Pro 2500 Einwohner nur ein Geistlicher

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Hüttenberg/Langgöns (bkl). Einschneidende Veränderungen kommen auf den in diesem Jahr neu gebildeten Evangelischen Kirchenkreis an Lahn und Dill zu. Das ist den 109 Delegierten aus den 50 Gemeinden bei ihrer Herbstsynode in den Hüttenberger Bürgerstuben deutlich geworden. Zu dem Kirchenkreis gehören auch Kirchengemeinden aus Langgöns und Wettenberg.

Roland Rust, der leitende Pfarrer des Kirchenkreises, ging zunächst auf den zunehmenden Mitgliederrückgang und die allgemeine Distanzierung vom kirchlichen Leben und christlichen Glauben ein. Dies werfe die Frage auf, wie die Kirche für die Menschen da sein kann, ohne ihre auf Christus bezogene Identität aufzugeben. "Nach wie vor wird die soziale Funktion der Kirche hoch bewertet", sagte Jörg Süß, stellvertretender leitender Pfarrer im Kirchenkreis. "Es wird erwartet, dass sie sich um Personen kümmert, die von der Gesellschaft vernachlässigt werden."

2009 hatten die ehemaligen Kreissynoden Wetzlar und Braunfels je ein Pfarrstellenkonzept mit der notwendigen Reduzierung von Stellen beschlossen, Braunfels hatte es 2012 noch einmal konkretisiert. Diese Konzepte wurden nun zusammengeführt und den neuen landeskirchlichen Vorgaben angepasst. Mit 88 Ja-Stimmen und bei 21 Enthaltungen beschloss die Synode das neue Konzept.

Messzahl für eine volle Pfarrstelle sind jetzt 2500 Gemeindemitglieder. Dies muss nicht nur bei der Besetzung der derzeit vakanten Pfarrstellen berücksichtigt werden, sondern hat auch Auswirkungen auf bestehende Pfarrstellen. Hinzukommt, dass mit einer jährlichen Abnahme der Gemeindeglieder um drei Prozent gerechnet wird. Daher solle verstärkt danach geschaut werden, welche Kooperationen möglich sind.

Fundraising für Pfarrer?

Einige Gemeinden in den acht Regionen des Kirchenkreises hätten bereits Beziehungen zu Nachbargemeinden geknüpft und seien schon dabei, Gottesdienste und Veranstaltungen gemeinsam zu planen. Ziel sei es, die Zahl der Gemeindepfarrstellen des Kirchenkreises von jetzt 37 auf 20,75 im Jahr 2030 zu verringern. Doch auch die Zahl der Gemeindepfarrer wird aufgrund von Pensionen in dieser Zeit stark zurückgehen. Der Kreissynodalvorstand wird den Prozess insgesamt begleiten und unterstützen.

Vorschläge der Synodalen, den anstehenden Herausforderungen zu begegnen, waren beispielsweise Pfarrstellenanteile über Spendenaktionen zu erhalten oder einzurichten, attraktive Rahmenbedingungen für den theologischen Nachwuchs zu schaffen oder Schulungen Ehrenamtlicher auf regionaler Ebene durchzuführen.

Weiter beschloss die Synode, bei der Landeskirche eine erweiterte Berichterstattung über die Kostenüberschreitungen bei der Einführung der Software Wilken P5 zu beantragen. Die neue Buchhaltungssoftware wird am 2. Januar 2020 auch im Kirchenkreis an Lahn und Dill eingeführt. Das Budget von 7,86 Millionen Euro, das die Landessynode bewilligt hatte, wird aufgrund von Fehlern in der Kalkulation voraussichtlich um 3,4 Millionen Euro überschritten werden.

Erstmals wurde in diesem Jahr ein gemeinsamer Haushalt für den Kirchenkreis und das Kirchenamt beschlossen. Hier stehen den Erträgen von 8,25 Millionen Euro Aufwendungen von 8,47 Millionen Euro gegenüber. Hauptgrund für den Fehlbetrag, der aus Rücklagen gedeckt werden kann, ist das Finanzausgleichssystem in unterschiedlicher Ausprägung der beiden Altkirchenkreise Braunfels und Wetzlar, das in Zukunft angepasst werden soll. Das erwartete Kirchensteueraufkommen für 2020 beläuft sich auf 18,5 Millionen Euro (Vorjahr: 18 Millionen).

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