Alesja ist trotz vieler Einschränkungen sehr unternehmungslustig. Das Foto entstand in Wetzlar bei einem Spiel der Baskeballer des RSV Lahn-Dill.
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Alesja ist trotz vieler Einschränkungen sehr unternehmungslustig. Das Foto entstand in Wetzlar bei einem Spiel der Baskeballer des RSV Lahn-Dill. 

Beeindruckende junge Frau

Alesja kann nur zwei Finger und den Mund bewegen - und macht Abitur

  • Ursula Sommerlad
    vonUrsula Sommerlad
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Trotz der gravierenden Einschränkungen hat sich Alesja Scheidemann aus Hüttenberg bis zum Abitur durchgekämpft. Nächstes Jahr will sie studieren; doch dafür braucht sie ein speziell ausgestattetes Fahrzeug.

Als Alesja zur Welt kam, gaben ihr die Ärzte höchstens ein paar Wochen. Sie haben sich gründlich geirrt. Die Hüttenbergerin ist jetzt 25, besucht die Stephen-Hawking-Schule in Neckargemünd, bereitet sich aufs Abi vor und plant danach ein Studium. Förderschullehramt, das ist ihr Wunsch, und für später die Arbeit in einem Kinderhospiz. Ein ambitioniertes Ziel, denn Alesja ist fast am ganzen Körper gelähmt. Lediglich den Mund und zwei Finger kann sie bewegen.

"Sie ist heftig behindert, aber geistig richtig gut drauf und sehr sozial eingestellt", sagt Bernd Scheidemann über seine Tochter. Er und seine Frau haben Alesja viele Jahre rund um die Uhr gepflegt und stets gebangt, ob sie wohl das kommenden Jahr überstehen würde. "Als Kind war sie fast nur krank", erinnert sich der Vater. Jetzt sei sie erwachsen, gesundheitlich sehr stabil und brenne darauf, ein möglichst eigenständiges Leben auch ohne die Eltern zu führen. Ein Wunsch, den wohl alle jungen Menschen hegen.

Viele technische Hilfsmittel

Es klingt paradox: Damit sie eigenständig sein kann, benötigt Alesja Unterstützung. Sie braucht Betreuung rund um die Uhr und viele technische Hilfsmittel. Einen E-Rolli zum Beispiel, den sie mit dem Kinn steuern kann. Einen Laptop. Und eine Eiserne Lunge, die nachts und hin und wieder tagsüber ihre Atmung unterstützt.

Ziemlich viel Gerät, das ohne großes Fahrzeug nicht zu transportieren ist. Deshalb hat Bernd Scheidemann einen gut erhaltenen blauen Sprinter gekauft. Keine drei Jahre alt, weniger als 80 000 gefahrene Kilometer. 12 000 Euro hat der Vater selbst aufgebracht, weitere 6000 Euro konnten über Spenden finanziert werden. Jetzt muss das Gefährt noch umgebaut werden. Das kostet noch einmal mehr als 20 000 Euro. Dieses Geld aufzutreiben, erweist sich allerdings schwieriger als erwartet.

Alesja fällt durchs Raster

Heide Lewinski wird langsam ungeduldig. Die Ettingshäuserin hat Alesja vor vielen Jahren durch die Arbeit beim Ambulanten Kinderhospizdienst kennengelernt, sie ist seither mit der ganzen Familie befreundet und hat versprochen, beim Einwerben von Mitteln zu helfen. Doch fast alle karitativen Vereine und Stiftungen, die sie bislang angeschrieben hat, haben abgewunken.

"Die einen unterstützten nur Organisationen, die anderen nur Kinder", berichtet Lewinski. Dass junge Erwachsene wie Alesja durchs Raster allen, findet sie schockierend. Und auch Bernd Scheidemann sagt: "Wäre Alesja noch ein Kind, hätten wir das Geld längst zusammen." Doch auch als junge Erwachsene brauchen Menschen wie Alesja Unterstützung.

"Man muss Ziele haben"

Lewinskis hat die junge Frau als willensstark und sehr unternehmungslustig kennengelernt. Alesja liebt Basketball und Theater, sie unternimmt Ausflüge mit Freundinnen und Reisen mit der Familie. "Man muss Ziele haben", sagt sie in einem Video, das man auf Youtube anschauen kann. "Sonst kann ich ja nur am Laptop sitzen, und das ist ja nicht der Sinn des Lebens."

Dem blauen Sprinter kommt für Alesjas Pläne eine zentrale Funktion zu. "Er ist ein Raum, in dem Alesja auch unterwegs in abgespeckter Funktion all das in Anspruch nehmen kann, was ihr zu Hause zur Verfügung steht", sagt die Ettingshäuserin. Ganz besonders wichtig werde der Wagen, wenn Alesja, wie geplant, im kommenden Jahr an die Uni wechselt. Dann brauche sie einen geschützten Platz, an den sie sich zurückziehen könne, zum Beispiel zur Beatmung in der Eisernen Lunge.

Allein das Gestell für die Unterdruckkammer soll mehr als 800 Euro kosten. Der Kassettenlift für den E-Rolli mehr als 6000 Euro. Und der Spezialboden zum Einrasten des Rollstuhls deutlich über 2000 Euro. Alles in allem summiert sich der Kostenvoranschlag einer Spezialfirma, die die Umrüstung vornehmen würde, auf 21 000 Euro. Heide Lewinski hat bislang erst Zusagen über 1500 Euro. Doch sie gibt die Hoffnung auf Unterstützung nicht auf. "In diesem reichen Deutschland muss das doch einfach möglich sein."

Info: Spenden erbeten

Für den behindertengerechten Umbau des Fahrzeugs für Alesja gibt es ein Spendenkonto bei der Sparkasse Gießen. Diakonisches Werk Gießen DE58 5135 00 25 0200 5135 08, Verwendungszweck: Behindertenfahrzeug Spende Alesja Scheidemann. Für eine steuerabzugsfähige Spendenquittung ist die Angabe der vollständigen Adresse auf dem Überweisungsträger erforderlich.

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