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Initiator Sascha Wimmer, Ernst-Jürgen Bernbeck, Stefan Hofmann, Bürgermeister Thomas Benz und Bauamts-Mitarbeiter Hinze begutachten den Bücherschrank.

»Bärtze Bücher« für jedermann

  • VonVolker Heller
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Allendorf (vh). Vermutlich die kleinste Bibliothek der 650-jährigen Geschichte von Allendorf/Lumda, eine Büchertelefonzelle, wartet ab sofort an der Ecke Bahnhofstraße/Am Festplatz zum kostenlosen Ausleihen oder Tauschen. Gleich nebenan stehen das Werbeschild für 650 Jahre Stadtrechte (2020), ein leicht vergilbtes Tourenschild des Lumda-Wieseck-Radwegs und zwei Ruhebänke.

Geöffnet hat die blaufarbene Attraktion ganzjährig rund um die Uhr.

Unbürokratisch geht es hier zu. Niemand braucht einen Leseausweis. Es gibt auch keine Ausleihfrist. Ja, man darf die Bücher sogar behalten. Allerdings lebt die kleine Bücherei vom Nehmen und Geben. Sonst wären die Regale vielleicht irgendwann einmal leer.

Bürgermeister Thomas Benz stellt sich idealerweise einen lebendigen Kreislauf vor. Die Kabine, ein grau-weißes Telekom-Modell vom Typ TelH 90 mit magentafarbenem Dach, stammte aus dem Zentrallager für ausgediente Telefonzellen bei Michendorf, südwestlich von Berlin.

Kinderbücher fehlen noch

Eine Spedition hat das 330 Kilogramm schwere Teil nach Allendorf transportiert. Stefan Hofmann ist mit dem Allendorfer Stadtwappen extra zum Lollarer Fachhandel Engel und Jung gefahren, um ein identisches Blau für den Neuanstrich zu erwerben.

Dann griff er ehrenamtlich zum Pinsel und setzte die Haube in schwarzer Farbe ab. Das Holzregal baute die Schreinerei Groß (Odenhausen/Lumda), der städtische Bauhof hat die Konstruktion auf der Pflasterfläche festgedübelt.

Sascha Wimmer, Allendorfs neuer Parlamentsvorsteher, ersann den Aufkleber für die Tür. »Bärtze Bücher« prangt in blauer Schrift über dem Stadtwappen. Der Freie Wähler möchte aus dem Begriff Bärtze künftig gerne ein Markenzeichen machen. Seine Fraktion hatte den politischen Antrag zum Erwerb einer ausgedienten Telefonzelle gestellt. Über das Projekt »Dabeisein in den Gießener Lahntälern« beantragte der Verein für Häusliche Kranken- und Altenpflege daraufhin Fördergeld.

Schließlich deckte dieser Betrag die Kosten (1600 Euro) komplett ab. Darüber freuten sich bei der offiziellen Eröffnung Bürgermeister Benz, Vereinsvorsitzender Ernst-Jürgen Bernbeck, Initiator Wimmer, »Anstreicher« Hofmann und Bauamts-Mitarbeiter Hinze. Benz und Wimmer wollen die Bücherei fortan im Auge behalten, damit keine verschlissenen Werke oder Uraltschinken Platz versperren für lesbaren Stoff. Momentan fehlen noch Kinderbücher.

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