Ehrenbürgerschaft

Hitlers Ehrenbürgerschaft in Allendorf/Lumda geklärt

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Mit 11:1 Stimmen war Adolf Hitler 1932 zum Allendorfer Ehrenbürger ernannt worden. Unklar war, ob der Titel je aberkannt wurde. Nun ist der Fall geklärt.

Die Frage eines jungen Mannes vor der Stadtverordnetensitzung im November hatte aufhorchen lassen: Er hatte sich während der Bürgerfragestunde erkundigt, ob Adolf Hitler noch immer Ehrenbürger der Stadt Allendorf (Lumda) sei. "Das müssten wir ermitteln", lautete die Antwort von Bürgermeister Thomas Benz damals, "wenn ja, werden wir natürlich alles dagegen tun".

Die Ermittlungen sind nun abgeschlossen. Und Brunhilde Trenz, Vorsitzende der Fraktion BfA/FDP sowie des Heimat- und Verkehrsvereins, gibt Entwarnung. Aus dem Archiv des Allendorfer Heimatmuseums gehe hervor, dass die Auszeichnung nicht mehr bestehe.

Beschluss von 1946

"Die Ehrenbürgerschaft von Adolf Hitler endete zwar durch seinen Tod, doch sah es das 1946 neu gewählte Parlament als seine Pflicht an, die Ehrenbürgerschaft auch formell zu beenden. In der Amtszeit des am 7. Februar 1946 gewählten Bürgermeisters Heinrich Muhly (parteilos) beschlossen die Gemeindevertreter am 18. Juni 1946 einstimmig, dass das Ehrenbürgerrecht Adolf Hitlers aberkannt wird", teilt Trenz mit.

Im Mai 1932, also knapp ein Jahr vor der Machtübernahme der Nationalsozialisten auf Reichsebene, hatte die Ortsgruppe der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) beantragt, Hitler zum Ehrenbürger zu machen. Der Gemeinderat habe den Antrag mit elf Ja-Stimmen verabschiedet. Lediglich Heinrich Bergen (SPD) habe dagegen gestimmt.

"Max Rosengarten, ebenfalls SPD-Gemeindevertreter und jüdischen Glaubens, hatte sich aus nachvollziehbaren Gründen vor der Abstimmung entfernt", informiert Trenz weiter. Als Hitler am 30. Januar 1933 zum Reichskanzler ernannt wurde, sei das Allendorfer Rathaus beflaggt worden – unter Verweis auf die Ehrenbürgerschaft des "Führers".

Auch Rosengartens Familie ermordet

Auch auf kommunaler Ebene hatte das NS-Regime die Verwaltung und das öffentliche Leben "gleichgeschaltet". Die Gewaltherrschaft schlug sich damals auch in dem Lumdatalstädtchen nieder: In Allendorf wurde 1933 für den "ersten judenfreien Nikelsmarkt" geworben, 1938 plünderten Bürger die Synagoge im Ort.

1942 wurden die verbliebenen Allendorfer Juden verschleppt und später ermordet. Unter ihnen war auch die Familie von Max Rosengarten – jenem SPD-Mann, der die Abstimmung über Hitlers Ehrenbürgerwürde 1933 verlassen hatte.

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