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Landrätin Anita Schneider (vorne links) und Christiane Schmahl, Erste Kreisbeigeordnete, unterzeichnen die Verträge.

Acht weitere Jahre

Gießen (keh). Wählt jemand im Landkreis Gießen die 112, rückt in den meisten Fällen der Rettungsdienst aus. Aufgabe dieser Mitarbeiter ist es, innerhalb von zehn Minuten vor Ort zu sein und den mehr als 260 000 Menschen im Kreisgebiet qualifizierte Hilfe zu leisten. Die Einsatzzahlen der Rettungsdienste sind in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen (siehe Infokasten).

2020 wurden 50 693 Einsätze gezählt - und immer rückten Rettungskräfte des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) oder der Johanniter-Unfall-Hilfe (JUH) aus.

Am gestrigen Mittwoch hat der Landkreis mit beiden Rettungsdiensten erneut Verträge über acht Jahre geschlossen. Ziel der Zusammenarbeit ist, die Durchführung des sogenannten bodengebundenen Rettungsdienstes einschließlich der notärztlichen Versorgung sicherzustellen. Bereits seit 1993 arbeitet der Landkreis mit dem Deutschen Roten Kreuz Mittelhessen gGmbH und der Johanniter-Unfall-Hilfe e.V. Regionalverband Mittelhessen zusammen. 2005, damals ein Novum in Hessen, wurde der Auftrag erstmals für acht Jahre erteilt.

Aktuell sind DRK und JUH noch bis Ende des Jahres beauftragt. Der neue Vertrag, der gestern von allen Verantwortlichen unterzeichnet wurde, gilt ab 2022 bis zum 31. Dezember 2029. »Wir machen langjährige Verträge, um dauerhaft Qualität zu sichern«, erklärte Landrätin Anita Schneider die Vertragsdauer.

Der Beauftragung sei eine Ausschreibung vorangegangen, in der der Kreis seine Erwartungen an die Rettungsdienste klar formuliert habe. Das Rennen konnten die Johanniter und der DRK jedoch erneut für sich entscheiden. »Das zeigt, dass wir auf die richtigen Pferde gesetzt haben«, sagte die Landrätin.

Insgesamt gibt es 13 Standorte mit 27 Rettungswagen im Landkreis Gießen. Davon betreibt die JUH sechs, der DRK sieben Rettungswachen. Drei der Standorte befinden sich in der Stadt Gießen, der Rest ist über den Kreis verteilt. Zudem sorgen drei Notarztsysteme in Grünberg, Lich und Gießen für schnelle Hilfe im Notfall. Auch ein Intensivtransportwagen plus Baby-Inkubatorsystem am Standort Teichweg (Gießen) und ein Rettungshubschrauber stehen den Einsatzkräften zur Verfügung.

Langfristige Perspektive

In ihrer Rede sagte Schneider, dass sie sich freue, dass in der jüngsten Vergangenheit zwei neue Standorte dazugekommen sind: Einer in Niederkleen und einer im Schiffenberger Tal in Gießen. Zudem befände sich der zukünftige DRK-Standort Gießen-West nun »in trockenen Tüchern«. Dies mache es leichter, in der vorgeschriebenen Hilfsfrist von zehn Minuten, oder sogar schneller, vor Ort zu sein.

»Die Gemeinsamkeit trägt uns über Krisen«, konstatierte DRK-Geschäftsführer Markus Müller über die Zusammenarbeit mit der JUH. Stehe und arbeite man in der Region gut zusammen, könne man auch etwas aushalten, die »enorme Belastung« der Corona-Pandemie beispielsweise.

Ein Thema, das dem Gesundheitswesen schon lange zu schaffen macht, aufgrund der Pandemie nun endlich auch der breiten Öffentlichkeit bewusst wird, ist der Fachkräftemangel. Auch gestern bei der Unterzeichnung wurde es kurz gestreift. Johanniter-Landesvorstand Oliver Meermann jedenfalls sagte, gerade deshalb sei er dankbar, dass mit der Vertragsverlängerung um acht Jahre auch eine langfristige Perspektive für die vielen Mitarbeiter geschaffen wurde.

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