Planungsfehler

In Allendorf ragt eine Garage auf den Gehweg

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Aufregung um 60 Zentimeter: In Allendorf nimmt eine neue Garage einen Teil des Bürgersteigs ein. Stadt und Bauherr legten offenbar unterschiedliche Pläne zugrunde.

Diese 60 Zentimeter haben Bürgermeister Thomas Benz auch im Urlaub verfolgt. Es geht um ein bauliches Detail, das zum Stadtgespräch geworden ist: In der Treiser Straße, am Ortsausgang kurz vor dem neuen MedZentrum, ragt eine neu errichtete Garage bis auf den Bürgersteig.

Zwar kommen Passanten an dieser Stelle noch durch, auch für einen Kinderwagen oder Rollstuhl bleibt genügend Platz. "Aber es sieht halt blöd aus", räumt Benz ein.

Doch wie kam es zu dem Kuriosum neben einem entstehenden Wohnhaus? Die Sache ist kompliziert, der Teufel steckt hier offenbar im Detail.

Antrag bewilligt

Der Anwohner selbst will sich nicht äußern. Bauamtsleiter Andreas Becker erklärt die Einzelheiten.

Demnach hatte sich der Allendorfer frühzeitig bei der Stadt erkundigt, was an dieser Stelle in Sachen Garage möglich sei. Er zahlte eine Stellplatzablösesumme und stellte einen Antrag, um vom gültigen Bebauungsplan geringfügig abweichen und seine Garage bauen zu können.

Das wurde vom Bauamt bewilligt – "und ist durchaus üblich", sagt der Bauamtsleiter. Zu diesem Zeitpunkt ging die Verwaltung noch davon aus, dass der Gehweg davon unberührt bleiben würde.

Verwaltung grübelt noch

Der Mann beauftragte laut Verwaltung einen Vermesser und ließ die Garage planen.

Das Problem: Der Planer ging von gültigen Grundriss-Skizzen aus, die aber offenbar schon überholt waren.

Denn im Zuge des MedZentrum-Neubaus habe sich Hessen Mobil für eine Querungshilfe, quasi eine kleine "Verkehrsinsel" für Fußgänger auf der Straße, entschieden. "Dadurch ist die Straße um zwei Meter aufgeweitet worden", erklärt Becker.

Verwaltung grübelt

Die Grenzen von vier Grundstücken, unter anderem jenem mit der Garage, haben sich verschoben. "Der Fehler lag irgendwo in der öffentlichen Hand", bekundet Becker.

Die neue Grundstücksbemessung sei von der Stadt anscheinend nicht rechtzeitig erfasst worden, man sei noch "am Grübeln, wie der Fehler genau entstanden ist".

Nun steckte die Verwaltung in einer Zwickmühle. "Wir mussten abwägen, ob wir den Bau trotz Genehmigung verbieten und einen Rechtstreit riskieren oder es so zulassen", sagt Becker.

Optischer Mangel

Der Gehweg sei an der Engstelle noch immer 1,20 Meter breit – das reiche aus. Es gebe auch andere Stellen im Ort, wo der Gehweg nicht breiter sei, relativiert Bürgermeister Benz. Daher sei die Verwaltung auf den Besitzer zugegangen, der der Stadt das Grundstück abgekauft habe.

Die Sicherheit der Fußgänger sei nach wie vor gewährleistet. Im Sinne der Verhältnismäßigkeit sei es die richtige Entscheidung, den "optischen Mangel" in Kauf zu nehmen.

Wiederholen soll sich ein solcher Fall in der Lumdatalkommune aber nicht. "Wir werden bei anderen Grundstücken dafür sorgen, dass das nicht noch einmal passiert", versichert der Bürgermeister.

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