Beigeschmack, es war auch ein Notfall-Seelsorger dabei", sagt er. Ende März ist er wieder im Fernsehen, dann hoffentlich unter besseren Vorzeichen.

Zwar seien Bäcker und Konditor als Berufe schon mal beliebter gewesen, sagt Streicher. Backen an sich sei aber wieder in. Zu seinen Kursen kämen mehr und mehr junge Leute, die Neues lernen wollen. Das habe sicher auch mit Social Media und Backshows im TV zutun, die es nun häufiger gebe, vermutet er.

Die Branche scheint zu boomen, wird damit aber auch zum hart umkämpften Terrain. "Es gibt viele Bewerber am Markt, wir müssen Trendsetter sein." Und weit vorausblicken: "Wenn Ostern ist, denken wir schon an Weihnachten", sagt Streicher. Er wird weiter viele Ideen brauchen.

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