ADFC fordert schnelles Handeln von der Politik

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Gießen (pm). Der Kreisverband Gießen des Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) fordert die politischen Parteien im Gießener Land auf, jetzt mit dem Ausbau der Rad-Infrastruktur zu beginnen. Projekte, die noch in der ersten Jahreshälfte 2021 beantragt werden, fördern Bund und Land mit 80 bis 90 Prozent, erklärt der ADFC in einer Pressemitteilung.

Das im vergangenen Jahr vom Kreis beschlossene Radverkehrskonzept habe den Handlungsbedarf klar aufgezeigt: Zwischen vielen Ortschaften fehlten gut ausgebaute Radwege. Während inzwischen vor fast jedem Rathaus eine Elektroladesäule stehe, habe noch nicht einmal jedes zweite Rathaus sichere Fahrradstellplätze, bemängelt der ADFC. Dabei gebe es im Gießener Land mehr als 100-mal so viele Elektroräder wie Elektroautos. An anderen öffentlichen Gebäuden wie Schulen, Sportstätten, Friedhöfen und Kindergärten sieht es laut ADFC oft nicht besser aus.

Finanzieller Anreiz des Bundes

Auch die Verknüpfung von öffentlichem Nahverkehr und Fahrrad klappe noch nicht optimal. An fast allen Bahnhöfen gebe es zwar ein Grundangebot an meist überdachten Fahrradbügeln. Sichere Fahrradboxen für hochwertige Fahrräder seien aber nur in Linden und Gießen vorhanden. Vor allem aber seien diese ausgebucht, die Wartelisten entsprechend lang.

Den Handlungsbedarf »haben inzwischen alle erkannt, und so überbieten sich die Parteien in den aktuellen Wahlprogrammen mit Forderungen, was sie für den Radverkehr machen wollen«, schreibt der ADFC. Entscheidend sei nun aber, dass die Parteien ihren Ankündigungen direkt nach der Kommunalwahl auch Taten folgen lassen.

Einen großen Anreiz setzen Bund und Land. So stellt der Bund den Kommunen erstmals hohe Fördergelder bereit, die über das Land Hessen verteilt werden. Damit die Kommunen in Zeiten von Corona auch zugreifen, winken allen, die im ersten Halbjahr 2021 einen Förderantrag stellen, Förderquoten von 90 Prozent für finanzschwache Kommunen und von 80 Prozent für alle anderen Kommunen. In der Vergangenheit waren oft nur Förderquoten von 40 bis 70 Prozent üblich.

Der ADFC empfiehlt den politisch Verantwortlichen daher, dass sie Maßnahmen, die sie bis Ende 2023 ohnehin umsetzen wollten, noch in der ersten Jahreshälfte 2021 beantragen, »denn wer 90 Prozent statt 70 Prozent Fördergelder bekommt, kann zwei Drittel des kommunalen Eigenanteils sparen oder dreimal so viele Maßnahmen umsetzen wie eigentlich geplant«, heißt es vom ADFC.

Schnell umsetzbare Maßnahmen

Der Fahrradclub rät den Kommunen vor allem, schnell umsetzbare Maßnahmen anzugehen: etwa sichere und überdachte Fahrradstellplätze an allen öffentlichen Gebäuden zu schaffen. Oder aber die Asphaltierung von Feldwegen, da auf diesem Weg ohne langwierigen Grunderwerb und ohne Verlust von landwirtschaftlichen Flächen sowie ohne großen Zeitaufwand kurze und autoarme Radrouten entstehen können.

Der Bau von Radwegen neben den Hauptstraßen wird sich nach Ansicht des Kreisverbandes des ADFC bis 2023 »eher nicht realisieren lassen«. Eher infrage käme die Schaffung von sicheren Querungsstellen oder die Ausweisung von Fahrradstraßen.

Auch für die Kreisverwaltung hat der ADFC klare Vorschläge: Bis 2023 sollte die seit über zehn Jahren angekündigte, flächendeckende Radwegweisung für den Alltagsverkehr installiert werden und alle Schulen mit sicheren, überdachten Radabstellanlagen ausgestattet sein. Die Vorbereitungen für beide Projekte sind gemacht. Alle Schulen haben ihre Bedarfe für Fahrradstellplätze dem Kreis bereits gemeldet. Und mit dem Radroutenkonzept lägt die konzeptuelle Grundlage für die flächendeckende Alltags-Radwegweisung nun vor.

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