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Das Gewächshaus ist, ebenso wie die Frühbeetkästen im Vordergrund, von Rechtenbach in den Hessenpark umgezogen.

Vom Abrisskandidat zur Attraktion

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Hüttenberg/Neu-Anspach (pm/pad). Vor einem Jahr knallten im Mairegen im Hessenpark die Sektkorken: Damals wurde der Wiederaufbau des Gewächshauses der Gärtnerei Weidmann gefeiert. Dieses war zuvor in Rechtenbach demontiert und im Freilichtmuseum originalgetreu wiederaufgebaut worden. Damals kündigte das Museum bereits an, dass nach der endgültigen Fertigstellung des Außenbereichs hier eine Dauerausstellung einziehen soll. Diese wurde nun eingeweiht.

"Gartenbau und Blumenbinden. Die Gärtnerei Weidmann 1919-2005" heißt die neue Schau. Museumsleiter Jens Scheller erinnerte zur Eröffnung daran, wie das Gebäude nach der Einweihungsparty im Mai 2018 weiter gewachsen und seit Februar dieses Jahres in Betrieb sei.

Mit der Eröffnung erfüllte sich für den Museumsleiter und sein Team ein langgehegter Wunsch. Bereits im Museumsleitbild von 2010 wurde die Bewahrung von Nutzpflanzen und Nutztieren vermerkt. Ein Jahr später setzte man sich das Ziel, eine Gärtnerei im Museum aufzubauen. 2015 war Volker Weber, Leiter für historische Landwirtschaft und Umwelt im Hessenpark, auf die 1957 errichtete Gärtnerei aufmerksam geworden. Diese sollte nach langen Jahren des Leerstands abgerissen werden und einem Neubaugebiet Platz machen.

"Wir musealisieren mit der Gärtnerei Weidmann nicht nur ein typisches Stück Gartenbaugeschichte, sondern die Gärtnerei bietet uns auch die große Chance angesichts aktueller gesellschaftlicher Diskurse, an Stichworte wie Biodiversität, Saisonalität, Regionalität, aber auch an Ernährungskultur noch besser anzuknüpfen, als das bisher möglich war", sagte Scheller. Er hofft, dass die Gärtnerei nun eine neue Attraktion des Hessenparks wird.

Jürgen Banzer, Vorstandsvorsitzender des Förderkreises Freilichtmuseum Hessenpark, hob hervor, dass die Spendensumme von über 160 000 Euro entscheidend dafür gewesen sei, das Projekt finanzieren zu können.

Weber betonte, dass der Aufbau des Gebäudes eine echte Herausforderung gewesen sei. Ziel sei es gewesen, das Gebäude in seinem Wesen zu erhalten. Vor Jahresfrist sprach er gegenüber der "Gießener Allgemeinen Zeitung" von einem "riesigen Metall-Mikado", das es aufzubauen galt.

Die Eröffnung der neuen Dauerausstellung beschrieb er als "Highlight". Der Ausstellungsbereich werde in Zukunft außerdem durch das Vorführhandwerk ergänzt. Hier gehen die Gärtnerinnen ihrer Arbeit nach und beantworten Fragen der Besucher. Es wird getopft, gegossen, gepflanzt und gesät.

Weber hob den Nutzen der Gärtnerei für das Museum hervor: "Den Arche-Gedanken, den wir im Tierbereich schon länger erfolgreich umgesetzt haben, versuchen wir jetzt mithilfe der Gärtnerei auf den Pflanzenbereich zu übertragen." Unter anderem will man hier alte Sorten erhalten.

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