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Die alte Brücke über dem Teufelswiesenweg in Lich hat schon bessere Tage gesehen. Mit Blick auf die Verkehrssicherheit hat der Magistrat nun einen Abriss vorgeschlagen, denn die Sanierung würde 355 000 Euro kosten.

Abreißen oder erhalten?

  • VonChristina Jung
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Es hat weder eine Funktion noch Denkmalwert. Deshalb hat sich der Magistrat der Stadt Lich nun für einen Abriss des alten Bahnviadukts über dem Teufelswiesenweg ausgesprochen. Doch aus den Reihen der Stadtverordneten gibt es Widerstand.

Seit 66 Jahren ist sie eine Brücke ohne Funktion. Ein Kulturdenkmal, aber mittlerweile in sehr schlechtem Zustand. Die Denkmalschutzbehörde hat das rund 100 Jahre alte Bahnviadukt im Licher Teufelswiesenweg zum Abbruch freigegeben, der Magistrat eine entsprechende Beschlussvorlage für die Stadtverordnetenversammlung befürwortet. In der konstituierenden Sitzung des Ausschusses für Bauen, Umwelt und Stadtentwicklung allerdings konnte sich das neue Mehrheitsbündnis aus BfL, Grünen und FDP nicht zu einem Ja für das Vorhaben durchringen, spielte den Ball wieder zurück an die Stadträte. In einem Änderungsantrag, der mehrheitlich befürwortet wurde, hatten die drei Fraktionen eine Reihe von Fragen formuliert, die der Magistrat beantworten soll. Bis das geschehen ist, bleibt die Beschlussvorlage im Geschäftsgang.

Zuvor hatte Bürgermeister Dr. Julien Neubert mit Blick auf die Verkehrssicherheit des Bauwerkes mehrfach auf die problematische Situation hingewiesen. Die ist mittlerweile auch durch ein Fachgutachten belegt, das vom Büro »HAZ Beratende Ingenieure für das Bauwesen« in Marburg erstellt wurde, im Ausschuss vertreten durch Thorsten Ulott, der das Papier erläuterte und Fragen beantwortete. Demnach weist die einstige Brücke Schäden und Mängel in Form von Abplatzungen, Rissen und Durchfeuchtung auf. Besonders massiv betroffen seien die Bogenuntersicht und die Nord-West-Seite, so Ulott. Die Sanierung bezifferte er auf 355 000 Euro.

Viel Geld, wenn man als Stadtoberhaupt steigende Ausgaben und ein Haushaltsdefizit von mehr als 600 000 Euro vor Augen hat, darüber hinaus weitere Kulturdenkmäler in städtischem Besitz, deren Erhalt die Kommune viel Geld kostet. Daher Neuberts Apell an die Mandatsträger: »Dieses Bauwerk hat weder Denkmalwert noch eine Funktion.«

Dr. Cornelia Wagner (Grüne) wollte mit Blick auf die Dringlichkeit wissen, wie lange es dauern würde, bis die einstige Brücke »ganz baufällig ist«. Das konnte Ulott nicht sagen, sprach aber von einer exponentiellen Entwicklung. »Es fällt immer mehr herunter und die Schäden werden größer«, so der Experte.

Berchtold Büxel führte die Möglichkeit an, das alte Bahnviadukt mittels eines Netzes abzusichern. Dazu Ulott: »Das reicht vielleicht dieses Jahr«, sei aber keine dauerhafte Lösung. Joachim Siebert (BfL) sah keine direkte Gefährdungslage. »Dass Putz abbröckelt, halte ich für ein relativ kleines Problem.«

Pompalla neuer Vorsitzender

Ganz anders sah das Sascha Ott (FW). Wenn durch herabfallende Teile Spaziergänger verletzt würden, »möchte ich dafür nicht die Verantwortung übernehmen«. Zustimmung für die Beschlussvorlage kam auch von der SPD. Gisela Maier erinnerte an die Landwirte, die den Wirtschaftsweg am alten Bahnviadukt benutzten. Wenn dieser in Folge zunehmender Schäden gesperrt werden müsste, hätten die ein Problem.

Über den Abbruch des Kulturdenkmals wurde letztlich nicht abgestimmt, da zuvor der Änderungsantrag des Mehrheitsbündnisses gegen die Stimmen von CDU, SPD und FW angenommen wurde. Vor der erneuten Einbringung der Beschlussvorlage ist vom Magistrat nun unter anderem zu klären, inwieweit ein Abbruch eine vorhandene Ausgleichsfläche am alten Bahndamm berührt. Ob der Artenschutz beachtet wurde? Welche Verkehrssicherung im Fall eines Erhalts nötig wäre und was sie kosten würde? Warum der dort geplante Regenwasserkanal notwendig ist beziehungsweise welchen Verlauf er hat? Fragen, für deren Beantwortung es mitunter neue Gutachten braucht, die Zeit und Geld kosten.

Zu Beginn der konstituierenden Sitzung hatten Wahlen gestanden: Markus Pompalla (CDU) wurde einstimmig zum neuen Ausschussvorsitzenden gewählt, erster Stellvertreter ist Joachim Siebert (BfL). Gegen ihn stimmte Sascha Ott (FW), er hatte Gisela Maier (SPD) für den Posten vorgeschlagen. Die Sozialdemokratin zog nach kurzer Sitzungsunterbrechung zurück und wurde dann zur zweiten Stellvertreterin gewählt (einstimmig bei drei Enthaltungen). Zur Schriftführerin wurde einstimmig die Verwaltungsmitarbeiterin Sylvia Feike gewählt, erster Stellvertreter ist Marco Römer, zweite Stellverteterin Claudia Müller.

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