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Inzwischen ist in der Ziegenzucht in Winnen wieder Ruhe eingekehrt, davon konnte am Freitag noch keine Rede sein.

Vorfall bei Jagd

Zwischenfall: Jagd im Kreis Gießen soll aus dem Ruder gelaufen sein

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Bei einer Jagd im Allendorfer Revier haben am Freitag Hunde offenbar Ziegen in einem Privatgehege angegriffen, ein Tier wurde später eingeschläfert. Die Besitzerin der Ziegen erhebt Vorwürfe, die Polizei prüft den Vorfall.

Gießen/Allendorf - 57 Wildschweine, 15 Rehe und acht Füchse - das Ergebnis der Treibjagd im Revier Allendorf am vergangenen Freitag kann sich sehen lassen. Allerdings sind dabei offenbar nicht nur Wildtiere zu Schaden gekommen: Laut einer Ziegenzüchterin aus Winnen hat es einen Übergriff von Hunden auf ihre Ziegen gegeben. Die Polizei prüft den Vorfall.

Sie könne das Bild, das sich ihr vor Ort bot, kaum in Worte fassen, sagt Corina Oklitschek, die in Winnen Pfauenziegen züchtet. Als sie am Freitag auf der Weide eintraf, seien die Ziegen verängstigt und teils blutverschmiert gewesen. Sie hat Fotos gemacht, die Verletzungen an mehreren Tieren zeigen. Ihr zufolge trugen vier Ziegen Bisswunden davon, einige weitere hätten Schürfwunden erlitten. Ein Lamm sei außerdem so schwer verletzt gewesen, dass es von einer hinzugezogenen Tierärztin habe eingeschläfert werden müssen.

Vorfall bei Jagd: Polizei vor Ort

Doch was genau ist am Rande der Jagd passiert? Oklitschek berichtet, eine Bekannte habe sie am Freitagvormittag aufgeregt angerufen: Mehrere Hunde, so der Bericht, hätten Wildschweine bis auf Oklitscheks umzäunte Ziegenweide verfolgt und dann Jagd auf die Ziegenlämmer gemacht.

Auch die Polizei beschäftigt sich mit dem Vorfall am Rande der Jagd. Die Beamten seien am Freitag gegen 12.30 Uhr verständigt worden, heißt es aus der Pressestelle. Laut dem Einsatzbericht wurden dann vor Ort mehrere verletzte Tiere aufgefunden. Zurzeit werde geprüft, ob Ermittlungen wegen "Jagdwilderei" aufgenommen werden. Die Jagd im Allendorfer Revier sei Teil einer größeren Veranstaltung in mehreren angrenzenden Revieren gewesen, infomiert Reiner Käs, der am Freitag gemeinsam mit dem zuständigen Jagdpächter für die Jagdleitung verantwortlich war. Im Allendorfer Revier seien diesmal rund 80 Jäger und gut 20 Hunde aktiv gewesen. Von dem Vorfall auf der Ziegenweide habe er nur indirekt erfahren, sagt Käs auf Anfrage, zum Ablauf könne er daher keine genauen Angaben machen. "Sowas lässt sich nicht ausschließen", sagt Käs über den mutmaßlichen Angriff der Hunde auf privat gehaltene Tiere, "es ist auch nicht voraussehbar". Im Vorfeld seien jedenfalls alle für eine Jagd nötigen Sicherheitsmaßnahmen getroffen worden. Er habe sich der Polizei als Ansprechpartner zur Verfügung gestellt, sagte Käs.

Vorfall bei Jagd: Stadt stellte Hinweisschilder auf

Aus dem Allendorfer Rathaus heißt es, man habe auf kommunalen Wegen auf die Jagd hingewiesen, Landes- und Bundesstraßen seien nicht betroffen gewesen. Man habe auf Ortsstraßen in dem Bereich der Jagd Schilder aufgestellt, die die Durchfahrt verbieten und auf eine Jagd beziehungsweise freilaufende Hunde verweisen. Ziegenzüchterin Oklitschek berichtet davon, dass Passanten über die Schüsse erschrocken gewesen seien, es habe keinerlei Ankündigung gegeben.

Dass, wie in Allendorf, nicht über Hinweisschilder hinaus auf eine anstehende Jagd hingewiesen wird, ist offenbar nicht unüblich. Es könne zwar sinnvoll sein, im lokalen Umfeld auf eine Jagd hinzuweisen, doch dazu gebe es keine Verpflichtung, sagt Dieter Mackenrodt, Vorsitzender des Jagdvereins "Hubertus" Gießen und Umgebung. Und zu viel Vorab-Info könne das Jagen erschweren, denn Jäger wollten "keine Aktionsbündnisse oder Tierschützer bei der Jagd haben". Ein Vorfall, wie er sich nun in Allendorf zugetragen haben soll, sei "unangenehm und peinlich, aber es hat sicher niemand gewollt". Mackenrodts Einschätzung nach handelt es sich um eine absolute Ausnahme - das sei tragisch, könne aber passieren, gerade wenn sich die Hunde im Jagdmodus befinden. Wenn unbeteiligte Tiere oder auch Hunde sich bei Jagden verletzten, werde dies in der Regel entschädigt. "Dafür gibt es eine Jagdhaftpflichtversicherung." Mitunter werde dafür auch bei Jagden gesammelt.

Vorfall bei Jagd: Emotionale Angelegenheit

Darauf hofft nun auch Corina Oklitschek. Doch sie betont: "Es geht mir nicht um den wirtschaftlichen Schaden." Das nun eingeschläferte Lamm habe sie selbst mit der Flasche aufgezogen, für sie sei das eine emotionale Angelegenheit. Die angegriffenen Tiere seien noch immer verängstigt. Oklitschek hat nach eigenen Angaben einen Anwalt beauftragt, sich der Sache anzunehmen. Sie wolle niemanden persönlich angreifen und wisse, dass die Hunde natürlich nicht gezielt gehetzt worden seien. "Stinksauer" ist sie trotzdem: "Sowas darf einfach nicht passieren, das ist fahrlässig", sagt die Züchterin.

Immerhin gibt es in dieser Geschichte auch eine gute Nachricht: Von einer Ziege fehlte laut Oklitschek seit Freitag jede Spur. Sie sei rund 24 Stunden vermisst worden und dann plötzlich wieder aufgetaucht - unverletzt.

Info: Varianten der Jagd

Bei der Gesellschaftsjagd - also dem Jagen in einer Gruppe - wird zwischen verschiedenen Formen unterschieden. Neben der gemeinschaftlichen Ansitzjagd - etwa von Hochsitzen aus - sind Treibjagden üblich. Dabei wird das Wild durch Treiber oder Hunde in Unruhe versetzt und so hervorgelockt. Die Hauptjagdzeit, gerade für Schwarzwild, ist laut Dieter Mackenrodt vom Jagdverein "Hubertus" zwischen Oktober und Januar. (jwr/Quelle: Wikipedia)

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