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In diesem Bereich verorten alte Karten und das Landesgeschichtliche Informationssystem das Zentrum des verschwundenen Dorfs Feldheim. Die Gemarkung ist noch heute von Feldern und Wiesen geprägt.

1250 Jahre Feldheim

  • VonPatrick Dehnhardt
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771 wurde das Dorf Feldheim erstmals erwähnt, keine 700 Jahre später war es zur Wüstung geworden. Die Gemarkung jedoch existierte noch Jahrhunderte weiter - und ihre Aufteilung führte zu einem 119 Jahre andauernden Streit zwischen Utphe, Trais-Horloff, Inheiden und dem Grafenhaus.

Zahlreiche Dörfer hätten dieses Jahr gerne ihr Jubiläum gefeiert: Nonnenroth etwa hatte die erste urkundliche Erwähnung vor 750 Jahren zelebrieren wollen, Bettenhausen und Langsdorf die vor 1250 Jahren. Doch die Pandemie machte einen Strich durch die Rechnung, die großen Feste wurden auf 2022 verschoben.

Es könnte aber noch schlimmer sein: Wenn niemand mehr da wäre, der das Jubiläum feiert. Dies ist in der Geschichte Mittelhessens gar nicht so selten. Der Dreißigjährige Krieg etwa sorgte in einigen Orten für solche Schäden und Verluste, dass an Feiern nicht zu denken war. Manche Dörfer waren zwischenzeitlich menschenleer, wurden dann aber wieder besiedelt.

Ein anderer Grund war, dass Dörfer aufgegeben wurden. Der Standort erwies sich als nicht ideal, die Erträge der Böden blieben hinter den Erwartungen zurück oder in der Nähe entstand eine Stadt, die mit ihren Mauern mehr Schutz und Möglichkeiten versprach.

Ein Beispiel dafür ist Feldheim, auf halber Strecke zwischen Bellersheim und Inheiden nicht mehr zu finden. Dort wo der Köstgraben am Bahndamm entspringt, soll das Dorfzentrum an einer kleinen Anhöhe gelegen haben, Das Landesgeschichtliche Informationssystem (Lagis) Hessen verzeichnet jedenfalls dort die Wüstung, zudem legen Flurnamen wie »Beim Heiligen Haus« dies nahe.

Bewohnt bis ins 14. Jahrhundert

Genauso wie Langsdorf und Bettenhausen hätte Feldheim dieses Jahr 1250-jähriges Bestehen feiern können - wenn es nicht bereits vor Jahrhunderten verschwunden wäre. 771 wurde Feldheim erstmals im Kodex des Klosters Lorsch erwähnt.

Dass Feldheim 1338 noch bewohnt war, lässt sich aus einer Urkunde ablesen, in der ein Berthold Grebe von »Feldheym« erwähnt wird. Lagis Hessen verzeichnet das Jahr 1403 als letztes Lebenszeichen aus dem Dorf. Als sich 1423 Bernhard und Johann von Solms das Erbe der Falkensteiner, den ehemaligen Herren der Münzenburg, aufteilen, war das Dorf bereits verlassen.

Wohin die Feldheimer zogen, bleibt im Dunkel der Geschichte. Vermutlich siedelten sie in die umliegenden Dörfer und die Stadt Hungen um. Von Hungen aus führte die »alte Straße« nach Feldheim, sodass die Felder des aufgegebenen Dorfs weiter bewirtschaftet wurden.

Die Gemarkung Feldheim selbst überlebte die Siedlung um Jahrhunderte. Sie zog sich einst vom Feldheimer Wald über das Areal der Bahntrasse bis hin zur Straße Bellersheim - Trais-Horloff und noch weiter, war 375 Hektar groß. Nachdem das Dorf erloschen war, wurde sie von Inheiden, Trais-Horloff und Utphe aus verwaltet.

1835 schlug der Kreisrat die Teilung Feldheims vor, der Trais-Horloff widersprach. 119 Jahre Diskussionen sollten folgen. Ein zentraler Streitpunkt war die polizeiliche Aufsicht über die Gemarkung, die dem Grafen zugefallen wäre.

1841 waren die Pläne für die Teilung weit gereift, als dieser Streitpunkt erneut Debatten auslöste. Schließlich verfügte das Innenministerium sechs Jahre später, dass die Bürgermeister Feldheim provisorisch polizeilich führen sollten. Kurze Zeit später verzichtete der Graf auf »das Recht der Polizeiführung«, der Feldschütz sollte nun abwechselnd von den drei Gemeinden gestellt werden.

Da war aber bereits der nächste Streitpunkt auf dem Tisch: Der Graf wollte den Feldheimer Wald nicht in die Aufteilung einfließen lassen, dafür später auf Ackerflächen verzichten. Doch die Gemeinden widersprachen dem. 1853 war die Teilung zunächst gescheitert.

Auf 119 Jahre Streit folgt die Teilung

1949 gab es einen Erlass des Landes, dass selbstständige Gemarkungen einer Gemeinde zugeteilt werden sollten. Utphe wollte daraufhin die gesamte Gemarkung, Inheiden und Trais-Horloff hingegen zunächst die durch den Braunkohletagebau in ihren Gemarkungen verlorenen Flächen abziehen und den Rest dann aufteilen. Die Gespräche stockten.

1951 beanspruchte Trais-Horloff nun die Gemarkung, der Kreistag stimmte dem zu. Trais-Horloff war damals in finanziellen Nöten. Nach zahlreichen weiteren Diskussionen wurde die Gemarkung am 1. April 1954 schließlich aufgeteilt, wobei es zu Gemarkungstauschen zwischen Trais-Horloff und Inheiden kam. Nach insgesamt 119 Jahren Verfahrensdauer war die Teilung vollzogen. Zwei Jahrzehnte später war sie schon hinfällig: Alle drei Dörfer gehören seit 1977 zur Stadt Hungen.

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