Michael Carl
+
Michael Carl

"Ich habe noch weniger Zeit als vorher"

  • vonLena Karber
    schließen

Allendorf(lkl). Die Corona-Pandemie hat den Alltag aller auf den Kopf gestellt. Das öffentliche Leben steht still, soziale Kontakte haben viele nur noch telefonisch oder online. An dieser Stelle gewähren Menschen aus ganz unterschiedlichen Bereichen Einblicke in ihren neuen Alltag. Heute: Michael Carl, Stadtbrandinspektor Allendorf/Lumda.

Herr Carl, wie verläuft Ihr Tag normalerweise?

Normalerweise erledigte ich morgens kurz was für die Feuerwehr bevor ich nach Gießen ins Büro fahre. Dort arbeite ich bei Mettler Toledo im technischen Support. Auch in der Mittagspause stehen manchmal Kleinigkeiten für die Stadt oder die Feuerwehr an. Und abends geht es oftmals mit Sitzungen, Besprechungen oder sonstigen Terminen weiter.

Und wie sieht Ihr Alltag jetzt aus?

Ich fahre morgens noch immer ins Büro, da wir für unsere systemrelevanten Kunden wichtig sind und auch greifbar sein müssen. Dadurch, dass man aktuell keine persönlichen Kontakte mehr hat, hat sich der Alltag abseits der Arbeit jedoch stark verändert. Wenn ich nachmittags nach Hause komme, sind meine Frau und meine Kinder da. Weil auch bei den Kindern jeglicher Sport und alle Verabredungen entfallen, fordern alle ihren Anteil an gemeinsamer Zeit. Im Endeffekt ist man mehr eingespannt und kommt oft zu weniger als man sich erhofft. Bei Feuerwehrangelegenheiten versuche ich, so viel wie möglich telefonisch zu klären. Einige Sachen werden aber auch erst einmal liegen gelassen oder stehen komplett still. Im Moment findet etwa keine Ausbildungsveranstaltungen und Übungen bei der Feuerwehr statt, auch nicht für die Einsatzabteilung. Aber wir sind natürlich nach wie vor voll und ganz einsatzbereit und stehen im Ernstfall zur Verfügung.

Was vermissen Sie am meisten?

Am meisten vermisse ich die sozialen Kontakte. Ich bin ein geselliger Mensch und kläre Dinge gerne persönlich. Gerade die kameradschaftlichen Treffen im Feuerwehrhaus, wo wir normalerweise mindestens einmal in der Woche zusammensitzen, fehlen mir. Außerdem müssen Dienstanweisungen, etwa dazu, wie sich die Einsatzkräfte jetzt im Einsatzfall verfallen sollen, über E-Mail oder WhatsApp publik gemacht werden, was eine schwierige Art der Kommunikation ist, vor allem wenn es Nachfragen gibt. Daher arbeiten wir daran, über Online-Meetings große Treffen zu ermöglichen. So können dann nicht nur Informationen weitergegeben, sondern auch soziale Kontakte aufrecht erhalten werden. Diese Organisation kostet natürlich auch Zeit. Deswegen würde ich sagen, dass ich sogar noch weniger Zeit habe als vorher.

Was ist positiv?

Das Positive ist, dass man doch etwas mehr und reeller für die Familie da ist und mehr Zeit miteinander verbringt. Ein kleiner Vorteil an der Geschichte ist auch, dass man zu Hause mehr erledigt, wenn man abends nicht unterwegs ist. Da beendet man Baustellen, die schon ewig liegengeblieben sind. FOTO: PM

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare