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Henner Eurich tritt in der Allendorfer Kirche auf.

Kalauer vom »halben Pfarrer«

  • VonVolker Heller
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Allendorf (vh). Alle aufgrund der Corona-Pandemie markierten Plätze in der evangelischen Kirche von Allendorf/Lumda sind am ersten Tag im neuen Jahr 2022 besetzt. Pfarrer Stefan Schröder heißt die Besucher willkommen und stellt den Kollegen Henner Eurich vor. Diesen hatte er im Herbst bei einer Dankesveranstaltung für Kirchenvorstandsmitglieder und Synodale des Dekanats Kirchberg im Restaurant Hofgut Winnerod kennen gelernt.

Eurich gestaltete hier das Unterhaltungsprogramm mit, Schröder fasste vor Begeisterung den Entschluss, ihn für Neujahr anzufragen. »Humor ist in der Kirche nicht so stark vertreten darf dort aber seinen Platz haben«, meinte er jetzt dazu.

Lieder und Pointen

Eurich, ein gebürtiger Vogelsberger, vertritt die Hessen-Nassauische Landeskirche momentan als Gemeindepfarrer mit halber Stelle nach außen. Im Rest der Zeit betreibt er quasi eine Innenschau der Institution Kirche als solcher. Zu diesem Zweck hat er sich das oberhessische Kirchen-Klavier-Kabarett namens »Alles, was Recht ist« ausgedacht. Zwischen dem Adventskranz auf der linken Seite und dem Weihnachtsbaum mit seiner dekorativen Lichterkette rechterhand lieferte der Gottesmann Gags und Pointen. Dieses tat er im Stehen und gestisch unterfüttert. Dann wieder setzte sich der Künstler ans E-Piano und bot selbst komponierte Lieder. Diese vereinten lockere Rhythmen und desillusionierende Texte. Erstaunlich, wie Eurich das miteinander verschmolz.

Der »halbe Pfarrer« kalauerte keinesfalls wild herum, er hatte inhaltliche Bezüge als Vorgaben parat, die er nun individuell ausdeutete. Anfangs noch mit einem Hauch Selbstironie: »Mann, was bin ich einsam«. Obgleich doch ein Pfarrer König in seinem Revier, der Kirche, sei. Das vermeintlich Majestätische geht mangels Menschenmasse aber schnell baden. Eurich hält durch, denn er weiß: Taufen, Konfirmieren, Trauen und ins Grab bringen, das können nur die Pfarrer. Dann würden sie gebraucht. Eine Sonderform kirchlichen Bedürfnisses sei der Heiligabend. Eurich schlussfolgerte, dass der Gesang vielleicht der wunde Punkt für sonst geringen Gottesdienstbesuch sei und die populären Weihnachtslieder ein jeder mitsingen könne.

Dann geht es der Kirchenordnung gehörig an den Kragen. Reichten Gott ehemals zehn Gebote, benötige man heuer zwei dicke Ordner. Jene hat Eurich mitgebracht. Nun wird den Kabarettgästen einiges klar. Warum der Pfarrer etwa die Kollekte des vorherigen Gottesdienstes bis auf den letzten Cent bekannt gibt, egal wie viele Besucher gekommen sind. Das muss er laut Vorschrift tun. Bezüglich der vorgeschriebenen Raumtemperatur von 15 Grad vermutete Eurich, dass Kirchengemälde und Orgel wohl Vorteile hätten aber »das ist doch keine artgerechte Haltung von Protestanten«. Andererseits seien die meisten Besucher (Frauen) »in Hitzewallungen«.

Die Nordkirche etwa schreibe 16 Grad vor und in Baden gebe es keine Gradzahl. Laut Arbeitsstättenverordnung dürfe der Pfarrer jedoch 19 Grad in Anspruch nehmen. Eurich ernüchternd: »Beim lieben Gott musst du dich warm anziehen«. Das Publikum erfährt noch mehr und ist restlos begeistert. Als Zugabe hält der halbe Pfarrer den Kalauer vom Postboten, der öfters Hausbesuche mache als ein Pfarrer, bereit und den gesungenen Reisesegen: »Setz’ die Segel, fahr’ hinaus zu neuen Ufern«.

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