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70 Mängel an einem Auto

Die Bilanz des Blitzermarathons am Mittwoch liest sich laut Polizei durchaus positiv: Nicht mal 300 der knapp 12 000 im Landkreis gemessenen Fahrzeuge waren zu schnell unterwegs. Dennoch erlebten die Beamten an diesem Aktionstag auch durchaus kurios anmutende Szenen.

Anfangs waren es nur ein paar Stundenkilometer, die der Passat-Fahrer zu schnell unterwegs war. Für die Beamten am Tag des europaweiten Blitzermarathons bereits Grund genug, um ihn kurz vor dem Ortseingang Lollar herauszuwinken. Letztlich wurden dem Mann aber noch ganz andere Mängel an seinem Auto zum Verhängnis.

Der Tankdeckel fehlte, Öl tropfte aus dem Wagen, und der Blick auf die arg ramponierten Felgen ließ nichts Gutes erahnen. Die Polizisten ordneten kurzerhand eine sofortige Kontrolle beim Tüv an. Was dort dann zum Vorschein kam, schaffte es jedenfalls in die Chronik des Aktionstages. Sage und schreibe 70 Mängel wies das Fahrzeug auf, darunter auch eine durchtrennte Bremsleitung.

Die Landstraße 3475 kurz vor Lollar war eine von fünf Stellen im Kreis Gießen, an denen im Rahmen des Blitzermarathons am Mittwoch Geschwindigkeitsmessungen durchgeführt wurden. Und trotz solcher kurios anmutenden Szenen wie mit jenem VW war die Bilanz der Polizei durchaus positiv.

An nahezu allen Kontrollstellen in Mittelhessen seien weniger Verstöße verzeichnet worden, hieß es gestern in einer Pressemitteilung. Die meisten Verkehrsteilnehmer hätten sich an die vorgegebenen Tempolimits gehalten. Wurden Geschwindigkeitsbegrenzungen dennoch überschritten, dann häufig nur in geringem Maße.

Laut Polizei fuhren im Kreisgebiet 11 859 Autos an den Messstellen vorbei. 294 Fahrer wurden dabei geblitzt. 232 Fahrzeugführer wurden mit bis zu 20 km/h mehr auf dem Tacho erwischt. Sie müssen ein Bußgeld von maximal 35 Euro zahlen. 62 Fahrer waren dagegen schneller unterwegs und müssen mit einem Verwarngeld von 70 bis 120 Euro plus einem Punkt in Flensburg rechnen. Drei Raser müssen ihren Führerschein für mindestens vier Wochen abgeben.

Gemessen wurde an sogenannten “Unfallhäufungsstellen und dort, wo Geschwindigkeitsbegrenzungen bestehen„, erläuterte Gerhard Keller, Leiter der Direktion Verkehrssicherheit und Sonderdienste. In Lollar etwa gingen den Beamten bereits in der ersten Stunde 19 Verkehrssünder ins Netz. Eine saftige Geldstrafe und mehrere Monate Fahrverbot kommen auf den Lollarer “Spitzenreiter„ zu. Dieser tappte mit 143 Stundenkilometern auf dem Tacho in die Radarfalle - über 70 km/h zu schnell war sonst niemand im ganzen Landkreis.

Auch die Geschichte eines Motorradfahrers ist durchaus erwähnenswert. Der junge Mann hatte jüngst erst seine Fahrprüfung absolviert, am Mittwoch seine erste Tour unternommen - und wurde prompt mit 32 km/h zu viel geblitzt. Da sämtliche Radarfallen vorab angekündigt wurden, mag das überraschen. Silke Fritzsch, Leiterin der Verkehrsüberwachung, sieht dafür aber mehrere Gründe: “Nicht jeder bekommt mit, wo die Blitzer stehen, viele sind nicht ortskundig. Und oft weiß man es zwar, fährt aber trotzdem rein.„

Eine Sache ist den Beamten jedoch sehr wichtig. Es gehe nicht nur um die Verwarnung, sagte Fritzsch, sondern vor allem um das Gespräch. Der Blitzermarathon soll Verkehrsteilnehmer für die Gefahren und Konsequenzen von zu schnellem Fahren sensibilisieren.

Ihr Kollege Keller erklärte, dass die Unfallzahlen aufgrund der Pandemie und dem damit verbundenen geringeren Verkehrsaufkommen zwar rückläufig seien (siehe InfoKasten). “Trotzdem bleibt es dabei: Geschwindigkeit ist der ›Killer‹ Nummer eins im Straßenverkehr.„ Laut einer Statistik des Polizeipräsidiums Mittelhessen trägt eine nicht angepasste oder überhöhte Geschwindigkeit in über der Hälfte der Fälle zu einem Unfall mit Todesfolge bei.

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