Ein ungewöhnliches Denkmal

  • vonVolker Heller
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Allendorf (vh). Carolin Käs aus Allendorf/Lumda hat für das Lehramt an Gymnasien die Schulfächer Kunst, katholische Theologie und Französisch studiert. Voriges Jahr legte sie an der Gießener Justus-Liebig-Universität das erste Staatsexamen erfolgreich ab. Käs leistet momentan ihren Vorbereitungsdienst auf die zweite Staatsprüfung an der Stiftsschule Amöneburg.

Ein normaler Bildungsweg, möchte man meinen. Doch es gibt ein Alleinstellungsmerkmal.

Die junge Frau hat ihre Verbundenheit zur Heimat und Begeisterung für Kunst - sie malt auch gerne Bilder - in die wissenschaftliche Hausarbeit einfließen lassen. Ihre Entscheidung, aus der Fächerkombination ausgerechnet in Kunst das anspruchsvolle Schriftwerk abzuliefern, lag nahe. Carolin Käs wählte als Thema »Die Kriegerdenkmäler von Wilhelm Heidwolf Arnold«.

Die wissenschaftliche Aufarbeitung von derlei Mahnmalen, besonders der Weltkriege des vorigen Jahrhunderts, aus der Sicht eines Kunstpädagogen ist mengenmäßig überschaubar. Kein Wunder, wenn Prof. Heidwolf Arnold, Sohn des 1897 in Beuern gebürtigen akademischen Bildhauers, zunächst ungläubig die Stirn runzelte. Doch Lesen überzeugte ihn.

Die Arbeitsgemeinschaft Heimatgeschichte hat Studienreferendarin Käs nicht nur maßgeblich bei der Entstehung ihrer Hausarbeit unterstützt. Vielmehr haben Werner Heibertshausen und Gerd Höricht ihr eine, um es in digitaler Sprache auszudrücken, Examensarbeit 2.0 ermöglicht. Das 100-seitige Werk liegt nun in gebundener Form, DIN-A4 mit Farb- und Schwarzweißfotos, zum Verkauf bereit. Das Buch kostet 21,80 Euro. Erhältlich ist es bei Werner Heibertshausen (Telefon: 0 64 07/9 06 79 61 oder E-Mail: heibertshausen@gmx.de) und Carolin Käs (mobil: 01 51/41 84 77 85 oder E-Mail: caro@kaes-allendorf.de).

Heibertshausen hat sein Netzwerk erneut in Gang gesetzt. Dazu zählte an erster Stelle die Sparkasse Gießen als Hauptsponsor der Veröffentlichung. Zur Buchvorstellung hatte Manfred Lotz, Vorsitzender der AG Heimatgeschichte, in die Halle der Kunst in der Marktstraße eingeladen. Professor Arnold wollte ursprünglich mit dabei sein, war jedoch verhindert. Lotz blickte aus gebotenem Anlass zurück auf die Vereinsgründung. Hinsichtlich der genannten Vereinsziele sei man beim Amtsgericht über den Begriff der Zusammenarbeit gestolpert. Lotz: »Die waren erstaunt, konnten sich nicht vorstellen, mit wem zusammen wir etwas auf die Beine stellen sollten«. Heibertshausen erläuterte, der Verein mit seinen 16 Mitgliedern kümmere sich um Ereignisse aus und die Geschichte der Stadt Allendorf an der Lumda. Um Projekte zu finanzieren, zuerst die Schriftenreihe, »brauchen wir Spenden«.

Kriegserlebnisse verarbeitet

Bildhauer Arnold habe den Gefallenen der beiden Weltkriege Denkmäler gesetzt. Carolin Käs wiederum habe nun Arnold mit ihrem wissenschaftlichen Werk ein Denkmal gesetzt. Gerd Höricht habe daraus ein Kunstwerk geschaffen.

Höricht hatte in bewährter Manier die Bildbearbeitung vorgenommen und das Layout gestaltet. Der Grafikexperte warf rasch ein paar Fachbegriffe in die Runde, man hörte »Garamond« (Stammschrift), »Luthersche Fraktur« (Überschriften) oder »Bordeaux Regular« (Seitenzahlen).

Archivar Heibertshausen hatte die historischen Fotos herausgesucht. Sie zeigen Arnolds Denkmäler in Allendorf/Lumda, Beuern und Gießen. Höricht übernahm deren Aufpolierung, nahm stürzende Linien heraus, dunkle Flächen und Unschärfen.

Carolin Käs sagte, sie habe die Bedeutung und Botschaft von ausgewählten Arnold-Denkmälern analysiert und insgesamt eine Übersicht seiner Mahnmale gebracht. Über den Tellerrand hinaus blickend, hat Käs auch Kriegerdenkmäler von anderen Künstlern hinzugezogen. Arnolds steinerne Zeugnisse seien weder pathetisch noch beschönigend, auch keine Antikriegskunst. Er verarbeite darin seine eigenen Erinnerungen. Arnold hatte beide Weltkriege an vorderster Front erlebt.

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