Der Mainzlarer Frisör Herbert Waschewski setzt lieber weiter auf Masken und Abstände nach dem 3G-Modell
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Der Mainzlarer Frisör Herbert Waschewski setzt lieber weiter auf Masken und Abstände nach dem 3G-Modell

Pandemie

2G oder 3G: Wie entscheiden sich Frisöre und Gastronomen aus dem Kreis Gießen?

  • Jonas Wissner
    VonJonas Wissner
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Mehr Spielräume, wenn Menschen ohne Corona-Impfung draußen bleiben: Diese Option haben nun auch Frisöre und Co. in Hessen. Doch eine kleine Umfrage zeigt: Viele Inhaber wollen ungeimpfte Stammkunden nicht abweisen - und fühlen sich von der Politik im Stich gelassen.

Gießen – 2G oder 3G? Seit einer Woche haben unter anderem Frisöre und Gastronomen in Hessen die Wahl: Sie können wie bislang nach der 3G-Regel verfahren, also neben Corona-Geimpften und -Genesenen auch negativ Getestete empfangen. In diesem Fall gilt weiter Masken- und Abstandspflicht. Oder sie wechseln zum 2G-Modell, schließen Kunden ohne Corona-Impfschutz aus, dürfen dafür aber auf die Einschränkungen verzichten.

Wie halten es die Inhaber mit Ungeimpften? Eine - freilich nicht repräsentative - Umfrage unter Frisören und Gastronomen im Norden des Landkreises zeigt: Viele setzen, zumindest vorerst, weiter auf 3G; nehmen lieber Einschränkungen in Kauf, statt womöglich Kunden abweisen zu müssen. So ist es auch bei Liane Hess, die seit 1998 den Frisörsalon »Haarlekin« in Staufenberg führt. 2G sei für sie keine Option - denn es gebe ja noch »genügend Leute, die nicht geimpft sind«. Für Hess steht fest: »Ich kann doch Stammkunden nicht sagen: ›Bleibt draußen!‹« Bislang zeigten die Kunden Verständnis, dass hier Masken weiter dazu gehören.

Auch bei Meik Ulrich, der den Salon Ulrich in Großen-Buseck von seinem Vater übernommen hat, gilt weiter 3G - nicht zuletzt, weil Ulrich Bedenken hat, dass sonst mancher Kunde ohne Impfung sich vielleicht einen anderen Stammfrisör suchen würde. Ihm kommt zugute, dass der Salon sich über drei Stockwerke erstreckt, »da können zehn Leute sitzen, ohne dass sie direkt nebeneinander sind«.

2G versus 3G im Kreis Gießen: Frisöre wollen Stammkunden nicht abweisen

An Abstände, Masken und die Kontrolle von Test- und Impfnachweisen haben sich Frisöre und Co. gewöhnt, wenngleich, wie es bei manchen heißt, das Arbeiten unter diesen Bedingungen nicht immer angenehm sei. »Wirklich gefallen tut es mir nicht. Mir fehlt abends schon mal die Luft, wenn ich den ganzen Tag die Maske anhabe«, sagt Herbert Waschewski. Der 69-Jährige betreibt seinen Salon in Mainzlar seit 1969. Zurzeit geht es hier eher ruhig zu, obwohl Waschewski ausgebucht ist. Der Grund: Im Salon ist jetzt immer nur ein Kunde. Gerade hat der Frisör einen Gast versorgt, nun ruft er den nächsten rein. Dazwischen wird der Platz desinfiziert.

Für den Inhaber bedeutet das Aufwand. Trotzdem wäre 2G für ihn keine Option. »Ich habe zu 90 Prozent Stammkundschaft, darunter sind auch ein paar, die nicht geimpft sind. Wenn ich Leuten seit 20 Jahren die Haare schneide, kann ich doch nicht sagen: ›Ich mache es jetzt nicht mehr!‹« Persönlich hat er zum Impfen eine klare Haltung: »Unser Sozialgewissen wäre ganz dankbar, wenn es alle machen würden.«

Doch es machen nicht alle. Von der vielbeschworenen »Herden-Immunität« ist Deutschland noch immer ein gutes Stück entfernt. Und so müssen sich Inhaber nun für eine Regel entscheiden, was für viel Unmut sorgt. »Die Verantwortung wird von ganz oben nach unten geschoben«, kritisiert Waschewski bitter lächelnd. Seine Kollegin Hess nennt es eine »absolute Frechheit«, dass Land und Bund keine klare Linie vorgeben. Frisör Ulrich sagt: »Besser wäre eine klare Marschroute. Wenn die Wahl schon rum wäre, hätten wir vielleicht 2G schon festgelegt.« Womöglich, meint er, werde es bald so kommen.

Im Landgasthof »Zum Schwanen« in Mainzlar versorgt Inhaberin Antje Vogel gerade eine Gruppe Seniorinnen mit Schnitzeln. Als es um die 2G-Variante geht, gerät sie in Rage: »Ich finde es nicht in Ordnung, dass Menschen durch die Hintertür zum Impfen gezwungen werden« - denn darauf, meint sie, ziele die »diskriminierende« 2G-Option ab. »Ich sage ja nicht, dass Impfen falsch ist, aber das muss sich doch jeder selbst überlegen!« 2G werde es bei ihr jedenfalls nicht geben. Die Frage nach dem Impfstatus sei sehr intim - sie wolle sie ihren Gäste ungern stellen.

2G versus 3G im Kreis Gießen: »Manche Gäste sind total verwirrt.«

Das Thema treibt Vogel um. Sie fragt die Seniorinnen, welche Regel sie denn bevorzugten. »Mit 2G ist es in Ordnung«, sagt ein Frau, die gerade in dem Gasthof mit 3G-Regel sitzt. »Wer jetzt nicht geimpft ist, muss Einschränkungen in Kauf nehmen«, äußert sich eine andere. Sie könne nicht verstehen, warum Menschen den Piks noch immer scheuen. Inhaberin Vogel wirkt überrascht - und die Aussagen zeigen, dass das Optionsmodell manche Kunden durcheinander bringt.

Das bestätigt Evelyn Burmeister, Inhaberin der »Alten Schmiede« in Großen-Buseck: »Manche Gäste sind total verwirrt.« Auch für sie selbst ist es zurzeit nicht leicht, den richtigen Weg zu finden. »Das Personal ist komplett geimpft. Fürs Arbeiten wäre 2G einfacher«, doch dazu würde sie gern erst einmal errechnen, wie viele Kunden schon ein Vakzin erhalten haben. »Ich gucke mir das jetzt noch ein bisschen an«, ein Umschwenken auf 2G schließt sie nicht aus. Ein Eisdielenbetreiber aus dem Kreis Gießen, der anonym bleiben möchte, freut sich indes, dass er wählen kann: »Ich finde es okay, dass man selbst entscheiden darf, das ist doch auch ein Stück Freiheit. Gastronomen, die jetzt auf die Politik schimpfen, drücken sich vielleicht vor der Entscheidung.« Er vermutet: »Wenn die Politik sagen würde: Nur 2G - dann würde es heißen: Die haben uns gezwungen!« Bei ihm gilt zurzeit 3G, »zumal die Tests noch kostenlos sind«.

2G versus 3G im Kreis Gießen: Laut Inhabern kaum Kontrollen von Behörden

Im griechischen Restaurant »Irodion« an der Landesstraße zwischen Wieseck und Alten-Buseck sind Menschen, die weder geimpft noch genesen sind, schon jetzt außen vor. »Da kann man frei arbeiten, ohne Masken, Abstand und Trennwände«, sagt Oberkellner Christos Tsakiris, »wir können die Tische wie früher besetzen und auch Gruppen annehmen, ohne Angst zu haben«. Das schmecke manchen Ungeimpften nicht: »Einer hat gesagt: ›Ihr habt wohl zu viel Geld!‹ Aber von diesen Leuten hat niemand an uns gedacht, als wir in Kurzarbeit waren.«

Wie sieht es eigentlich mit Kontrollen der Corona-Regeln aus? Etliche Inhaber sagen, sie hätten seit Monaten keinen Behördenbesuch gehabt.

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