Wetzlar

Terrorismus und organisierte Kriminalität im Fokus

Auf Einladung des Weißen Rings Lahn-Dill (WR fesselte beim "Tag des Kriminalitätsopfers" Gastredner Jörg Ziercke seine Zuhörer aus Polizei, Justiz, Politik und Behörden.

Von Al Qaida, der Terrormiliz IS, der italienischen und russischen Mafia bis zu den kriminell organisierten Familienclans in zahlreichen deutschen Großstädten – Jörg Ziercke, Bundesvorsitzender des WR und früherer BKA-Chef, ließ keine Gruppe aus, die einen Gefahrenherd für Deutschland, Europa und die Welt bedeutet.

Weltweiter Terror

Zierke beleuchtete die Hintergründe und Ursachen der terroristischen Gefahren: "Die immer prekärer werdenden Lebensgrundlagen in Afrika, dem Nahen Osten und weiten Teilen Asiens, die großen Unterschiede zwischen Arm und Reich, die sich dramatisch verändernden klimatischen Bedingungen sowie die immer dichter werdende digitale Vernetzung dienen als Katalysatoren für die bedrohte Welt", betonte er. Dazu komme eine sich verstärkende Verrohung der politischen Sitten.

Flucht aus sozialer Not und Krieg sind die Aufhänger für ein Leben in einer anderen Welt, die sich für viele Flüchtende aufgrund ihrer kulturellen Herkunft als undurchsichtig und fremd erweist und somit Terrorgruppen in die Hände spielt. Dabei würden häufig religiöse Botschaften missbraucht, um Menschen in Not für kriminelle Ziele in Westeuropa zu gewinnen, schilderte Zierke, der von 2004 bis 2014 Präsident des Bundeskriminalamtes (BKA) war.

Ursachen Flucht und Vertreibung

Auch in Deutschland zeigt sich seit vielen Jahren ein bedenkliches Mosaik aus salafistischen Gefährdern, IS-Terroristen oder auch Rückkehrern aus den Kriegsgebieten im Nahen Osten. Jörg Ziercke stellt klar, dass diese Bedrohung nicht ursächlich auf die Flüchtlingswelle des Jahres 2015 zurückzuführen sei, wie die Chronologie der Terrorakte und Straftaten belegt. Weltweite terroristische Bedrohungen gab es schon lange vorher. Doch allein in den Jahren 2016/2017 stieg die Anzahl der Terrorakte in Deutschland auf sieben Anschläge. Zahlreiche geplante Aktionen konnten dabei dank der internationalen Vernetzung der Geheimdienste im Vorfeld vereitelt werden. Die Sicherheitsdienste würden durch die Entwicklungen auf diesen Kriminalitätsfeldern zunehmend vor größere Herausforderungen gestellt. Dabei gelte es, die Ressourcen nicht nur in Deutschland künftig stärker zu bündeln. Auch eine europa- und weltweite enge Zusammenarbeit der Dienste sei für eine erfolgreiche Gefahrenabwehr erforderlich. Deshalb müssten die vorhandenen technischen Möglichkeiten stärker genutzt werden und seien mit den datenschutzrechtlichen Aspekten in Einklang zu bringen.

Nach den aktuellen statistischen Zahlen sinkt in Deutschland die Kriminalität bei steigenden Aufklärungsquoten. Der Referent sah aber keinen Grund zur Entwarnung, zumal die organisierte internationale Kriminalität an Einfluss gewinnt. Dazu zählen neben diversen Mafiaorganisationen schon jahrelang auch die meist arabischen Familienclans, die vornehmlich in Berlin, aber auch in Großstädten in Nordrhein-Westfalen ihr Unwesen treiben.

Kriminelle Parallelwelten

Diese lehnten den Rechtsstaat in Deutschland ab und lebten nach eigenen Gesetzen und Regeln. Alles außerhalb des Clans betrachteten sie als "Feindesland" und bereiteten Polizei und Justiz erhebliche Probleme. Ziercke verwies auf die zunehmenden Anstrengungen seitens des Gesetzgebers und der staatlichen Organe, diese kriminellen Parallelgesellschaften auszutrocknen. Rüdiger Schuch, der Leiter der Außenstelle Lahn-Dill des WR, dankte dem Redner für den informativen und transparenten Vortrag.

Der WR-Landesvorsitzende Dr. Patrick Liesching und Rüdiger Schuch informierten über die vielfältigen Angebote der bundesweit größten Hilfsorganisation für Kriminalitätsopfer. Im Lahn-Dill-Kreis sind elf ehramtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aktiv. Sie betreuen nicht nur die Opfer von krimineller Gewalt. Auch der Prävention und damit der Vermeidung von Straftaten gilt ein besonderes Augenmerk.

In Grußworten unterstrichen Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich, Polizeipräsident Bernd Paul und Landrat Wolfgang Schuster die segensreiche Arbeit des Vereins.

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