Zum Abschied ein Rekord

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In 35 Tagen bekommt Lich einen neuen Bürgermeister. Eine der letzten Aufgaben des scheidenden Amtsinhabers Bernd Klein war die Vorstellung des Haushalts für 2020. Mit 29,5 Millionen Euro weist der Etat einen Einnahmenrekord aus. Kein Grund zum Jubeln, warnt Klein. Vor allem die Kinderbetreuung werde die Stadt in den kommenden Jahren vor große Herausforderungen stellen.

Sprudelnde Steuereinnahmen bescheren Bernd Klein auf den letzten Drücker einen Rekord: Auf 29,5 Millionen Euro beläuft sich das Ertragsergebnis im Haushalt für 2020. "Eine solche Summe habe ich hier noch nie vorgetragen", sagte der Bürgermeister am Mittwoch in der Sitzung der Stadtverordneten, die seine letzte war. Kleins Amtszeit endet am 15. Januar, sein Nachfolger Dr. Julien Neubert wird am 20. Dezember vereidigt.

In dieser besonderen Situation beschränkte sich der Noch-Kämmerer auf einige grundlegende Anmerkungen zur finanziellen Situation der Stadt Lich. Die wird - so Kleins Prognose - in den kommenden Jahren vor allem durch Herausforderungen der Kinderbetreuung geprägt sein. 2008, im Jahr seines Amtseintritts, habe das Defizit in diesem Bereich bei 1,2 Millionen Euro gelegen. 2020 seien es vier Millionen Euro "und dieses Defizit wird in Zukunft nicht geringer werden." Die Stadt werde nicht zuletzt die Rahmenbedingungen für ihre Beschäftigten in diesem Bereich verbessern müssen, sagte Klein und erwähnte beispielhaft eine bessere Bezahlung der stellvertretenden Leitungen und deren Ausstattung mit mehr Freistunden.

Komplett aus dem Haushalt herausgenommen wurden neue Maßnahmen im Straßenbau. Die städtischen Entscheidungsträger sollen in aller Ruhe über eine eventuelle Neuordnung der Straßenbeiträge nachdenken. Klein wies darauf hin, dass Lich im vergangenen Jahrzehnt in erheblichem Maße Schulden abgebaut habe. Den Schuldenstand bei seinem Amtsantritt bezifferte er für Stadtwerke und Stadt zusammen auf rund 30 Millionen Euro. "Wir haben ihn auf 14 Millionen Euro halbiert und dabei viel investiert", erläuterte der Bürgermeister.

Schwierige Suche nach Personal

Von den ursprünglich neun Millionen Euro Schulden aus der Bodenbevorratung durch die HLG, aus der die Stadt vor zehn Jahren ausgestiegen ist, seien aktuell noch 5,1 Millionen Euro übrig, die nun umgeschuldet werden sollen, um die Zinslast zu senken. "Sie sind handlungsfähig, sie können in die Zukunft investieren", sagte Klein an die Stadtverordneten gewandt und warnte zugleich: "Sie müssen Liquiditätsreserven erwirtschaften." Mit dem Haushalt 2020, der einen Überschuss von 638 000 Euro aufweist, schaffe man das "gerade so." Zur Finanzierung der Investitionen in Höhe von 4,8 Millionen Euro sieht der Haushalt die Aufnahme eines Kredits von gut 2,31 Millionen Euro vor. "Durch den Liquiditätsüberschuss aus der Langsdorfer Höhe wird er eventuell nicht nötig sein", sagte der Bürgermeister und fügte hinzu: "Sie werden das Geld brauchen, denn die Gebäude der Kindergärten sind nicht mehr auf dem aktuellen Stand." Hier kämen hohe Investitionen auf die Kommune zu.

Sowohl für die Stadtverwaltung wie auch für die Stadtwerke gilt: Es ist schwer, neue, qualifizierte Mitarbeiter zu gewinnen. "Der öffentliche Dienst ist ein höchst unattraktiver Arbeitgeber", bemerkte Klein. "Andere zahlen mehr." Wenn man aber das nötige Personal nicht habe, müsse man Dienstleistungen einkaufen. "Das kostet Geld, und dieses Geld muss irgendwo herkommen."

Abschließend dankte Klein dem Magistrat und den Stadtverordneten für die sehr konstruktive, gute Zusammenarbeit und die Bereitschaft, neue Wege zu gehen. "Dass die Stadt so dasteht, ist diesem kollegialen Verhältnis zu verdanken" sagte Bürgermeister Klein und fügte einschränkend hinzu: "Ausgenommen, was in den letzten Wochen und Monaten hier passiert ist." In der Debatte um die Bebauung der Langsdorfer Höhe sei auch mit falschen Aussagen und Halbwahrheiten Angst geschürt worden. Doch mit Angst im Nacken könne man nicht vorangehen. "Wer Verantwortung trägt, sitzt immer mit dem halben Arsch im Glatteis."

"Die Zeit hier will ich nicht missen, auch wenn sie nicht immer stressfrei und einfach war", resümierte der scheidende Bürgermeister. Sein abschließender Appell: "Pflegen Sie einen guten Stil miteinander."

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