»Großes Thema Nachhaltigkeit«

  • vonVolker Heller
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Allendorf (vh). Die letzte Sitzung des Bauausschusses der Stadt Allendorf/Lumda in der ablaufenden Wahlperiode wartete auf mit einer Überraschung. Mögliche Festsetzungen für den künftigen Bebauungsplan »Auf der Hege II« wollte man beraten. Ohne die Überraschung hätte der Ausschuss aber ein wenig im Nebel gestochert. Mathias Wolf vom Planungsbüro Fischer hatte von dieser Sitzung erfahren, auf die Schnelle eine Präsentation erstellt, wie das Wohngebiet - etwa 29 Bauplätze - in Sachen Nachhaltigkeit einmal aussehen könnte und machte sich gleichsam zu einem Überraschungsgast.

Die Baulandfläche rechter Hand des verlängerten Hohlwegs und oberhalb des vorherigen Baugebiets »Auf der Hege I« wird momentan landwirtschaftlich genutzt: Grünland und Acker sowie im Südwesten etwas Streuobst. Wolf teilte mit, dass eine Nutzung als Wohnbaufläche bereits im übergeordneten Regionalplan Mittelhessen 2010 und im Flächennutzungsplan 2008 der Stadt Allendorf/Lumda vorgemerkt sei. Um den beabsichtigten Eingriff in die Natur zu minimieren, solle innerhalb des Baugebiets ein hoher Grünflächenanteil entstehen. Nachhaltigkeit betreffs Klima- und Bodenschutz sei heutzutage für Neubaugebiete das Gebot der Stunde, sagte Wolf.

Fassaden mit viel Glas

Grundsätzlich könne bezüglich der Gebäude eine Durchmischung stattfinden: Einzel-, Doppel- und Mehrfamilienhäuser. Für Pkw-Stellplätze seien nicht nur die Grundstücksbesitzer zuständig, es solle auch Stellplätze im öffentlichen Raum geben, sagte Wolf.

Sämtliche Grundstücke - ergo die späteren Häuser - würden in Richtung Süden ausgelegt. Somit könne an der Fassade viel Glas verbaut werden (Sonnenschein ersetze Heizung), und Fotovoltaik zur Energieerzeugung. Wolf: »Das große Thema der Stadtplanung der nächsten Jahre heißt Nachhaltigkeit.« Vor Wochen habe sich im Büro Fischer eine Arbeitsgruppe diesbezüglich gegründet.

Wolf nannte Praxisbeispiele, etwa Wandflächen für Fotovoltaik sowie grüne Dächer (auch Carports) und Fassaden für saubere Luft, Gebäudekühlung, Insektenschutz. Vor wenigen Jahren noch habe man solche Vorhaben als »für grüne Spinner« abgetan, in fünf Jahren sei das wohl der allgemeine Standard, skizzierte Wolf den Paradigmenwechsel.

Schottergärten jedenfalls solle der Bebauungsplan ausschließen. In den öffentlichen Straßenraum wünscht Wolf Baumpflanzungen, oder man könne die Bauherren zur Pflanzung auf ihrem Grundstück verpflichten.

Gabi Waldschmidt-Busse (Grüne) teilte mit, Markus Ferber (Treis), Techniker für nachhaltige Energie, habe angeboten, ein kostenloses Konzept für ein CO2-neutrales Baugebiet auszuarbeiten. Dieter Hilbert (Bauamt) schlug vor, Ferber zu einem Fachvortrag zu bitten. Brigitte Heilmann (SPD) nannte als weiteres Stichwort »Blockheizkraftwerk«. Sie mahnte, nicht nur für »reiche Bauherren« zu planen, sondern auch Mehrgenerationenhäuser und den sozialen Wohnungsbau zu berücksichtigen.

Waldschmidt-Busse hatte noch mehr grüne Vorschläge: Keine Parkplätze auf der Erschließungsstraße, diese gleichberechtigt für Fahrzeuge und Fußgänger, vier öffentliche Ladesäulen für E-Autos oder alternativ Leerrohre für E-Anschlüsse für alle Grundstücke, Trennsystem für Frischwasser und Löschwasser, Blockheizkraftwerk und Passivhausstandard. Gernot Schäfer (SPD) gab zu bedenken, alle Ideen müssten auch für junge Bauwillige bezahlbar sein.

Brunhilde Trenz (BfA/FDP) meinte, genaue Ausführungsdetails würden ohnehin durch das neu zu wählende Parlament beschlossen. Wolf ergänzte, alle etwaigen Bauvorschriften müsse er auf ihre Rechtskraft prüfen.

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