Dank Maskenpflicht und Lockdown: Weihnachtsstoffe sind in Saskia Webers Laden in Langgöns sehr gefragt. FOTO: LKL
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Dank Maskenpflicht und Lockdown: Weihnachtsstoffe sind in Saskia Webers Laden in Langgöns sehr gefragt. FOTO: LKL

"Alle wollen Weihnachtsmasken"

  • vonLena Karber
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Nähen, Stricken, Häkeln - dank Corona steht Handarbeit hoch im Kurs. Gerade jetzt in der dunklen Jahreszeit finden viele Menschen darin Entspannung und Ablenkung. Doch wer noch Weihnachtsgeschenke machen will, sollte sich beeilen: Zuweilen kommt es schon zu Lieferengpässen.

Egal, ob es weiße Sterne auf blauem Grund oder verspielte Muster mit kleinen Tannenbäumen sind - Stoffe mit Weihnachtsmotiven gehen aktuell weg wie warme Semmel. Angesichts der Jahreszeit mag das zwar im ersten Moment nicht überraschen, aber die Höhe der Nachfrage übertrifft wegen Corona den Bedarf der Vorjahre um Längen. "Das ist gar kein Vergleich", sagt Saskia Weber, Inhaberin von "Dein Stofflädchen" in Langgöns. Der Großhandel sei bereits völlig leer gekauft. "Bis Weihnachten wird es wohl nicht reichen."

Weber glaubt, dass die Maskenpflicht ein Grund für die hohe Nachfrage ist. Nach ihrer Einführung im März hatten sich täglich lange Schlangen vor dem Stofflädchen gebildet, die Regale waren weitgehend leer gekauft worden. Doch wer glaubt, als alle nach ein paar Wochen versorgt waren, sei der Hype vorbeigewesen, irrt. Klar, Schlangen bildeten sich bald nicht mehr. "Aber die Nachfrage ist eigentlich über den ganzen Sommer nicht richtig zurückgegangen", sagt Weber. "Als es heiß wurde, haben die Leute nach leichten Stoffen gefragt, jetzt wollen alle Weihnachtsmasken." Doch es ist nicht nur die Maskenpflicht, die die Nachfrage in die Höhe getrieben hat. Auch die eingeschränkten Freizeitmöglichkeiten haben dazu geführt, dass in vielen Haushalten neuerdings die Nähmaschinen rattern und die Strick- und Häkelnadeln klackern.

Alles, was mit Handarbeit zu tun hat, ist für viele Menschen in diesen Tagen eine gelungene Abwechslung. Für Susanne Matter, die vor vier Jahren nebenberuflich den Laden "Wolle & Mehr" in Biebertal eröffnet hat, ist das ein Glücksfall. Die Nachfrage nach Wolle sei zwar "nicht unbedingt durch die Decke gegangen", sagt sie. Aber nachdem Matter ziemliche Anlaufschwierigkeiten hatte, läuft es jetzt dank Corona spürbar besser. "Wir hatten viele Neukunden, die zu Stammkunden geworden sind", sagt sie.

Im November, als der zweite Lockdown dafür sorgte, dass die Menschen viel Zeit zu Hause verbrachten, sei die Nachfrage etwa 50 Prozent höher gewesen als im Vorjahr. Der Grund liegt für Mattern auf der Hand: "Stricken ist ein guter Zeitvertreib, der beruhigt, weil man sich dabei entspannen kann", sagt sie.

Ganz neu ist der Trend zum Selbstgemachten nicht. In den vergangenen Jahren hat sich der Anteil an Jüngeren erhöht, die hierzulande Wolle und Stoffe kaufen. Gaby Münch, die den "Garntreff" in Reiskirchen betreibt, glaubt, dass die Umweltproblematik und die Ausbeutung in der Dritten Welt bei vielen für ein Umdenken gesorgt haben - hin zu einer größeren Wertschätzung von Nachhaltigkeit und Qualität. Wenn man die Materialien selbst auswähle und selbst verarbeite, sei das nunmal "der Garant für etwas ganz Hochwertiges", sagt Münch, die häufig junge Frauen kennenlernt, die unbedingt lernen wollen, Strümpfe zu stricken. "Oma sieht’s nicht mehr, Mutti kann’s nicht, aber die ganze Familie zieht gerne selbst gestrickte Socken an", lacht sie.

Doch auch wenn der Bedarf an Handarbeitsutensilien im Moment höher ist als normal, ist die Corona-Situation für die Läden nicht nur von Vorteil. Schließlich wirken sich die geltenden Kontaktbeschränkungen auch auf Angebote wie Näh- oder Strickkurse aus. Dass diese aktuell nicht stattfinden können, bedeutet für die Läden nicht nur weniger Einnahmen durch ausbleibende Kursgebühren, sondern auch eine Hürde bei der Akquirierung von Kunden.

"Mindestens 50 Prozent der Teilnehmer werden in der Regel zu Stammkunden", erklärt Weber. Insofern sei das schon eine deutliche Einschränkung.

Auch Münch, die normalerweise zweimal im Monat Stricktreffen anbietet, bei denen sie auch Neueinsteigern oder Menschen mit wenig Erfahrung hilft, spürt die Auswirkungen deutlich. "Die Treffen haben den Laden sehr belebt", sagt sie. "Und ich merke auch, dass mir neue Kundschaft fehlt."

Für Münch ist Stricken etwas Geselliges. Bei den Treffen würden Menschen aller Altersklassen und mit den unterschiedlichsten Hintergründen zusammensitzen und am Ende zufrieden nach Hause gehen, sagt sie. "Das Handarbeiten verbindet sehr."

Doch solange das nicht geht, gibt es auch ohne Kurse Möglichkeiten, Nähen, Stricken oder Häkeln zu lernen - etwa unter Anleitung von Familienmitgliedern oder mithilfe von Videos im Internet. "Es gibt viele schöne Kleinigkeiten für Anfänger, die nicht viel kosten und trotzdem etwas hermachen", sagt Münch.

Auch die Jüngsten könnten so tolle Weihnachtsgeschenke selbst machen. "Ich finde, man kann gar nicht früh genug anfangen, den Kindern das beizubringen."

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