April 2015: Architekt Uwe Hartmann überreicht den Schlüssel für die umgebaute Kita Dreikäsehoch an Bürgermeister Rainer Wengorsch und Kita-Leiterin Susanne Fröhlich. Jetzt steht die Aufgabe dieser traditionsreichen Betreuungseinrichtung zur Debatte. ARCHIVFOTO: US
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April 2015: Architekt Uwe Hartmann überreicht den Schlüssel für die umgebaute Kita Dreikäsehoch an Bürgermeister Rainer Wengorsch und Kita-Leiterin Susanne Fröhlich. Jetzt steht die Aufgabe dieser traditionsreichen Betreuungseinrichtung zur Debatte. ARCHIVFOTO: US

Abschied von Dreikäsehoch?

  • Ursula Sommerlad
    vonUrsula Sommerlad
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Fünf Jahre nach ihrem Umbau sind die Tage der Hungener Kita "Dreikäsehoch" gezählt. Damit sich die Firma Fural und der RWZ-Agrarhandel entwickeln können, soll das Gewerbegebiet an der Königsberger Straße erweitert werden. Für die Kita wäre dort dann kein Platz mehr.

Manchmal ändern sich die Umstände schneller als erwartet. Als im April 2015 die umgebaute Kindertagesstätte Dreikäsehoch eingeweiht wurde, hätte wohl niemand gedacht, dass der für 570 000 Euro sanierte Standort in der Königsberger Straße fünf Jahre später wieder zur Disposition stehen würde. Aber genau das ist nun der Fall. Der Haupt- und Finanzausschuss, der nach der zweimonatigen Corona-Pause am Dienstag erstmals wieder tagte, hat bei einer Gegenstimme der Grünen die Weiterentwicklung des Gewerbegebietes Königsberger Straße/Herrenacker befürwortet. Die Hessische Landgesellschaft soll im Auftrag der Stadt die dafür notwendigen Flächen erwerben. 13 Euro je Quadratmeter sollen für das Rohbauland gezahlt werden.

Es gebe Bedarf für weitere Gewerbeflächen in der Kernstadt, begründete Bürgermeister Rainer Wengorsch den Vorstoß. Bei der Planung gehe es aber auch darum, bereits ansässigen Unternehmen Entwicklungsmöglichkeiten zu bieten. Das betrifft nicht zuletzt die Firma Fural. Der mittelständische Spezialist für Metalldecken mit Stammsitz in Österreich hatte 2016 die Hungener Dipling-Werke übernommen und sogleich kräftig in die Modernisierung des Standorts investiert. Flächen für die Erweiterung stehen jenseits der Königsberger Straße zur Verfügung. Schon damals hatte sich Geschäftsführer Christian Demmelhuber eine andere Anbindung gewünscht. Eine Straße mitten auf dem Firmengelände sei alles andere als ideal; sagte er seinerzeit im Gespräch mit dieser Zeitung.

Nun bestätigte Bürgermeister Rainer Wengorsch im Haupt- und Finanzausschuss auf Nachfrage, dass Fural und auch das unterhalb gelegene RWZ-Agrarzentrum Teile der Königsberger Straße erwerben wollen. Die Trasse müsste also in Teilen verlegt werden.

Kritisch hinterfragt wurde im Ausschuss der Flächenverbrauch. "Schon wieder geht hochwertiges Ackerland verloren", monierte Norbert Marsfelde (CDU). Auch Grünen-Sprecher Wolfgang Macht zeigte sich skeptisch. Gegen die Erweiterung bereits bestehender Unternehmen sei nichts einzuwenden. Aber Bedarf für weitere Flächen sehe er nicht. "Wir haben 20 Hektar in Hungen-Süd." Die stehen, wie der Bürgermeister bestätigte, noch komplett zur Verfügung. "Der Bebauungsplan befindet sich ja erst in der Offenlage." Allerdings gebe es bereits Interessenten für insgesamt etwa 14 Hektar.

Kritik an Flächenverbrauch

Dass nicht nur die Königsberger Straße in Teilen neu gebaut werden müsste, sondern auch eine neue Kita, bestätigte Wengorsch auf Nachfrage des SPD-Fraktionsvorsitzenden Christoph Fellner von Feldegg. Die bestehenden Betreuungseinrichtungen könnten die Kinder aus den zwei Dreikäsehoch-Gruppen nicht aufnehmen. Eine weitere Kita soll im neuen Baugebiet Hungen-West entstehen. "Mit vier oder sogar fünf Gruppen", wie der Bürgermeister sagte. Auch aus diesem Grund visiere man eine Erweiterung des Gewerbegebiets um 6,7 Hektar an. Die Kosten für den Bau einer neuen Straße und einer neuen Kita wären bei einer kleineren Fläche unwirtschaftlich. Für den Verkauf der Dreikäsehoch-Immobilie will die Stadt mit dem Zeit- und dem Bilanzwert in die Verhandlungen gehen, kündigte Wengorsch an.

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