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Eine von vielen Fundkatzen aus dem Landkreis: Paulchen.

Tag der Katze

3000 Streuner allein im Kreis Gießen

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Heuchelheimer Tierschützer werben für kommunale Katzenschutzverordnungen - doch die Städte und Gemeinden tun sich bislang noch schwer.

Heuchelheim (so). Kassel hat sie, Karben ebenfalls - und Buseck. Doch weit verbreitet sind so genannte Katzenschutzverordnungen nicht. Nur 33 der 423 hessischen Städte und Gemeinden habe solche Regelungen zum Schutz der Katzen, insbesondere der Freigänger und Streuner. Obwohl gerade Letztere mancherorts zum Problem werden. Vor allem dann, wenn sie sich ungehindert vermehren können, weil die Handhabe fehlt - zur Kastration, Kennzeichnung und Registrierung der Tiere. Der Deutsche Tierschutzbund plädiert für entsprechende Satzungen und Verordnungen in den Kommunen - doch mit wenig Erfolg. Auch im Kreis Gießen fordert der Katzenschutzverein "Katzenreich" aus Heuchelheim die Kommunalpolitik auf, sich für den Katzenschutz einzusetzen.

Nur Buseck ist dabei

Allerdings ist einzig in Buseck bislang ein solches Regelwerk eingeführt worden, andernorts tut man sich schwerer damit. Katzenreich-Vorsitzende Ilona Kreiling und ihre Mitstreiterinnen sind in den vergangenen zwölf Monaten mehrfach u. a. in Grünberg, Lich und Reiskirchen in den Rathäusern vorstellig geworden und haben für die Idee geworben. Doch sie wurden bislang nur vertröstet, berichten Kreiling und ihre Kollegin Hannelore Tenggren.

Gerade in Kommunen im ländlichen Raum, mit dörflichen Strukturen, sei es nach wie vor Usus, Katzern nicht zu kastrieren. Oftmals aus dem Irrglauben heraus, kastrierte Tiere kämen ihrer Arbeit als Mäusefänger nicht mehr nach. Deshalb warben die Katzenschützer vorrangig dort um ihr Anliegen. Grünbergs Bürgermeister Frank Ide hat das Thema sehr wohl auf dem Schirm; das Ordnungsamt hat sich mit der Frage befasst. Er will eine Verordnung von allen Bürgermeistern gemeinsam beraten sehen, kündigt er an - um eine Linie zu finden und zu hören, welche Erfahrungen und Überlegungen es andernorts gibt. Sein Reiskirchener Kollege Dietmar Kromm sieht erst mal andere in der Pflicht: Der Tierschutz sei originäre Aufgabe des Landkreises. Und: "Eine Satzung, deren Umsetzung nicht kontrolliert wird oder werden kann, macht wenig Sinn. Damit müssten auch personelle Ressourcen geschaffen werden, die zurzeit nicht zur Verfügung stehen.", erklärt Kromm.

Problem im ländlichen Raum

Doch das Problem mit Freigängern und verwilderten Katzen gibt es allerorten. Schätzungsweise 14 Millionen Katzen gibt es bundesweit, wenigstens in jedem fünften Haushalt schnurrt und miaut es. Dazu kommen rund zwei Millionen verwilderte Streuner zwischen Flensburg und Garmisch, zwischen Saarbrücken und Frankfurt/Oder. 400 000 dieser Streuner leben in Hessen. Allein im Kreis Gießen, so schätzt Tunggren, liegt die Zahl bei rund 3000 Tieren. Wenn man dann noch weiß, dass jede Katze in einem Jahr zweimal zwei bis acht Junge bekommen kann, die sich nach rund acht Monaten wieder vermehren können, dann macht das die Dimension der Aufgabe deutlich.

Tierheime und Katzenschutzorganisationen können die Folgen nicht mehr stemmen. "Wir wissen nicht mehr, wo wir die Tiere unterbringen sollen, klagt Kreiling. Die Anrufe der Menschen, die Katzen abgeben wollen, überwiegen bei weitem die der Menschen, die eine Katze aufnehmen wollen.

Kosten trägt der Tierschutz

Deshalb das Werben für die Rechtsgrundlage zum Fangen und Kastrieren dieser Streuner und zum Markieren und Registrieren plus Kastrieren der Freigänger aus Privathaushalten. Auf die Kommunen kommen weiter keine Belastungen zu, sagen Kreiling und Tenggren. Denn die Kosten für Kastration und Registrierung - bis zu 150 Euro je weibliches Tier - trage der Tierschutz.

Mehr zum heutigen Tag der Katze: Seite 16

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