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Eigentlich sollte die Birklarer Ortsdurchfahrt im Bereich Freier Platz längst fertiggestellt sein. Aufgrund baubegleitender Ausgrabungen wurden die Arbeiten hier aber verschoben und die Archäologen machten unerwartete Entdeckungen.

Älter als gedacht: Birklar

  • vonChristina Jung
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Der Licher Stadtteil Birklar gehört zu den ältesten Dörfern im Landkreis. 1230 Jahre sind es nach Lorscher Codex. Die Ergebnisse baubegleitender Ausgrabungen bei der Sanierung der Ortsdurchfahrt lassen allerdings einen anderen Schluss zu. Schon im sechsten Jahrhundert soll die heutige Ortslage besiedelt gewesen sein.

Das beschauliche Birklar blickt auf eine lange Ortsgeschichte zurück. 791 erstmals im Lorscher Codex erwähnt, wird es 2021 schon 1230 Jahre alt. Doch mittlerweile ist klar, dass die Dorfhistorie neu geschrieben werden muss. In dem 686-Seelendorf hat es bereits viel früher Siedlungstätigkeit gegeben. Das haben Archäologen herausgefunden.

Seit November 2019 wird in Birklar die Ortsdurchfahrt grundhaft saniert. In diesem Zuge hat es von Mai 2020 - unterbrochen durch eine längere Winterpause - bis Ende März 2021 im Bereich »Freier Platz« baubegleitende Ausgrabungen gegeben. Ausgeführt von einer archäologischen Fachfirma, beaufsichtigt vom hessischen Landesamt für Denkmalpflege, wie deren Sprecherin für Öffentlichkeitsarbeit, Dr. Beate Leinthaler, auf GAZ-Anfrage mitteilt.

»Dokumentiert wurden zahlreiche früh- und hochmittelalterliche Befunde, Grubenhäuser, ein dreischiffiges Gebäude des zwölften Jahrhunderts, Fundamentreste von Kellern, die zu Fachwerkhäusern gehörten sowie Brunnen«, sagt Leinthaler. Ebenso seien vorgeschichtliche und völkerwanderungszeitliche Grubenreste festgestellt worden. Zu den Fundstücken der Archäologen zählten hauptsächlich Keramikfragmente, Werkzeuge, Speiseabfälle in Form von Tierknochen, aber auch Münzen. Die genaue Anzahl kann laut Leinthaler erst nach der Aufarbeitung der Grabung mit Vorlage des entsprechenden Berichtes angegeben werden.

Ortsdurchfahrt wird teurer

Und welche Rückschlüsse lassen die Funde zu? Leinthaler: »Die Untersuchungen belegen einerseits eine unerwartet dichte Besiedlung im Bereich der heutigen Ortslage sowie anderseits eine bis ins sechste Jahrhundert nach Christus zurückreichende Besiedlungskontinuität.«

Darüber hinaus zeigten die Ergebnisse, wie aufschlussreich archäologische Notbergungen im Zuge des Straßen- und Leitungsausbaues sein könnten. Immerhin könne die Geschichte Birklars nun um viele neue Erkenntnisse ergänzt werden. Abschließend wird Hessen Archäologie dazu jedoch erst nach Vorlage des Grabungsberichtes Auskunft geben, an dem derzeit gearbeitet wird und der im Herbst vorliegen soll.

Die geborgenen Fundobjekte wurden bzw. werden gereinigt, beschriftet und sicher verpackt und nach Abschluss aller Dokumentationen der Öffentlichkeit präsentiert.

Zunächst muss allerdings die Ortsdurchfahrt fertiggestellt werden. Derzeit läuft die Asphaltierung in der Muschenheimer Straße, wo die Arbeiten nahezu beendet sind. Noch einiges zu tun ist im Bereich »Freier Platz«. Die grundhafte Sanierung hier war eigentlich im Rahmen des zweiten der drei Bauabschnitte vorgesehen. Wegen der Ausgrabungen wurden die Abschnitte aber getauscht, um Verzögerungen zu vermeiden, sagt Lichs Bauamtsleiter Marco Römer auf GAZ-Anfrage. Mit Erfolg: Der ursprüngliche Zeitplan wird voraussichtlich eingehalten. Die Vollsperrung der Ortsdurchfahrt läuft bis 30. Juni, spätestens im Juli, schätzt Römer, könne sie für den Verkehr freigegeben werden.

Nicht eingehalten werden wird bei dem Gemeinschaftsprojekt von Stadt, Kreis und Licher Stadtwerken, bei dem im gesamten Bereich der rund 900 Meter langen Ortsdurchfahrt Fahrbahn, Gehwege, Wasserver- und entsorgungsleitungen sowie Hausanschlüsse erneuert werden, der Kostenrahmen von rund 3,9 Millionen Euro. Grund dafür sind wiederum die Ausgrabungen, die wesentlich umfangreicher gewesen seien als geplant, so Römer. Wie viel Mehrkosten auf die Projektträger zukommen, steht aber noch nicht fest.

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