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Die gute Nachricht: Im Jahr 2019 wurden im Raum Mittelhessen 484 Verkehrsunfälle weniger als 2018 registriert.

Verkehrsunfallstatistik 2019

Alle 95 Minuten ein Unfall: Polizeipräsident stellt Statistik für den Kreis Gießen vor  

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Die Unfallstatistik 2019 für den Kreis Gießen weist gegenüber den Vorjahren wenig Veränderungen auf. Die Zahl der Verletzten geht sogar zurück. Die Unfallfluchten nehmen allerdings zu. Im Fokus der Polizei bleiben die Bundesstraßen 457 und 276.

Die Unfallzahlen im Landkreis Gießen bewegen sich seit fünf Jahren auf einem etwa gleichbleibenden Niveau. Das zeigt die Unfallstatistik, die Polizeipräsident Bernd Paul vorlegt. Erfreulich dabei ist, dass die Unfälle, bei denen Menschen starben oder schwer verletzt wurden, deutlich weniger wurden. Während 2018 noch 220 Personen bei Unfällen schwer verletzt wurden, waren es im vergangenen Jahr nur 172. Acht Menschen kamen bei Verkehrsunfällen ums Leben. 

Ein Überblick über die Schwerpunkte:

  • Bundesstraßen 457 und 276: Besonderes Augenmerk gilt unverändert den Bundesstraßen 276 bei Laubach und 457 zwischen Gießen und Nidda. Allein auf der bei Motorradfahrern beliebten Strecke zwischen Laubach und Schotten kamen 2019 drei Personen ums Leben. 16 wurden verletzt. "Wir wollen durch viele Kontrollen und Prävention schlimme Unfälle verhindern," so Polizeipräsident Paul. Auf der Bundesstraße 457 zwischen Gießen und Nidda hat es bei Lich und Fernwald immer wieder schwere Unfälle gegeben. Dort wird jetzt regelmäßig geblitzt. Ampeln an den Autobahn-Auf- und Abfahrten, installiert Anfang 2019, zeigen positive Wirkung.

  • Tuner und Poser: Seit 2019 geht eine neue Polizei-Arbeitsgruppe in Gießen und den umliegenden Kommunen gezielt gegen die illegale Raser- und Tuner-Szene vor.

  • Unfallfluchten: 2019 gab es im Kreis 1656 Fälle von Unfallflucht; 55 Fälle oder 3,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Fast jeder dritte Unfallfahrer macht sich aus dem Staub. Aber: 44 Prozent der flüchtigen Unfallfahrer wurden später ermittelt; mehr als im Jahr zuvor. Bei Unfällen mit Fahrerflucht wurden 63 Personen verletzt. "Ein großer Teil der Unfallfluchten sind sogenannte Parkplatz-Rempler, Unfallflucht steht, in keinem Vergleich zu den späteren Folgen", sagt Polizeihauptkommissar Stefan Jilg.

  • Wildunfälle: Einen minimalen Rückgang gab es bei den Wildunfällen. 2019 wurden 1156 Wildunfälle aufgenommen; elf weniger als im Jahr zuvor.

  • Alkohol und Drogen: Während es bei Unfällen unter Alkoholeinfluss eine minimale Steigerung um acht auf 120 Fälle kam, sank die Zahl der Unfälle unter Drogeneinfluss um knapp 39 Prozent auf 16 Unfälle.

  • Junge Fahrer: Junge Fahrer zwischen 18 und 24 Jahren waren in 1301 Verkehrsunfälle verwickelt; das sind etwa 22 Prozent aller Unfälle im Kreis. Erfreulich: Die Zahl der Unfälle, bei denen Junge Leute mit Alkohol am Steuer beteiligt waren,. ist weiter auf einem sehr niedrigen Stand: Lediglich bei 20 Unfällen war in dieser Altersklasse Alkohol im Spiel. Dies wertet die Polizei als deutliches Signal dafür, dass die Aktionen "verkehrssicher-in-mittelhessen" sowie die "Aktion Bob" fortgeführt werden.

  • Senioren am Steuer: Die Anzahl der Unfälle, bei der die Altersgruppe "65 plus" (65 bis 74 Jahre alt) beteiligt war, lag bei 559. Das sind 35 Unfälle weniger als 2018. In der Altersgruppe "75 plus" verzeichnete die Gießener Polizei insgesamt 418 Unfall-Beteiligungen (2018: 447). Bei den Personen, die über 65 Jahre alt sind, kam in 2019 (wie in 2018) jeweils eine Person ums Leben. 29 Menschen wurden 2019 schwerverletzt (2018 – 46 Personen). Für ältere Bürger bietet das Polizeipräsidium Mittelhessen Präventionsmaßnahmen an. Unter dem Motto "MAXimal mobil bleiben – mit Verantwortung!" bietet gibt es einen "Themenbaukasten" mit Vorträgen, Filmen, Simulationen und Tests.

  • Fahrradfahrer: Im Landkreis Gießen ereigneten sich im vergangenen Jahr 167 Unfälle mit Fahrradfahrern, 27 weniger als im Jahr zuvor. In 63 Fällen waren die Radfahrer Verursacher. Schwerpunkt ist der Stadtbereich Gießen. 130 der 167 Unfälle ereigneten sich dort.

  • Mobiltelefone: Telefonieren oder WhatsApp während der Fahrt stellt ein hohes Sicherheitsrisiko dar. Die Ablenkung während eines Telefonats ist vergleichbar mit der Fahrt unter Alkohol. Untersagt ist auch, das Handy oder den Hörer des Autotelefons zwischen Kopf und Schulter einzuklemmen. Ein solcher Verstoß wird mit einem Bußgeld in Höhe von 100 Euro, bei schweren Verstößen mit Folgen drohen Fahrverbote und Geldbußen von 150 bis 200 Euro und mit einem Punkt in der Verkehrssünderkartei in Flensburg geahndet.

    Schadensuhr: Im Landkreis ...
  • wurde alle 95 Minuten ein Verkehrsunfall polizeilich registriert 
  • entfernte sich alle 5,5 Stunden ein Unfallbeteiligter unerlaubt vom unfallort
  • verunglückte alle 6,8 Stunden ein junger Fahrer (18-24 Jahre)
  • wurde alle 7,6 Stunden ein Wildunfall polizeilich registriert
  • wurde alle 8,5 Stunden ein Mensch bei einem Verkehrsunfall leicht oder schwer verletzt 
  • verunglückte alle 9 Stunden ein Fahrer der Generation 65plus
  • verunglückte alle drei Tage ein Fahrzeugführer aufgrund Alkohol- und/oder Drogenkonsums
  • verunglückte alle 9 Tage ein Kind unter 14 Jahren und alle 8 Tage ein Jugendlicher zwischen 14 und 17 Jahren
  • starb alle 46 Tage ein Mensch bei einem Verkehrsunfall 

Verkehrsunfallstatistik: Die Allgemeinen Zahlen für Mittelhessen

Polizeipräsident Bernd Paul hat für die Landkreise Gießen, Wetterau, Lahn-Dill und Marburg-Biedenkopf nur zum Teil erfreuliche Zahlen vorgelegt. Positiv ist etwa, dass im Jahr 2019 im Raum Mittelhessen 484 Verkehrsunfälle weniger als 2018 polizeilich aufgenommen wurden. Die Zahl der erfassten Verkehrsunfälle in der Region sank damit nach 2018 erneut, nachdem die Zahlen bis 2017 noch angestiegen waren. Dennoch: Bei den 23.786 Verkehrsunfällen kamen 49 Personen ums Leben. 822 Personen wurden schwerverletzt. Während es im Vergleich zu 2018 im vergangenen Jahr einen geringen Anstieg (plus 4) bei den getöteten Personen gab, sank die Anzahl der Schwerverletzten um 42.

Verkehrsunfallstatistik Mittelhessen: Kein Kind tödlich verunglückt  

Gestiegen ist wieder die Zahl der Unfallfluchten: Um 105 auf 6366. Stetig nach oben geht auch die Zahl der Wildunfälle (plus 222 auf 5652). "Wir können im letzten Jahr auf Mittelhessens Straßen einen Rückgang von zwei Prozent bei den Unfallzahlen feststellen. Dies ist erfreulich, da die Unfallzahlen bundesweit beziehungsweise landesweit um 1,2 und 1,7 Prozent gestiegen sind", sagte Paul. 

Erfreulich ist, dass 2019 kein Kind durch einen Verkehrsunfall ums Leben kam. Einen Beitrag leistete die Arbeit der in allen Landkreisen tätigen Jugendverkehrsschule. Darüber hinaus wirken sich auch die vielen Kontrollen und Gespräche rund um die Präventionsaktionen "Schwächere Verkehrsteilnehmer" und "Schule beginnt" sowie "Blitz für Kids" aus. 

Verkehrsunfallstatistik Mittelhessen: Meisten Unfälle Außerorts 

Weiter betonte Mittelhessens Polizeipräsident, dass er kein Verständnis habe für Personen, die während der Fahrt ein Handy benutzen und dadurch erheblich abgelenkt sind. 2019 kamen bei den Unfällen in Mittelhessen insgesamt 49 Personen ums Leben, davon drei auf den Autobahnen, 32 auf Bundesstraßen, neun auf Landesstraßen, eine auf Kreisstraßen sowie vier auf sonstigen Straßen. Der Großteil solcher schwerwiegenden Unfälle (43) ereignete sich außerhalb einer Ortschaft. 

Die Unfälle, bei denen die Geschwindigkeit als Ursache ermittelt wurde, macht in der Gesamtzahl 8,7 Prozent aus. Bei den 2068 Unfällen wurden insgesamt 1389 Personen leicht- oder schwerverletzt – oder getötet. 

Auch 2019 beteiligte sich das Polizeipräsidium wieder mit vielen medienwirksamen Messungen an dem europaweiten TISPOL Speedmarathon. Insbesondere wurde damit auf die Gefahr von schwerverletzten oder getöteten Personen aufmerksam gemacht. Konsequente Geschwindigkeitsmessungen, auch durch den Geschwindigkeitsmessanhänger, wurden an Stellen, an denen es immer wieder zu Verkehrsunfällen kam, durchgeführt. Insbesondere an Autobahnbaustellen konnten so die Unfallzahlen deutlich reduziert werden.

Schadensuhr: Im Jahr 2019 ...

  • wurde alle 23 Minuten ein Verkehrsunfall polizeilich registriert
  • beging alle 83 Minuten jemand eine Unfallflucht 
  • war alle 108 Minuten ein Junger Fahrer (18-24 Jahre) an einem Unfall beteiligt 
  • wurde alle 97 Minuten ein Wildunfall registriert
  • wurde alle 117 Minuten ein Mensch bei einem Verkehrsunfall leicht oder schwer verletzt
  • war alle 2,2 Stunden ein Fahrer der Generation 65plus an einem Unfall beteiligt
  • war alle 14,9 Stunden ein Fahrer aufgrund Alkohol- und/oder Drogenkonsums an einem Unfall beteiligt
  • war alle 42 Stunden ein Kind unter 14 Jahren und alle 35 Stunden ein Jugendlicher zwischen 14 und 17 Jahren an einem Unfall beteiligt
  • starb alle acht Tage ein Mensch durch einen Verkehrsunfall

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