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Ab in den Zirkus!

  • Patrick Dehnhardt
    VonPatrick Dehnhardt
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Die Jonglierteller standen lange Zeit still im Regal. Nun drehen sie sich endlich wieder auf den Stäben: In der Zirkusscheune starteten jetzt die Pohlheimer »Ferienspiele«.

Vor einem Auftritt ist er immer aufgeregt. An diesem Morgen war es sogar noch ein bisschen mehr als sonst, gibt Michael Rogalla offen zu. Denn so viel Leben gab es in der Zirkusscheune schon lange Zeit nicht mehr.

Nun stehen im Garten Jugendliche und üben Jonglieren mit Bällen, während er einer Gruppe Kinder das Balancieren eines Tellers auf einem langen Stab beibringt. Immer wieder fällt einer hinunter - zum Glück sind sie aus Plastik.

Erlebnisse im realen Leben

Beim Zirkuscamp im Rahmen der Pohlheimer Ferienspiele heißt es wieder volles Haus - wobei der Begriff relativ zu verstehen ist. Natürlich können nur so viele Kinder und Jugendliche an der fünftägigen Veranstaltung teilnehmen, wie es die Corona-Regeln zum Ende der Anmeldefrist zuließen. Die Nachwuchszirkuskünstler bringen dafür aber so viel Spaß und Motivation mit, dass gar nicht auffällt, dass es weniger als sonst sind.

Geübt werden neben Jonglage auch Einrad fahren sowie artistische und akrobatische Kunststücke. Viel wichtiger ist für alle jedoch, dass sie nun mit Gleichaltrigen etwas erleben können - im realen Leben und nicht am Computer. Die Kinder haben einen Riesenspaß - vielleicht sogar noch ein bisschen mehr als sonst. »Die Kinder genießen es in einer schweren Zeit«, sagt Michael Rogalla.

Ein deutliches Zeichen dafür ist, dass während des Ortsbesuchs nicht einer das Handy aus der Tasche zieht, um Nachrichten zu checken. Das war vor zwei Jahren noch anders.

Im Garten zeigt Jeanette Rogalla derweil einer Gruppe Mädchen, wie man mit drei Bällen jongliert. Am Anfang fliegen die Bälle noch kreuz und quer. Doch mit ein bisschen Übung gelingt es, dass sie nach einer Runde durch die Luft wieder in der Hand landen. Ein kleines Erfolgserlebnis.

Damit dieses jeder mit nach Hause nehmen kann, wurden die Camp-Besucher ihrem Alter nach in kleine Gruppen eingeteilt. »Die motorischen Fähigkeiten sind bei den ganz Großen andere als bei den Kleineren«, sagt Jeanette Rogalla. Darum würde es wenig Sinn ergeben, wenn die Sechsjährigen zusammen mit den Siebzehnjährigen üben. Oder man von den Kleinsten das Gleiche wie von den Großen erwarten würde. »Es soll jeder mit dem größtmöglichen Erfolg aus der Woche herausgehen.«

Normalerweise steht am Ende des Zirkus-Camps die große Zirkusaufführung für Eltern und Freunde. 2021 muss diese ausfallen. Stattdessen erhalten alle Teilnehmer ein Zirkusdiplom. Man könnte das jetzt bedauern, doch Michael Rogalla versucht, der Gemengelage auch etwas Positives abzugewinnen. Die gestrichene Aufführung sei zwar sehr schade, sagt er. Aber immerhin könne das Camp überhaupt stattfinden. Auch das war ja vor ein paar Monaten noch nicht klar.

Es sind die kleinen Schritte zurück zur Normalität, die ihn stärken. Seit 1995 tritt Rogalla als Clown Ichmael auf, hatte in Vor-Corona-Zeiten jedes Wochenende mehrere Auftritte als Maskottchen oder eben als Clown. Das alles war in den vergangenen Monaten passé - Veranstaltungen und Geburtstagsfeiern fielen reihenweise aus. Seit kurzem aber kann die Zirkusschule wieder wöchentlich stattfinden, und auch die ersten Auftritte stehen im Terminkalender.

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