+
Die Stadt Allendorf (Lumda) verfügt über Tausende Festmeter Schadholz aus den Vorjahren, die noch nicht vermarktet sind. SYMBOLFOTO: DPA

Förster empfiehlt Reserve

  • schließen

Allendorf(jwr). "Dieser Plan ist eigentlich kein Plan", sagte Revierförster Peter Krautzberger bei der Vorstellung eines aktualisierten Waldwirtschaftsplans im Finanzausschuss. Zwar habe der Sturm "Sabine" im Stadtwald wohl nur geringe Schäden verursacht, von Waldspaziergängen sei trotzdem vorerst abzuraten. Doch unterm Strich fällt der Zustandsbericht verheererend aus: Aufgrund von Dürre, Vorschädigungen und Schädlingsbefall müssten etwa 30 Hektar aufgeforstet werden. Binnen weniger Jahre sei so viel Schadholz angefallen, wie sonst in drei Jahren gefällt werde. Tausende Festmeter Schadholz seien noch nicht vermarktet. Zurzeit werde in Hessen mithilfe von Experten versucht, Pläne für eine dauerhafte Aufforstung zu erarbeiten, sagte Ralf Jäkel (Forstamt Wettenberg). Er rät, vor einer Wiederaufforstung die Ergebnisse abzuwarten.

Während die Waldwirtschaft inzwischen ein Defizit verbucht, gibt es in der Politik Überlegungen, Teile des städtischen Forsts stillzulegen. Hintergrund: Wenn Kommunen ökologisch wertvolle Flächen schaffen - etwa Streuobstwiesen oder Waldparzellen, in denen nicht eingeschlagen wird - können sie sich diese Maßnahmen anerkennen und in Ökopunkte umrechnen lassen. Diese können sie an andere Kommunen verkaufen, als Reserve anlegen oder damit Eingriffe wie Versiegelungen ausgleichen. Ende 2019 hatte die Stadt Ökopunkte im Wert von rund 260 000 Euro an Ebsdorfergrund verkauft. Die Grünen haben kürzlich einen Antrag auf Stilllegung des Hombergs eingebracht, um so neue Ökopunkte zu generieren. Die Forstamts-Vertreter rieten, sich das gut zu überlegen. "Das bedeutet faktisch eine Enteignung", sagte Krautzberger. Die Umwidmung in eine Ausgleichsfläche bedeute, dass die Stadt dort dauerhaft keinen Zugriff habe. Die Verkehrssicherungspflicht bestehe weiter, "umgefallene Bäume müssen aber im Wald bleiben". Grundsätzlich halte er die Stilllegung auf 17 von insgesamt 80 Hektar des Hombergs für möglich. In Kooperation mit der Landschaftspflegevereinigung erstelle er zurzeit eine priorisierte Liste. Er empfahl jedoch, über eine "Waldrücklage" aus Ökopunkten nachzudenken. Krautzberger wird sich voraussichtlich nur noch bis zum Sommer um den Stadtwald kümmern. Er habe aus gesundheitlichen Gründen darum gebeten, in Vorruhestand gehen zu können.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare