Durchaus ungewöhnlich für ein Kinderbuch sind die Bleistiftzeichnungen der Wissenschaftlerin Birgit Christiansen. Diese Szene zeigt Urpinguine im Eozän, das vor etwa 56 Millionen Jahren begann. ZEICHNUNG: BIRGIT CHRISTIANSEN / FOTO: PM
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Durchaus ungewöhnlich für ein Kinderbuch sind die Bleistiftzeichnungen der Wissenschaftlerin Birgit Christiansen. Diese Szene zeigt Urpinguine im Eozän, das vor etwa 56 Millionen Jahren begann. ZEICHNUNG: BIRGIT CHRISTIANSEN / FOTO: PM

Abenteuer in einer eisigen Welt

  • Gabriele Krämer
    vonGabriele Krämer
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Sie gehen aufrecht wie Menschen und sind die Hauptdarsteller in einem besonderen Kinderbuch: "Die Pinguingang". Birgit Christiansen, Wahl-Münchenerin aus Steinbach, hat sie gemeinsam mit Ehemann Steven Lundström zum Leben erweckt.

Eisberge, gewaltige Schneemassen, Wind und Sturm, Licht und Dunkelheit und obendrein klirrende Kälte: Die "Pinguingang" kommt passend zur Jahreszeit in den Buchhandel. Die familientaugliche Lektüre hat das Zeug dazu, dass sich Jung und Alt zum Lesen, Schauen, Staunen und Lernen gemeinsam in eine dicke Wolldecke kuscheln und sich für Stunden in eine unwirtliche Welt entführen lassen - nicht nur im Lockdown. Neben der eigentlichen Geschichte üben 93 Bleistiftzeichnungen eine besondere Faszination aus.

Dabei hat es sich eher zufällig ergeben, dass Birgit Christiansen und ihr Ehemann Steven Lundström auf insgesamt 184 Seiten die "beinahe wahre Geschichte" um acht Kaiserpinguine erzählen. Die wachsen in einer Welt auf, die sie das "Große Weiße Kalte Land" und das "Große Meer" nennen. "Die Idee, ein Kinderbuch zu verfassen, kam ganz spontan", sagt die gebürtige Gießenerin, die in Steinbach aufgewachsen ist und heute von München aus engen Kontakt in die "alte Heimat" und zu ihrer Mutter in Steinbach hält.

Viele Jahre haben die Eheleute, die seit zehn Jahren in der bayerischen Landeshauptstadt leben, wissenschaftlich zusammengearbeitet und zudem einige Artikel gemeinsam verfasst. Dann fertigte Birgit Christiansen eines Abends ihre erste Pinguinzeichnung an. Am nächsten Morgen schrieb Steven Lundström den Anfang der Geschichte. Und die nahm schließlich an Fahrt auf...

"Uns verbindet ein großes Interesse an der Natur und an der Geschichte und den Geschichten, die die Welt für uns bereithält. Ob in Form von archäologischen und schriftlichen Hinterlassenschaften vergangener Kulturen, Erzählungen oder aktuellen Ereignissen", schildert Christiansen.

Mit ihrem Kinderbuch und in ihren Lesungen versuchen die Eheleute, ihr Interesse und ihre Neugier an Kinder weiterzugeben, in ihnen die Lust aufs Lesen zu wecken und sie für Natur- und Klimaschutz zu begeistern.

Jene acht Kaiserpinguine - die "Pinguingang" - interessieren sich für die seltsamen Wesen auf zwei Beinen, die in ihrer Nähe leben und so gar nicht in ihr Land passen. Außerdem erkennen sie, dass diese Wesen ihnen und den anderen Bewohnern in Antarktika Probleme bereiten. Sie beschließen daher, mit ihnen Kontakt aufzunehmen und sie davon zu überzeugen, dass sie ihr Leben ändern müssen.

Die Geschichte ist spannend, vermittelt aber auch einiges an Wissen, ohne indes belehrend daherzukommen. So erfährt man etwas über erste Expeditionen zum Südpol und die Geschichte der Pinguine. Es geht zudem um Freundschaft, Zusammenhalt sowie schöne und schwierige Erfahrungen des Erwachsenwerdens.

Die Erzählung richtet sich als Vorlesebuch an Kinder ab sechs Jahren und als Selbstlesebuch an Kinder ab acht Jahren. "Klare Altersgrenzen nach oben gibt es nicht, auch etliche Erwachsene haben das Buch gern gelesen. Wir haben es schon in mehreren Schulen vorgestellt. Text und Zeichnungen kamen immer sehr gut an", freut sich Christiansen. Ihre Zeichnungen sind komplett "von Hand gemacht", kommen ohne digitale Nachbearbeitung aus. Manche Erwachsene bedauern, dass die Illustrationen nicht bunt sind. "Die Kinder finden das aber gar nicht schlimm. Im Gegenteil. Sie scheinen das besonders faszinierend zu finden. Und auch wir denken, dass es eher die Fantasie anregt, wenn die Zeichnungen schwarz-weiß sind", sagt die 46-Jährige. Sobald die Corona-Pandemie abgeflaut ist, möchte sie Lesungen an Schulen und Einrichtungen im Gießener Land anbieten. Da trifft es sich gut, dass sie zurzeit eine Stelle an der Uni Marburg hat und demnächst wieder häufiger in Steinbach sein wird.

"Die Pinguingang - Eine beinahe wahre Geschichte", Steven Lundström und Birgit Christiansen. Verlag Böhland & Schremmer (Berlin). 19,50 Euro. 25,6 x 18,2 cm. Hardcover. 184 Seiten, 93 Illustrationen (ISBN 978-3-943622-50-8).

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