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Mit Herz und Seele: In Linden gibt es seit 25 Jahren griechische Spezialitäten

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Von: Stefan Schaal

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»Wenn du etwas erreichen willst, musst du es mit Herz und Seele machen«, sagt Evangelos Grivas.
»Wenn du etwas erreichen willst, musst du es mit Herz und Seele machen«, sagt Evangelos Grivas. © Stefan Schaal

Evangelos Grivas und seine Familie betreiben seit einem Vierteljahrhundert ein griechisches Restaurant im Sängerheim des Gesangvereins Eintracht Leihgestern. Was die Gaststätte auszeichnet, beschreibt ein Stammgast mit einem Wort: »Familie«.

Gießen - Felsen, bis zu 500 Meter hoch, ragen wie Nadeln aus Sandstein in den Himmel. Oben auf den Gipfeln der von der Natur geschaffenen Türme thronen Klöster. Stehen die Wolken tief, scheint es, als würden sie schweben. Aus dieser faszinierenden Gegend der Meteora-Klöster in Thessalien stammt Evangelos Grivas. Der Lebensmittelpunkt, die Heimat seiner Familie indes ist längst der Landkreis Gießen. Seit nun 25 Jahren führt die Famile das Restaurant »Akropolis« in Leihgestern.

Der 58 Jahre alte Grivas nimmt an einem Tisch in seinem Lokal Platz. Es ist Dienstag, Ruhetag. Die Gaststätte ist leer. Aus der Küche aber dringen Stimmen und Klopfgeräusche, die Familie bringt die Küche auf Vordermann. »Wir sind jeden Tag von morgens bis abends hier«, sagt Grivas. Man beschäftige keine Angestellten, bewältige sämtliche Arbeiten selbst. »Wenn du etwas erreichen willst, musst du es mit Herz und Seele machen«, sagt er.

Die Gaststätte im Sängerheim des Gesangvereins Eintracht Leihgestern wird von vielen Stammgästen im Kreisgebiet geschätzt - für griechische Spezialitäten freilich, alles hier wird selbst zubereitet, auch die Saucen und Gewürzmischungen. Vor allem aber ist das Restaurant für die außergewöhnlich freundliche und familiäre Atmosphäre bekannt. Grivas, seine Frau und die Kinder haben in den vergangenen 25 Jahren zahlreiche Hochzeiten und Familienfeiern im Saal des Vereinsheims bewirtet. »Viele, die früher als Kinder mit ihren Eltern hier zu Gast waren, kommen jetzt mit ihren eigenen Familien ins Lokal«, erzählt Grivas.

Kreis Gießen: Griechisches Restaurant „Akropolis“ war Knochenarbeit

Der Gastwirt blickt zurück auf den ersten Tag, als er die Gaststätte vor 25 Jahren öffnete. Von Anfang an war es Knochenarbeit. »Es war Silvester«, erzählt er. »Eigentlich wollten wir am Mittag loslegen. Das haben wir aber nicht geschafft« Die Vorbereitungen hätten sich gezogen. Es habe geschneit. »Wir mussten den Bürgersteig freimachen, Schnee schippen.« Der Besuch hielt sich zunächst in Grenzen. Die Eintracht Leihgestern hatte damals aber ihren Wandertag, viele Mitglieder kehrten anschließend im »Akropolis« ein. »Die Tür ging auf. Und plötzlich haben 70, 80 Leute an den Tischen gesessen.«

Auf die Frage, ob es für ihn überhaupt vorstellbar wäre, nochmal an anderer Stelle zu leben und eine Gaststätte zu führen, antwortet Grivas: »Nein. Es gibt keine andere Station.«

Dabei hat er seinen gastronomischen Beruf eigentlich in Baden-Württemberg begonnen. 1988 zog er allein aus Griechenland nach Rastatt. Ein Bekannter des Vaters führte dort damals eine Gaststätte. In Griechenland seien die beruflichen Aussichten eher trüb gewesen, »ich wollte mehr als nur Saisonarbeit von März bis Oktober. Ein solches Leben konnte ich mir nicht vorstellen. Ich wollte weg.« Mit seinen Eltern hatte Grivas als Kind einige Jahre in Einbeck in Niedersachsen gelebt, die Familie war aber wieder nach Griechenland zurück gekehrt. Die deutsche Sprache war ihm allerdings noch vertraut.

Gastronom aus dem Kreis Gießen feiert 25-jähriges Jubiläum: „Wir sind herzlich aufgenommen worden“

Grivas arbeitete in Rastatt zunächst im Thekenbereich, spülte Gläser. »Aber ich wollte nicht immer und ewig Angestellter bleiben.« Schon zwei Jahre später, im Juli 1990, machte sich Grivas gemeinsam mit seiner Frau Evangeli selbstständig in Rastatt, später dann in Karlsruhe und Pforzheim.

1994 stieß er schließlich auf eine Anzeige in der Zeitung des Gastronomie- und Handelsverbands. Gesucht wurde ein Pächter für das neu errichtete Vereinsheim der Eintracht Leihgestern. Ein erster Pächter hatte dort nach wenigen Monaten den Gaststättenbetrieb wieder eingestellt.

Die Lage ihres damaligen Lokals in Baden-Württemberg sei nicht ideal gewesen, erzählt Grivas. Und so entschloss sich die Familie, in die ihnen damals völlig unbekannte Stadt Linden zu ziehen. »Wir sind hier sehr herzlich aufgenommen worden, von den Lindenern und vom Gesangverein.«

Seit Silvester vor gut zwei Wochen führt die Familie das »Akropolis« nun genau 25 Jahre. Eine größere Feier gab es nicht. Wegen Corona ist sie ausgefallen. In der Pandemie habe man sich dennoch bisher gut über Wasser halten können, sagt Grivas. »Wir liefern seit mehreren Jahren, schon lange vor Corona, auch außer Haus.« Dadurch habe man zu keinem Zeitpunkt komplett den Betrieb schließen müssen.

Restaurant „Akropolis“ im Kreis Gießen: Zeichen für die Zukunft stehen gut

Für weitere 25 Jahre des Familienbetriebs scheinen die Zeichen derweil gut zu stehen. Das Ehepaar Grivas hat zwei Söhne und eine Tochter. Beide Söhne, 28 und 29 Jahre alt, arbeiten von morgens bis abends im Restaurant. »Ich bin stolz auf meine Kinder«, sagt Grivas. »Aber es ist ein Beruf ohne Wochenende. Wir hatten jetzt auch an Weihnachten und an Silvester geöffnet. Für meine Söhne hätte ich mir eine Tätigkeit mit mehr Privatleben gewünscht.«

Es ist ein früher Abend, am Tresen sitzen zwei Männer, plaudern, trinken Bier. Christos, der Sohn des Pächters, kommt ihnen entgegen. Sofort heben die beiden Gäste die Hand, rufen ihm »Herzlichen Glückwunsch« zum 28. Geburtstag zu. Ungewöhnlich ist nicht, dass sie ihm gratulieren. Bemerkenswert ist, dass sie überhaupt wissen, dass er Geburtstag hat. Einer der beiden Stammgäste, ein 77 Jahre alter Mann, sagt, er komme mehrmals in der Woche hierher. Was ihn ins Akropolis lockt? Hier fühle er sich eben wohl, sagt er. Und fügt nur ein Wort hinzu. »Familie.« (Stefan Schaal)

Die neuen Corona-Maßnahmen betreffen auch die Gastro-Branche stark.

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