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Marius Reusch dankt Karin Bramer für 40 Jahre Einsatz für die Kita Mäuseburg. Janina Nern ist ihre neue Stellvertreterin.

40 Jahre lang Fundamente gelegt

  • VonPatrick Dehnhardt
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Sie hat Generationen von Langgönser Kindern gefördert: Seit 40 Jahren arbeitet Karin Bramer in der Kita Mäuseburg, ist seit 25 Jahren deren Leitung. Die Rente ist für die 59-Jährige kein Thema, dafür macht ihr die Arbeit viel zu viel Spaß.

Wenn jemand 40 Jahre lang ein und demselben Job nachgeht und noch immer nicht an Rente denken will, dann ist dies ein Zeichen, dass es eher eine Berufung denn ein Beruf ist. »Wenn man diesen Beruf ergreift, dann weil man ihn von Herzen gerne macht«, sagt Karin Bramer. Seit 40 Jahren ist sie in der Langgönser Kita Mäuseburg tätig.

Es waren andere Zeiten, als Bramer 1981 ihren Berufsweg begann. Die Mäuseburg hatte »vormittags und nachmittags geöffnet, dazwischen war eine Mittagspause«. Die Kinder mussten »trocken« sein, bevor sie in den Kindergarten durften. »Nach dem Anerkennungsjahr habe ich mit 25 Kindern angefangen.«

Die Gruppe war - wie damals üblich - in einem Alter. Da es jedoch auch einen Gruppenraum für jedes Alter gab, »ist man jedes Jahr mit Sack und Pack und Kindern umgezogen«.

Wieviele Kinder Bramer in dieser Zeit bei den ersten Schritten ins Bildungssystem begleitet hat, »darüber habe ich keine Statistik geführt«. Auch über die zahlreichen kleinen und großen Geschichten, die sie in dieser Zeit erlebt hat, will sie nicht zu viel verraten. Eine kleine Anekdote berichtet sie dann aber doch: Eva Briegel, die später als Frontfrau der Band »Juli« bekannt wurde, war in ihrer Gruppe. »Sie hat auch mal toll für mich gesungen.«

Das Singen ist noch immer eine große Leidenschaft der 59-Jährigen. Das kommt auch privat bei den Enkeln gut an: »Die lieben es, dass die Oma so viele Lieder mitsingen kann.« Aber auch in der Kita begeistert sie die Kleinen weiterhin für Musik. Besonders die alten Lieder - »mit viel Fingerspiel und Bewegung« - gefallen ihr gut.

Zu Anfang konnte sich Bramer nicht vorstellen, einmal teilweise ihre Arbeitszeit am Schreibtisch zu verbringen. Jedoch wurde der Platz der Leitung frei - und damit die Aufgabe, den Kindergarten für die Zukunft fit zu machen. »Bevor das jemand anders macht, gestalte ich das selbst«, beschloss sie und bewarb sich - mit Erfolg. Mittlerweile ist sie 25 Jahre in Leitungsposition, führte zwischenzeitlich für ein Jahr kommissarisch sechs Kitas. »Das war noch eine ganz andere Herausforderung.«

Nicht minder spannend war die Aufgabe, die Mäuseburg in eine Kindertagesstätte umzuwandeln. Denn auf einmal brauchte es Wickelräume und mehr, um eine Betreuung für Kinder im Alter unter drei Jahre anbieten zu können. Dafür musste das Gebäude vergrößert werden. »Der Architekt hat zugehört, was wir brauchen und wo welcher Raum sein soll«, erinnert sich die Jubilarin. Das Ergebnis beschreibt sie als »total gelungen. Man sieht heute nicht einmal mehr, dass es ein Anbau ist.«

Gleichzeitig wuchs die Personaldecke von 12 auf 20 an. Für die Kita-Leitung bedeutete dies deutlich mehr Arbeit. Ihr Arbeitstag beginnt stets morgens um sieben Uhr. Wenn sich eine Kollegin krank melde, könne sie dann direkt reagieren, sagt sie. Nach den Sommerferien werden 106 Kinder die Mäuseburg besuchen. »Ich kann ihnen von allen die Namen sagen«, sagt Bramer. »Auch die der Eltern. Das ist eine Frage des Respekts den Kindern gegenüber.«

Mehr Respekt von Politik gewünscht

Mehr Respekt ist etwas, was sich die Jubilarin für ihren Berufsstand von der Landes- und Bundespolitik wünschen würde. »Wir sind keine Basteltanten mit der Kaffeetasse in der Hand.« In der Kita werde das Fundament für die Bildungskarriere der Kinder gelegt. Ein gutes Fundament braucht es, wenn man darauf etwas gutes aufbauen will. Doch dies sei auf den höheren Ebenen noch immer nicht angekommen, was sich allein daran zeige, dass man dem Sozialministerium zugeordnet ist. »Wir sind eine Bildungseinrichtung, wir gehören ins Kultusministerium.«

Einst hatte sie der erste Bürgermeister der Gemeinde Langgöns eingestellt. Der vierte, Marius Reusch, gratulierte ihr nun zum 40-Jährigen. »Frau Bramer ist länger tätig, als ich auf der Welt bin.« Er dankte ihr für das Engagement, mit der sie nun auch seit 25 Jahren die Kita führt.

Den Glückwünschen schlossen sich die neue stellvertretende Leiterin der Mäuseburg, Janina Nern sowie die neue Verwaltungsleiterin Katharina Müller an. Die Kinder hatten zuvor mit dem Lieblingslied von Bramer gratuliert: »Annchen Mariannchen«.

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