Experimentell, improvisatorisch

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Die große weite Welt war im übertragenen Sinne Gast auf der Prophetenmühle bei Nordeck bei der fünften Ausgabe von "Hidden Stage", dem Open-Air-Festival für Klangkunst inmitten von ganz viel Natur. Klangkunst bedeutet, es werden keine originären Lieder gesungen noch solche Musikstücke gespielt. Die Kategorie "Klang" ist vom Wesen her experimentell und improvisatorisch. Die teilnehmenden Künstler kommen aus deutschen Großstädten (meist Berlin) oder leben im Ausland, gerne Südfrankreich.

Die große weite Welt war im übertragenen Sinne Gast auf der Prophetenmühle bei Nordeck bei der fünften Ausgabe von "Hidden Stage", dem Open-Air-Festival für Klangkunst inmitten von ganz viel Natur. Klangkunst bedeutet, es werden keine originären Lieder gesungen noch solche Musikstücke gespielt. Die Kategorie "Klang" ist vom Wesen her experimentell und improvisatorisch. Die teilnehmenden Künstler kommen aus deutschen Großstädten (meist Berlin) oder leben im Ausland, gerne Südfrankreich.

Es gibt drei Darbietungsflächen, aber keine Bühne oder eine Stuhlordnung. Die Begegnung von Künstler und Publikum ist daher nicht minder experimentell. Der morbide Charme der Örtlichkeit als solcher, das quasi Verwunschensein, wirft Normen, Zwänge oder pikfeine Kleiderordnungen über den Haufen. Wer die Prophetenmühle aufsucht, ist ein Individualist, Suchender, bereit fürs Experiment. Einziges Zugeständnis an die bekannte Verfahrensweise war Manfred Hess als Moderator. Der Mann ist Chefdramaturg Hörspiel und Ars Acustica beim SWR 2 in Baden-Baden.

Es gibt nichts Vergleichbares zum Klangfestival der Prophetenmühle. Auf den Ort muss man sich kompromisslos einlassen. Jegliches Fragen nach Logik oder Sinn ist verpönt. Es gibt hier keine Allgemeingültigkeiten, sondern höchst persönliche Beiträge. Künstlerische Freiheit ist das allerhöchste Gut. Wer sich darauf einlassen will, braucht Geduld und hohe Akzeptanz. Gleichwohl hat Mühlenbewohner Werner Cee unter dem Dach eines Nebengebäudes sein Tonstudio eingerichtet, um professionelles Arbeiten zu ermöglichen.

Fotos und Storytelling

So wurde die knapp einstündige Wiedergabe des Hörspiels "Detzman Walking oder die Verwandlung des Hermann Detzner" im Studio zum Hörgenuss. Kai-Uwe Kohlschmidt und Ehefrau Momo Kohlschmidt (leben im Spreewald) waren 2006 mit der Künstlergruppe "Mangan 25" in Papua Neuguinea. Der flächenmäßig drittgrößte Inselstaat der Welt liegt im Pazifik. Vor dem Ersten Weltkrieg versuchten sich das Deutsche Reich und Großbritannien als konkurrierende Kolonialisten. Der deutsche Offizier Herman Detzner sollte für das Kaiserreich Land vermessen, wurde vom Krieg überrascht und wollte nachher nicht kapitulieren. Sein Name wurde auf der Insel zum Mythos. Detzners Geist lebe dort weiter bis heute, sagt Autor und Regisseur Kohlschmidt. Sein Hörspiel wurde vom Kulturradio RBB 2017 produziert. Seine Ehefrau tritt im Hörspiel als Kakadu in Erscheinung.

Ein anderes Genre lockte wiederum ins Studio. Fotografie von Matthias Koch benötigt kein Konzept. "Aus Fotos entsteht ein Archipel. Sie stellen die Emotionen frei", lautet sein Credo. Er arbeitet intuitiv. Koch lebte in Chile, Venezuela und Mexiko. Heute lebt er in Südfrankreich.

Koch fotografiert digital und in Schwarzweiß. Die jetzt gezeigte Serie sei inspiriert vom Thema "Endzeit und Flucht". Erstmals habe er Fotos mit Klängen unterlegt. Die bereits vorhandene "Begleitmusik" stamme von einem polnischen Komponisten.

Klänge wurden auch mittels schlichter Wortbeiträge im Freien verbreitet – wie etwa das Storytelling von Peter Pannke (Berlin) oder die Naturlyrik von Nikola Huppertz (Hannover). In sich versunken entlockte Sukandar Kartadinata, Instrumentenbauer in Berlin, einer E-Gitarre mit sehr individuellem Holzkorpus hauchfeine Töne. Eine Grille wäre wohl lauter.

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