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Der Homberg, das Waldgebiet zwischen Allendorf und Climbach, umfasst auch stillgelegte Flächen, die als Ausgleichsflächen für das Ökopunktekonto der Stadt dienen. Foto: vh

Geschäft mit Ökopunkten

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Allendorf(vh). Die Gemeinde Ebsdorfergrund benötigt zum gesetzlichen Ausgleich für ein größeres Bauvorhaben kurzfristig 733 003 Ökopunkte. Wer wie Ebsdorfergrund derzeit nicht über eigene Ökopunkte verfügt, kann diese woanders käuflich erwerben. Allendorfs Ausgleichskonto ist aktuell mit 931 000 Punkten gefüllt. Würde man dem Ebsdorfergrund gemäß Anfrage aushelfen, kämen gut 241 000 Euro in die Stadtkasse (33 Cent pro Punkt). Im Parlament gab es eine deutliche Mehrheit, 14 Jastimmen, die CDU-Fraktion lehnte die Anfrage ab (vier Neinstimmen). Zuvor hatte man ausführlich diskutiert.

Ralf Hofmann (FW) äußerte die allgemeine Befürchtung, dass im Falle eines Verkaufs Allendorf die nötigen Ökopunkte fehlten, wenn der Ausgleich für das geplante interkommunale Gewerbegebiet (außerdem Grünberg und Rabenau) anstehe. Ingrid Moser, Geschäftsführerin des Vereins Landschaftspflegevereinigung Gießen, die im Auftrag der Stadt deren Ökokonto managt, bezeichnete den anstehenden Verkauf von Ökopunkten in dieser Höhe als "seltene Chance". Seit 25 Jahren vermittle sie Ökopunkte, aber in dieser Höhe sei das erst zum dritten Mal der Fall. Wenn Allendorf ablehne, sei Reiskirchen der nächste Interessent.

241 000 Euro für die Stadtkasse

Anschließend erläuterte Moser den Bedarf für das Gewerbegebiet. Die 25 Hektar große Fläche nördlich der Autobahnauffahrt nahe Lumda benötige 1,5 bis zwei Millionen Ökopunkte. Es sei vorgesehen, dass Allendorf eine Million davon zusteuere. Bis ein Planungsbüro Näheres ermittelt habe, dauere es erfahrungsgemäß ein Dreivierteljahr. Moser sprach der Versammlung eine mündliche Garantie aus, bis Herbst 2020 genügend Ökopunkte zu sichten. Ausgleichsflächen fänden sich im Wald (etwa Homberg) oder im Offenland.

Ulrich Krieb (CDU) äußerte deutliche Kritik. So fragte er, wie viel Hektar Wald stillgelegt werden müssten für die Gewinnung von einer Million Ökopunkten. Für das Gewerbegebiet würden die jetzt vorhandenen Punkte nachhaltig eingesetzt, denn Allendorf erhielte künftig Einnahmen aus der Gewerbesteuer. Beim Verkauf nach Ebsdorfergrund erhalte man nur einmal den Verkaufserlös. Er nannte das hohe Ökopunktekonto "unser Tafelsilber". Bürgermeister Thomas Benz (FW) bekräftigte: "Grünberg hat oberste Priorität". Die Stadt dürfe ihre Beteiligung am Gewerbegebiet nicht gefährden. Günter Muhly (Grüne) nannte es "fahrlässig und nicht besonders intelligent", diese Verkaufschance nicht zu nutzen. Der CDU-Antrag, die Entscheidung zu vertagen, sie vorerst im Finanzausschuss zu beraten, wurde mit 13 Neinstimmen abgelehnt (vier Jastimmen, eine Enthaltung). Im Mehrheitsbeschluss für den Verkauf der 733 003 Ökopunkte steckt auch die zusätzliche Forderung von Grünen und SPD, dass die Stadt zusammen mit dem Revierförster und der Landschaftspflegevereinigung geeignete Ausgleichsflächen für das Ökopunktekonto ermittelt.

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